Stromausfall in Südamerika „Es gab keine Panik“

Von Jan Sellner 

Von Stuttgart aus pflegt der Verein Circulo Argentino seit 35 Jahren die deutsch-argentinische Freundschaft. Die Nachricht vom landesweiten Stromausfall in Argentinien haben Vereinsmitglieder am Sonntag aufmerksam registriert.

Land ohne Licht: Szene  vor einem Theater in  Buenos Aires, das wegen des landesweiten Stromausfalls geschlossen hat. Foto: Getty Images
Land ohne Licht: Szene vor einem Theater in Buenos Aires, das wegen des landesweiten Stromausfalls geschlossen hat. Foto: Getty Images

Stuttgart/Tübingen - Alejandro Rivera, 59, Architekt in Tübingen, hat von dem massiven Stromausfall in seinem Heimatland Argentinien und im Nachbarland Uruguay am Sonntagvormittag beim Frühstück erfahren. Ein Freund aus Argentinien schrieb ihm. Daraufhin versuchte er sich auf spanischen Internetseiten, ein Bild zu machen. Stromausfälle in dem südamerikanischen Land sind keine Seltenheit. „Die Argentinier sind daran gewöhnt“, sagt Rivera, der seit 33 Jahren in Deutschland lebt und seit genauso vielen Jahren Mitglied des rund 500 Mitglieder zählenden deutsch-argentinischen Kulturvereins Circulo Argentino ist.

Verwundert hat ihn allerdings der Zeitpunkt und das Ausmaß. Normalerweise falle der Strom in den Sommermonaten aus als Folge der Überlastung des Stromnetzes durch die vielen Klimaanlagen. „Aber jetzt ist in Argentinien Winter.“ Ungewöhnlich sei auch, dass der Strom im gesamten Land ausgefallen ist. „Das ist einmalig.“ Trotzdem reagierten die Menschen gelassen. „Es gab keine Panik“, schließt Rivera aus den Nachrichten, die ihn aus Argentinien erreichten. Dort wurde am Sonntag Vatertag gefeiert. „Die Menschen sind ganz gelassen geblieben und wollten sich vom Feiern nicht abhalten lassen.“ Gravierend wäre es gewesen, wenn sich der Stromausfall an einem Werktag ereignet hätte.

„Für Windkraft und Solarenergie haben wir beste Voraussetzungen“

Über mögliche Ursachen für den Ausfall will Rivera nicht spekulieren. Er weiß nur: Die Vorgängerregierung unter Präsidentin Kirchner habe eindeutig zu wenig für die Energieversorgung getan. Seit Präsident Mauricio Macri das Land regiere, sei mehr investiert worden. Allerdings seien auch die Energiepreise stark gestiegen. Deshalb werde der Stromausfall vermutlich auch von den politischen Parteien thematisiert werden wird zumal sich Argentinien in einem Wahljahr befinde. Im Herbst finden Präsidentschaftswahlen statt. Rivera hat zugleich die Hoffnung, dass die regenerative Energien in seinem Heimatland stärker ausgebaut werden. „Für Windkraft und Solarenergie haben wir beste Voraussetzungen“, sagt er. Die Stromversorgung könnte damit sicherer werde“ – neben den Vorteilen, die regenerative Energien für die Umwelt bedeuteten.

In jedem Fall wird er die Entwicklung von Deutschland aus weiter verfolgen. Wie auch die anderen Mitglieder von Circulo Argentino. In zwei Wochen, am 30. Juni, feiert der Verein in Stuttgart sein 35-jähriges Bestehen. Am liebsten hätte Rivera die drei argentinischen Profikicker des VfB Stuttgart, Santiago Ascacibar, Emiliano Insua und Nicolas Gonzalez, mit dabei.

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