ARD-Spielfilm "Laconia" Melancholischer Kommandant mit Courage

Von Tilmann Gangloff 

Die Öffentlichkeit hat ihn vergessen: "Laconia" erinnert an einen deutschen U-Boot-Kapitän, der mehr als tausend Menschen rettete.

Kapitän Schacht (Simon Verhoeven, links) kommt seinem Freund zu Hilfe, dem U-Boot-Kapitän Hartenstein (Ken Duken). Foto: ARD
Kapitän Schacht (Simon Verhoeven, links) kommt seinem Freund zu Hilfe, dem U-Boot-Kapitän Hartenstein (Ken Duken). Foto: ARD

Stuttgart - Die Öffentlichkeit hat ihn vergessen, aber nach Männern wie Oskar Schindler und John Rabe bekommt nun auch Werner Hartenstein sein filmisches Denkmal. Im September 1942 versenkte das deutsche U-Boot U 156 den britischen Truppentransporter Laconia. Doch an Bord des Schiffes waren auch Tausende von Zivilisten und italienischen Kriegsgefangenen. Obwohl er ahnte, dass er sich damit in der Admiralität nicht nur Freunde machen würde, nahm Hartenstein so viele Schiffbrüchige wie möglich an Bord und die übrigen Rettungsboote in Schlepptau.

Auf offener Funkfrequenz gab er seine Position durch und bat um internationale Hilfe. Trotz Rotkreuzflagge wurde das U-Boot von einem amerikanischen Bomber angegriffen und musste tauchen. Dennoch hat Hartenstein durch sein beherztes Eingreifen weit über tausend Menschenleben gerettet.

Interessante Entstehungsgeschichte

Der 13 Millionen Euro teure Zweiteiler "Laconia" ist die erste deutsch-britische Koproduktion seit vielen Jahren im Bereich Spielfilm. Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte. Bei Teamworx wie auch bei der britischen Firma Talkback Thames (beide gehören zur RTL-Gruppe) ist man auf der Suche nach Themen, die man gemeinsam umsetzen könnte, unabhängig voneinander gleichzeitig auf den Laconia-Stoff gestoßen.

Die Arbeitsteilung zwischen den beiden Produktionsfirmen sah von Anfang einen britischen Autor und einen deutschen Regisseur vor. Das Buch stammt von Alan Bleasdale, Regie führt Uwe Janson. Er hat bereits mit der Teamworx-Produktion "Vulkan" gezeigt, dass er mit großen Budgets umgehen kann. Gerade seine Theaterfilme ("Baal", "Lulu", "Werther") weisen ihn darüber hinaus als ausgezeichneten Schauspielerregisseur aus.

Der Film hat große Schauwerte zu bieten

Davon profitiert "Laconia". Natürlich hat der Film große Schauwerte zu bieten, aber das ist bei einer internationalen Koproduktion dieser Kategorie Standard. Zu einem Werk über Mitgefühl und Menschlichkeit in Zeiten des Krieges und zum Fernsehereignis aber wird der Zweiteiler durch die herausragenden Darsteller. Ken Duken hat schon in vielen Rollen seine Klasse bewiesen. Durch seine mimisch und vor allem akustisch sparsame, aber dennoch berührende Verkörperung des stets etwas melancholisch wirkenden heroischen Kommandanten etabliert er sich endgültig in der ersten Reihe des deutschen Schauspiels.

Mit ähnlicher Zurückhaltung interpretiert Franka Potente die weibliche Hauptrolle. Die Deutsch-Britin Hilda Schmidt ist mit ihrer kleinen Nichte auf der Flucht vor der Gestapo und will unter dem Namen Hilda Smith mit der Laconia nach England reisen. Der britische Offizier Mortimer (Andrew Buchan), der sich um sie kümmert, entdeckt, dass sie Deutsche ist, verrät sie jedoch nicht. Auch Hartenstein stößt auf Hildas Geheimnis. Er müsste sie eigentlich ausliefern, beweist jedoch erneut seinen Anstand. Während die anderen Rettungsboote auf die angekündigte Hilfe warten, wollen die Insassen von Hildas Boot die Hunderte von Seemeilen entfernte Küste Afrikas erreichen; ein so gut wie aussichtsloses Unterfangen.

Mitunter deutliche Längen

Die weiteren Rollen sind gleichfalls ausgezeichnet besetzt. Gerade die kammerspielartigen U-Boot-Szenen gehören dank Matthias Koeberlin, Jacob Matschenz und Frederick Lau zu den stärksten Momenten des Films. Einprägsame Auftritte haben zudem Thomas Kretschmann als Admiral Dönitz und Brian Cox als Kapitän der Laconia. Optisch hat der Film einiges zu bieten. Da man weder über ein Schiff der Größenordnung der Laconia noch über ein eigenes U-Boot im Stil der U-156 verfügte, mussten beide zumindest teilweise nachgebaut werden. Das Außenmotiv des U-Boots, ein hundert Tonnen schweres, seetaugliches Stahlgerüst, sorgt für die perfekte Illusion.

Exakt zum Gegenteil führt allerdings die sprachliche Gleichmacherei des Films. Weil sämtliche Figuren deutsch reden, verpufft zum Beispiel der erhoffte Effekt, wenn sich Hilda als Deutsche zu erkennen gibt, um Mortimer zu retten. Mitunter hat "Laconia" auch deutliche Längen; die ausführlich beschriebenen individuellen Schicksale der englischen Reisenden scheinen sich stärker an den britischen Sehgewohnheiten zu orientieren. Den zweiten Teil zeigt die ARD am Donnerstag Abend um 20.15 Uhr.