Arena 2036 auf dem Campus in Stuttgart-Vaihingen Größte Forschungsfabrik der Welt übergeben

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In dieser Halle soll Mobilitätsgeschichte geschrieben werden: Auf dem Campus in Stuttgart-Vaihingen ist der ungewöhnliche Neubau eröffnet worden. Er bietet dem Projekt Arena 2036 den Rahmen.

So präsentiert sich der Hallenneubau am Pfaffenwaldring: außen mit  gefalteter Aluminiumfassade, innen, hochfunktional, wandelbar und – noch – leer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
So präsentiert sich der Hallenneubau am Pfaffenwaldring: außen mit gefalteter Aluminiumfassade, innen, hochfunktional, wandelbar und – noch – leer. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Er ist 130 Meter lang, 46 Meter breit, 16 Meter hoch. Der Neubau auf dem Unicampus in Stuttgart-Vaihingen zitiert mit seiner Sheddach-Konstruktion und der gefalteten Aluminiumfassade einen klassischen Industriebau. Innen besteht er vor allem aus einer riesigen, stützenfreien Halle, lichtdurchflutet, elegant, ja fast filigran, an der Nordseite flankiert von voll verglasten Büros auf zwei Etagen. Der ungewöhnliche Forschungsbau der Uni Stuttgart bietet den Wissenschaftlern des Projekts Arena 2036 den Rahmen, um Konzepte für die Mobilität der Zukunft zu entwickeln – und auch gleich umzusetzen. Am Donnerstag ist der Neubau feierlich übergeben worden.

Von einem Leuchtturm sprach Annette Ipach-Öhmann, die Chefin des Landesbetriebs Vermögen und Bau – und meinte damit das Projekt Arena 2036, das neue Wege der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erprobt. Mittlerweile seien an dem Vorhaben 24 Partner beteiligt, berichtete Peter Froeschle, der die Zusammenarbeit der wechselnden Forschungsteams als Vorstand des Vereins Arena 2036 managt. Beteiligt sind neben der Uni Stuttgart unter anderem BASF, Bosch, Daimler, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Fraunhofer-Institute, Festo und weitere Firmen. „Es findet ein reger Austausch statt“, berichtete Froeschle. Ziel sei, neue Projekte ins Leben zu rufen und neue Partner dafür zu finden. Und nun habe man „eine Plattform, auf der neue Denkweisen möglich sind“.

Finanzministerin: „Auf dem Vaihinger Campus wird in der Champions League gespielt“

„Hier ist eine Forschungslandschaft, ein Netz geschaffen worden, in dem innovativ und gemeinsam an der nächsten Generation des Autos gearbeitet wird“, sagte Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne). „Es ist nicht einfach nur ein Neubau, sondern eine Innovations- und Forschungsfabrik. Damit werden die Grundlagen für die Mobilität der Zukunft in Baden-Württemberg gelegt.“ Es sei im Land des Automobils auch im Blick auf die damit verbundenen Arbeitsplätze besonders wichtig, „dass wir hier vornedran sind“. Die Ministerin stellte auch klar: „Hier wird auf dem Campus Vaihingen in der Champions League gespielt.“

Ein Extralob von der Ministerin erhielt die Uni Stuttgart als „leistungsstarker Partner“. Dass die Uni die Hälfte der Baukosten von insgesamt 28,5 Millionen Euro gestemmt habe, sei „keine Selbstverständlichkeit“. Aber auch die Bauzeit von 17 Monaten sei eine „großartige Leistung“. Auch Ulrich Steinbach, Amtschef im Wissenschaftsministerium, sprach von „neuen, außergewöhnlichen Wegen bei der Finanzierung“. Der Neubau sei „eine wirklich gute Location“, um das Auto und die Fahrzeugproduktion der Zukunft zu entwickeln – in Leichtbauweise, klimafreundlich, ressourcenschonend.

OB Fritz Kuhn hofft auf rasche Forschungserfolge bei der Mobilität

Das hörte auch Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) gern. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete er den Vaihinger Campus als „eine der größten Wissenschaftsschmieden überhaupt“. Er gab aber auch zu bedenken: „Noch haben wir viele Autos, die nicht autonom fahren können.“ Und Kuhn bat die Wissenschaftler, doch bitte bei ihren Konzepten die bestehende Mobilitätssituation zu berücksichtigen. „Natürlich muss das Auto emissionsfrei sein, und denken Sie auch an Reifen und Abriebe.“ Er machte den Forschern aber auch Mut: „Die Städte sind sehr auf Ihre Arbeit angewiesen.“

Der Unirektor Wolfram Ressel sagte stolz: „Das erste Etappenziel ist erreicht. Die Arena hat ein Dach über dem Kopf und kann sich weiterentwickeln.“ Der Antrag für die zweite Phase stehe schon. Stolz war auch der Architekt Gunter Henn: „Wir hatten beim Wettbewerb kein Heimspiel.“ Bewusst habe man den Bau innen transparent gestaltet, um ständigen Sichtkontakt zwischen Büros und Halle, aber auch nach draußen zu ermöglichen. Es sei „ein Gebäude, das permanent veränderbar ist“.

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