So sieht das Wohnen der Zukunft aus
Das Siegerprojekt sieht die Jury unter dem Vorsitz von Christiane Thalgott als Maßstäbe setzende Antwort in der drängenden Frage nach der Zukunft des Wohnens. Das Architektenteam hat für die 27 Wohnungen einer Genossenschaft eine „matrixartige Raumstruktur“ erdacht. Durch flexible Grundrisse sind einzelne Zimmer verschiedenen Einheiten zuschaltbar – die Wohnungen können also wachsen und schrumpfen und sich so verändernden Lebensbedürfnissen anpassen. Im Erdgeschoss finden sich Gemeinschaftsflächen sowie eine das Quartier belebende Gewerbeeinheit. Das Projekt zeige, „wie wir auf erschwingliche und spannende Weise zusammenleben können“ und überzeuge durch „eine feine Architektursprache“, urteilten die Jury-Mitglieder.
Dringliches Thema Nachhaltigkeit
Die Betonskulptur der Stuttgarter John-Cranko-Schule zum Sieger zu küren, konnte sich die Jury wohl vor allem aus Nachhaltigkeitsaspekten nicht erlauben – der Baustoff Beton ist bekanntlich einer der Hauptverursacher von CO2. Eine Auszeichnung für den Kulturbau in Zeiten, in denen die Ökobauwende Fahrt aufnimmt, wäre nicht vermittelbar gewesen, auch wenn der Entwurf aus dem Jahr 2011 stammt, als die Klimakrise noch nicht so dringlich auf der Agenda stand.
Langlebige Architektur, die Umwelt und Klima schont
Wie in früheren DAM-Preis-Jahrgängen waren in der Finalgruppe Lösungsmodelle für Fragen vertreten, die der Gegenwartsarchitektur unter den Nägeln brennen. So legt der Münchner Architekt Florian Nagler mit seinen drei Forschungshäusern in Bad Aibling ein Rezept vor für langlebige Häuser, die Umwelt und Klima schonen. Unter der Maxime „Einfach bauen“ konstruierte er drei Wohnhäuser – eines aus Leichtbeton, eines aus Holz, eines aus Mauerwerk – und kehrte teurer, anfälliger Gebäudetechnik den Rücken. Grundriss, Baukonstruktion, Raumhöhen sind so beschaffen, dass sie vorteilhaft für Raumklima und Energieverbrauch sind.
Der Axel-Springer-Neubau aus Stahl und Glas des Niederländers Rem Koolhaas und seinem Office for Metropolitan Architecture (OMA) inszeniert in Berlin die Arbeits- und Kommunikationswelt der Zukunft. Die spektakuläre Vision wurde jedoch durch die pandemische Gegenwart und den Siegeszug des Homeoffice gewissermaßen schon überholt.
Vielversprechender Start für Stuttgart
Stuttgart war vielversprechend gestartet, neben der mit dem Hugo-Häring-Landespreis prämierten John-Cranko-Schule zählten der Neubau der Württembergischen Landesbibliothek von Lederer Ragnarsdóttir Oei sowie das vom Stuttgarter Büro Haas Cook Zemmrich Studio 2050 geplante Logistikzentrum mit Verwaltung Promega in Walldorf zu den 22 Shortlist-Projekten. Nominiert waren rund hundert zwischen Herbst 2019 und Frühjahr 2021 fertiggestellte Gebäude. Drei Auslandsbauten deutscher Büros kamen außer Konkurrenz hinzu, ebenso ein Nachzügler aus dem Jahrgang 2021, der coronabedingt nicht besucht werden konnte.
DAM Preis 2022. Die 26 besten Bauten in/aus Deutschland. Bis 27. März. Deutsches Architekturmuseum im DAM Ostend, Frankfurt am Main.
Die 26 besten Bauten
Ausstellung
DAM Preis 2022. Die 26 besten Bauten in/aus Deutschland. 29. Januar bis 27. März. Deutsches Architekturmuseum im DAM Ostend, Henschelstraße 16A, Frankfurt am Main. Geöffnet Di-So 12-19 Uhr.
Publikation
Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal (Hg.): Deutsches Architektur Jahrbuch 2022. DOM Publishers, Berlin. 264 Seiten, 38 Euro.
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