ARD-Wahlarena mit dem CDU-Kanzlerkandidaten Dreimal kommt Laschet unter Druck

Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet Foto: dpa/Axel Heimken
Der Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet Foto: dpa/Axel Heimken

Wie ein Dompteur läuft Armin Laschet (CDU) durch die Wahlarena der ARD, er hat sein Publikum im Griff – aber dreimal knistert es zwischen ihm und kritischen Fragestellern.

Politik: Christoph Link (chl)
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Lübeck - Dieses Format liegt dem CDU-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten der Union sichtlich: Bei der Wahlarena der ARD am Mittwochabend ist er unmittelbar konfrontiert mit rund 60 Zuschauern im Studio – wieder einmal in der Kulturwerft Gollan in Lübeck, warum eigentlich immer Lübeck? Da hält er sich nicht am Stehtisch fest, sondern läuft wie ein Dompteur durch die Arena, postiert sich zwei Meter vor den Fragenden und führt das Gespräch von Angesicht zu Angesicht.

Er hat noch nie gekifft

Auf viele Fragen hatte Armin Laschet eine ganz klare Antwort. Schon mal gekifft, fragt eine 17-jährige Schülerzeitungsredakteurin gleich zu Anfang, und was er denn von der Legalisierung von Cannabis halte. Nein, er habe noch nie Cannabis geraucht, so der Zigarillo-Raucher, aber die Legalisierung halte er für falsch. Aus seinem familiären Umfeld kenne er Fälle, wo mit der leichten Droge begonnen worden sei und dann später eine Sucht und Krankheit die Folge war. Auch die Absage an ein Wahlrecht mit 16 Jahren – „Wahlrecht und volle Geschäftsfähigkeit gehören zusammen“ – war ziemlich eindeutig. Und ohne Interpretationsspielraum fiel auch eine Antwort auf den Vortrag eines jungen Mannes aus, der Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik ist und kritisch anmerkte, wie Deutschland mit Mächten emsig Handel treibt, die massiv Menschenrechte verletzen und „unsere westlich geprägte Ordnung angreifen“. Gemeint waren Russland und China.

Ja zum Handel mit China

„Wir müssen die Menschenrechte als Standard erwähnen, und wir müssen den Systemwettbewerb aufnehmen“, so Laschet. Aber der Handel müsse weitergehen, durch ihn bleibe der Kontakt zu diesen Staaten aufrecht, Themen wie die Armutsbekämpfung oder der Klimawandel seien „ohne China und Russland“ gar nicht voran zu bringen.

Die Impfgegnerin bleibt anonym

Einen spannenden Höhepunkt erhielt die Sendung, als eine Zuschauerin mit verfremdeter Stimme anonym eingeblendet worden ist. Eine ungeimpfte Frau, die Angst hatte, in der Öffentlichkeit erkannt zu werden. Sie sehe ja die Notwendigkeit des Impfens ein, so die Frau, aber sie selbst habe noch offene Fragen an die Forschung und habe persönlich „kein gutes Gefühl“ beim Impfen, außerdem traue sie sich nicht mehr, diese Meinung offen zu äußern. Es war dann schon bemerkenswert, wie Laschet da kurz seine persönliche Betroffenheit über diese Angst vermittelte – „der Rest der Gesellschaft sollte nicht über die herfallen, die anderer Meinung sind“ – aber im gleichen Atemzug die Frau mit einer Impfaufforderung konfrontierte: „Es gibt viele Studien, die die Sicherheit der Impfstoffe bestätigten. Ich empfehle Ihnen, lassen Sie sich impfen!“

Von der Arbeitslosen will Laschet die Telefonnummer

In einem anderen Fall – einer arbeitslosen, 63 Jahre alten Bürokauffrau aus Ostfriesland – bat Laschet um die Übermittlung ihrer Telefonnummer. „Jemand, der Bundeskanzler ist, kann ihren Fall nicht lösen“, so Laschet. Aber wenn jetzt ein Arbeitgeber wieder klage, er finde keine Leute, werde er ihren Fall vortragen: „Wir müssen auch die Älteren wieder ins Berufsleben zurückführen.“

