Beton hat nicht den besten Leumund derzeit, denn bei der Produktion des Baustoffes fällt viel klimafeindliches CO2 an. Ohne Beton geht es aber auch (noch) nicht und an der klimafreundlicheren Herstellung von Beton und besseren Verwendung von recyceltem Beton nicht nur im Straßen-, sondern auch im Wohnbau wird gearbeitet.
Lobenswert außerdem, wenn vorbildliche Projekte mit Beton in den Fokus genommen werden, auch dafür sind Auszeichnungen wie der alle drei Jahre vergebene und mit 25 000 Euro dotierte Betonpreis gemacht.
Wulf Architekten aus Stuttgart haben eine von vier Anerkennungen erringen können. Das Büro hat zuletzt mit einem kreislauffähigen Feuerwehrhaus für Furore gesorgt, und überzeugte die Jury nun mit dem Sportzentrum Schulcampus Überlingen.
Die Jurybegründung: „Dieses Gebäude zeigt eindrucksvoll, wie auf einfache kluge Art und Weise Nutzungen gestapelt werden und dabei gleichzeitig ein ikonographisches Gebäude entsteht. Die V-förmigen Stahlbetonstützen zeigen, wie intelligent der Baustoff verwendet werden kann und gleichzeitig eine hervorragende Tragstruktur entsteht.“
Überzeugt hatte auch „die nachhaltige Planung und klare Gestalt, dazu ein kluger Materialmix, der Holz, Metall und Beton zu einem Bauwerk verbindet und bei minimierter Grundfläche ein Maximum an Nutzung bietet.“
Außerdem vergab die Jury drei weitere Anerkennungspreise – an das „6x60 Haus“ von Alexander Tochtermann & Philipp Wündrich (München), den Ausbau der Trinitatiskirchruine zum Jugendzentrum von Code Unique Architekten (Dresden) und das Rathaus Korbach von ARGE agn Heimspielarchitekten (Ibbenbüren / Münster).
Eine Decke aus dem 3-D-Drucker
Vier Projekte teilen sich den Hauptpreis: Das Büro Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth, mit dem Gymnasium Neustadt an der Waldnaab in Bayern wurde von der Jury gelobt für „die gelungene Revitalisierung des Gebäudes.“ Eine Deckenkonstruktion, die „concrete lightweight ceiling“ von Lattke Architekten, Augsburg (Bauherrin ist die Stadt Nördlingen) gewann ebenfalls. Planung und Ausführung der Decke kommt von der Eigner Bauunternehmung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz.
Die materialoptimierte Stahlbetondecke wurde mit 3-D-gedruckten Betonhalbschalen realisiert. Die Jury: „Diese Arbeit zeigt, dass die Zukunft im Drucken von Beton liegen kann. Beton wurde nur dort eingesetzt, wo man ihn unbedingt benötigt – so wurde gleichzeitig das Gewicht reduziert sowie Material und CO2 eingespart.“
Weiterbauen im Bestand
Beim Kornversuchsspeicher in Berlin durch AFF Architekten aus Berlin ist das zeitgemäße Weiterbauen ein Thema gewesen. Die Jury lobt: „Schon das vorhandene Gebäude, das mit Stahlbeton gebaut wurde, zeigt, wie auch zukünftig mit dem Baustoff umgegangen werden kann, wie die Decken Konstruktionen so sein können, dass sie wirklich Material einsparen und wie gleichzeitig ein hervorragender architektonischer Beitrag entsteht.“
Das vierte Siegerobjekt ist ein Wohnbauprojekt: Mit dem „Telegraph“ in Berlin von den Architekten & MICA (Berlin) entstand Wohnraum in bereits vorhandenen Strukturen. Die Jury: „Die Struktur der großen Balkone mit der intensiven Begrünung zeigt ein neues Bewusstsein für die Stadt. Die Stahlbetonkonstruktion wird auf ein Minimum reduziert und ist gleichzeitig auch der Träger für die Begrünung.“
Viele Projekte von Architekturbüros aus Stuttgart
In der engeren Auswahl waren weitere Projekte aus Stuttgart – und ganz Baden-Württemberg, darunter etwa das Wohnprojekt „Wohnen für alle – Haus am Park“ in Tübingen von Yonder Architektur und Design und Somaa, beide Stuttgart, die Alte Kelter in Miedelsbach im Rems-Murr-Kreis von Sigrid Hintersteininger Architects aus Stuttgart, ein Bistro-Pavillon, Stuttgart-Möhringen von Brixner Architekten aus Stuttgart und die Brauereihalle Kirchheim unter Teck von mehr* architekten aus Kirchheim unter Teck.
Projekte von Stuttgarter Architekturbüros außerhalb Baden-Württembergs waren ebenso darunter: das Besucherzentrum Bundesschule Bernau - Bauhausdenkmal und Unesco-Welterbe, Bernau bei Berlin von Steimle Architekten aus Stuttgart sowie das Physik-Schullabor „Light & Schools“ der Universität Hamburg, Hamburg-Bahrenfeld von Hammeskrause Architekten aus Stuttgart.
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Betonpreis
Bereits zum 22. Mal wurden die besten Betonbauten in Deutschland