Stuttgart - Am Flughafen Stuttgart muss die Unternehmensspitze neu aufgestellt werden. Die Geschäftsführerin Arina Freitag (50) wird zum Jahresende nämlich nach nur vier Jahren und vier Monaten wieder gehen. Sie fängt am 1. Januar 2022 als Finanzvorständin (Chief Financial Officer/CFO) bei der TenneT Holding B.V., einem Energieunternehmen mit Sitz in Arnheim (Niederlande), an. Der Flughafen-Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wird die Nachfolge regeln müssen – und hat nach Informationen unserer Zeitung vor wenigen Tagen erst einmal den Vertrag von Freitags Kollegen Walter Schoefer verlängert. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, der eigentlich schon mal Ende Januar 2022 in Ruhestand gehen sollte, bekommt vor dem Ruhestand jetzt noch einmal zwölf Monate oben drauf.
Aufsichtsratschef Hermann reagierte in einer Pressemitteilung der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) von Montag mit großem Bedauern auf Arina Freitags Entscheidung. Man verliere eine kompetente und sehr innovative Geschäftsführerin, die dem Unternehmen „wertvolle Impulse gegeben und die Entwicklung der letzten vier Jahre entscheidend mitgeprägt“ habe.
Minister Hermann preist Freitags Verdienste
Auf Freitag führt Winfried Hermann es zurück, dass die FSG ein „neues, transparentes und auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Entgeltsystem“ entwickelte und dass es dem künftigen Einsatz von synthetischen Kraftstoffen im Flugverkehr den Boden bereite.
Überhaupt habe Arina Freitag in ihrem Geschäftsbereich „viele Nachhaltigkeitsimpulse gesetzt“. Dem komme enorme Bedeutung bei, damit der Flughafen sein Ziel erreiche, klimaneutral zu werden. Als Krisenmanagerin habe Freitag zudem entscheidend dazu beigetragen, das Unternehmen auch in finanziell schwierigen Zeiten verantwortungsvoll zu führen und die Arbeitsplätze zu sichern. Im Aufsichtsrat gibt es auch etwas andere Töne.
Hohe Erwartungen in Arnheim
Ein Aufsichtsratsmitglied, das anonym bleiben will, sagte unserer Zeitung, dass Hermann sich so äußere, sei nicht verwunderlich. Er sei ja schließlich 2017 der Vater der Personalentscheidung für Freitag gewesen.
Der Energieversorger verspricht sich viel davon
Deren neue Arbeitgeberin vermeldete ebenfalls am Montag die Neuverpflichtung. Der Aufsichtsratschef der Holding, Ab van der Touw, sieht darin „eine äußerst erfahrene, sachkundige und tatkräftige Ergänzung des Vorstands“. Freitag habe in ihrer Laufbahn fundierte Fachexpertise im Finanzbereich erworben, die sich mit einem ausgezeichneten unternehmerischen Urteilsvermögen verbinde – und mit der Fähigkeit, sich mit sehr komplexen Projekten und anspruchsvollen Interessengruppen auseinanderzusetzen. Freitag werde sicherlich dazu beitragen, TenneT gut „in das kommende Jahrzehnt der Rekordinvestitionen in die Energiewende in Deutschland, den Niederlanden und Europa zu führen“.
Die neue Mission fasziniert sie
Arina Freitag selbst sagte, sie bringe gern ihre „umfangreichen Erfahrungen im Infrastrukturbereich und im Umgang mit herausfordernden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in die Wachstumsagenda von TenneT ein“. Sie sei fasziniert von der Unternehmensmission und -kultur von TenneT. Das Unternehmen des niederländischen Staates verfolgt als Teil eines Konsortiums den Bau von Verteilkreuzen bei Windkraftanlagen in der Nordsee, die Verbindung mit den Stromnetzen an Land, die Stromlieferung in Richtung küstenferner Gebiete sowie die Gaserzeugung aus Ökostrom. Dabei rechnet man auch mit Protesten von Umweltschützern.
Freitag kam von der Bahn
In Stuttgart war Freitag seit 1. September 2017 als Nachfolgerin von Georg Fundel für den Bereich Aviation verantwortlich und auch für Controlling und Finanzen. Unmittelbar davor war die Volkswirtin als Managerin bei der DB Netz AG tätig gewesen, noch früher beim Flughafen Frankfurt.