Armutsstatistik Kinderarmut nimmt auch im Südwesten zu

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Baden-Württemberg steht bei Kinderarmut im Ländervergleich gut da – zweitbester Platz nach Bayern.

In Deutschland lebt jedes siebte Kind in einer Hartz-IV-Familie. Foto: dpa
In Deutschland lebt jedes siebte Kind in einer Hartz-IV-Familie. Foto: dpa

Stuttgart - Baden-Württemberg steht beim Thema Kinderarmut im Ländervergleich noch relativ gut da, es liegt in der Statistik nach Bayern auf dem zweitbesten Platz im Ländervergleich. Dies geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann erhoben und analysiert hat. Zugenommen hat die Kinderarmut aber auch im Südwesten. In Baden-Württemberg stieg die Zahl von Kindern unter 15, die in einer Familie mit Hartz-IV-Bezug lebt, im Dezember 2015 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf insgesamt 116 040. Sie machen nun einen Anteil von 7,9 Prozent von allen Kindern aus, in Bayern liegt der Anteil nur bei 6,5 Prozent. Die relativ niedrige Arbeitslosigkeit in diesen beiden Flächenstaaten dürfte der Grund für diese Platzierung sein.

„Auch wenn in Baden-Württemberg die Armutsgefährdung von Kindern im Bundesvergleich gesehen gering ist, steht für mich fest: Jedes Kind, das von Armut bedroht ist, ist eines zu viel“, sagt der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha. „Ich werde mich deshalb mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass alle Kinder in Baden-Württemberg die gleichen Verwirklichungs- und Entwicklungschancen haben.“In den vergangenen Jahren habe die Landesregierung bereits die Weichen gestellt, um Armutsgefährdung vorzubeugen: Durch den Ausbau von frühen Hilfen, die weitere Verbesserung der Standards bei der frühkindlichen Bildung, den Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder, den Ausbau der Schulsozialarbeit sowie das Landesprogramm STÄRKE, durch das Familien mit kleinen Kindern mit finanziellem Unterstützungsbedarf die Möglichkeit gegeben wird, allgemeinen Familienbildungsangebote in Anspruch zu nehmen. Diese und weitere Maßnahmen werde er künftig fortführen, so der Minister. Er verwies auf den ersten Armuts- und Reichtumsbericht mit seinem Schwerpunkt auf Kinderarmut, den das Sozialministerium Ende letzten Jahres für Baden-Württemberg vorgelegt hat. Der Bericht enthält konkrete Handlungsempfehlungen für die Bekämpfung und Vermeidung von Kinderarmut. „Diese werden wir jetzt weiter umsetzen“, so der Minister.

In den Stadtstaaten Deutschlands zeichnet sich im Vergleich zum Südwesten ein problematischeres Bild ab: Berlin und Bremen mit jeweils 31,5 Prozent Hartz-IV-Kinder bilden die traurigen Schlusslichter in der Statistik. Auch das relativ wohlhabende Hamburg (20,4 Prozent) hat einen hohen Wert an Kindern in armen Familien. Bei den Flächenstaaten sind Sachsen-Anhalt (21,8 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (19,5 Prozent) aber auch Nordrhein-Westfalen (18,5 Prozent) besonders stark von sozialer Not in Familien betroffen.

Höhere Regelsätze für Kinder

Die sogenannte Hilfequote ist in Ostdeutschland wesentlich höher als in Westdeutschland. Dennoch zeichnet sich im Osten eine Entlastung ab – prozentual ist der Anteil der Hartz-IV-Kinder 2015 in allen ostdeutschen Ländern (bis auf Berlin) leicht gesunken. Inwieweit schon Flüchtlingsfamilien in der Statistik enthalten sind ist unbekannt. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte schon vor einem halben Jahr wegen der Flüchtlinge einen Anstieg der Leistungsempfänger bis 2019 vorhergesagt – binnen vier Jahren könnte die Gruppe der Hartz-IV-Empfänger um ein Viertel ansteigen.

Sabine Zimmermann nutzt die Zahlen zu einem politischen Statement: „Das Problem der Kinderarmut ist seit Jahren bekannt.“ Aber statt „endlich“ die Existenz von Kindern zu sichern, sei mit dem Bildungs- und Teilhabepaket ein „bürokratisches Monstrum“ geschaffen worden. Zimmermann verlangt eine Erhöhung der Regelsätze für Kinder sowie auf lange Sicht „eine Kindergrundsicherung als eigenständige Leistung“. Für Kinder liegen die Regelsätze derzeit bei 237 Euro (null- bis unter Sechs-Jährige), 270 Euro (Sechs bis unter 14-Jährige) sowie 306 Euro (14- bis 18-Jährige).