Die Frage eines Homosexuellen wird an Spahn delegiert

Mehrere Antworten fielen eher in die Kategorie ausweichend oder vage. In der Frage des Blutspendens von Homosexuellen – es ist verboten – verwies Laschet auf seinen gegen Diskriminierung stark engagierten Parteifreund Jens Spahn, der da eine Lösung finden müsse („Ich kann da nichts aus dem Ärmel schütteln“). Bei der Entwicklungshilfe sagte er zu, dass man am Erreichen des seit Jahren gesteckten Zieles von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für ärmere Länder „arbeiten“ werde, und bei der Frage nach einem bundesweiten Anti-Diskriminierungsgesetz, und ob er das durchsetzen wolle, fiel die Antwort auch zweideutig aus. Ja, man habe ja schon eine Antidiskriminierungsstelle beim Bund und es sei zu fragen, ob man die Bemühungen gegen den Rassismus bündele und was man in ein solches Gesetz reinschreiben könnte. Jedenfalls könne die Antidiskriminierungsstelle „eine Stärkung vertragen“.

Ein Versprechen für den Schweinezüchter

Einem Schweinezüchter sagte Laschet zu, dass er die bäuerliche Landwirtschaft erhalten wolle, einem Anwalt mit türkischem Hintergrund, der nach seiner Migrationspolitik fragte, sagte er klipp und klar ins Gesicht: „Ich bin auch Euer Bundeskanzler!“ Und einem von der Flutkatastrophe im Ahrtal Betroffenen, der sich „im Stich gelassen“ fühlt, sagte er zu, dass jedes Haus und jedes Dorf wieder aufgebaut werde.

Eine 17-Jährige geht ihn in der Klimafrage an

Nur dreimal hat es in der weitgehend harmonischen Sendung heftig geknistert zwischen Publikum und Politiker. Einmal in der Klimafrage, als eine 17-jährige Aktivistin von Fridays for Future dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen eine „katastrophale Klimapolitik“ in seinem eigenen Land vorwarf – Stichworte waren die Inbetriebnahme des Kohlekraftwerks Datteln 4 im Jahr 2020 und die Räumung des Hambacher Forstes. Da ist Laschet dann etwas emotional geworden und verwies darauf, dass er dies alles von der rot-grünen Vorgängerregierung in Düsseldorf geerbt habe, wegen der seien 3900 Hektar des 4000 Hektar umfassenden Hambacher Forsts weg: „Meine Regierung hat den Hambacher Forst gerettet, die anderen wollten ihn roden.“ Etwas unkonkret fiel aber seine Antwort aus auf die Frage, wie denn ein mögliches 100-Tage-Sofortprogramm für den Klimaschutz aussehen könnte. Schnellere Genehmigungsverfahren etwa für neue Bahnstrecken oder Stromtrassen war da die Antwort, im übrigen müsse man „parteiübergreifend“ mehr Tempo in den Klimaschutz bringen.

Laschet war mal Frauenminister

Nicht konfliktfrei war auch die Debatte einer Zuschauerin mit Laschet, die danach fragte, ob er denn das Recht auf einen Platz im Frauenhaus als Kanzler durchsetzen werde. Laschet führte daraufhin aus, dass er ja selbst mal Frauenminister gewesen sei und viele Frauenhäuser besucht habe und das Nordrhein-Westfalen das „dichteste Netz“ an Frauenhäusern in der Republik habe, worauf die Fragende ihm das Wort abschnitt: „Wenn Sie Kanzler sind, geht es nicht um Nordrhein-Westfalen. Ich möchte wissen, was macht der Laschet auf Bundesebene?“ Auch hier fiel die Antwort eher vage aus, er wolle den NRW-Standard bundesweit, so Laschet, was den Rechtsanspruch anbelange, „da müssen wir mal sehen“.

Warum treten Sie nicht zurück?

Der dritte und letzte Affront eines Zuschauers ging den Kandidaten direkt an: „Die jüngsten Umfragen zeigen doch, dass die Menschen in Deutschland Sie nicht als Kanzler haben möchten“, sagte da ein Mann aus Nordrhein-Westfalen, und ob er deshalb nicht lieber zurücktreten wolle. Laschet steckte das weg und konterte, er schlage vor, dass man über diese Frage die Menschen bei der Bundestagswahl am 26. September entscheiden lasse. „Demokratie heißt nicht, dass man jeder Stimmung nachgibt.“




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