„Army of the Dead“ bei Netflix Die Zombies erobern Las Vegas
Der Spektakelregisseur Zack Snyder lässt in „Army of the Dead“ bei Netflix eine Bande Desperados gegen eine Stadt voller Zombies antreten. Mit dabei: Matthias Schweighöfer als Safeknacker.
Der Spektakelregisseur Zack Snyder lässt in „Army of the Dead“ bei Netflix eine Bande Desperados gegen eine Stadt voller Zombies antreten. Mit dabei: Matthias Schweighöfer als Safeknacker.
Stuttgart - Es könnte keinem netteren Städtchen widerfahren. In Las Vegas bricht die Zombie-Seuche aus, und wenn man auf eine Gemeinde tippen müsste, in der sich dieses Malheur ganz gut verbergen ließe, würde man das Zockerparadies in der Wüste von Nevada wählen, wo die Touristen sowieso wie die Untoten vor Spielautomaten hocken und wo besoffene Junggesellenpartyhengste mit wenig Kontrolle über ihre Gliedmaßen durch Hotelkorridore taumeln.
Aber in Zack Snyders Spielfilm „Army of the Dead“, der gerade bei Netflix sein Debüt erlebt, ist das Virus doch zu aggressiv, die Untoten sind zu bestialisch. Man könnte sie von den Touristen leicht unterscheiden, wenn sie Touristen übrig ließen. Die US-Regierung zäunt also die ganze Stadt ein und beschließt, mit einer Atombombe ein für alle Mal Ruhe zu schaffen.
Wie es zur Infektionskette kommt, erzählt Snyder noch in relativer Ruhe. Die Verwüstung von Las Vegas, der Überlebenskampf der Einwohner, die Errichtung der Mauer aus Schiffscontainern laufen dann in irrwitziger Raffung ab, in einer Mischung aus Grausamkeit, Jux, Spottlust und Blutdurst. Es ist schwer, die Apokalypse ernst zu nehmen, wenn Elvis-Imitate und Liberace-Doubles vornweg marschieren. Später wird noch eine der Hauskatzen von Siegfried und Roy imposant ins Bild gesetzt, getreu Anton Tschechows alter Theaterregel: „Wenn im ersten Akt ein Zombie-Tiger knurrt, muss er im dritten Akt zu fressen bekommen.“
Snyder, dessen Kinokarriere 2004 mit einem Zombiefilm erfolgte, mit einem Remake von George A. Romeros „Dawn of the Dead“, scheint also gleich mal zu signalisieren, dass es nichts Neues zu erzählen gibt. Er weiß, dass wir die Zombie-Apokalypse schon in allen Formen und Varianten aus Dutzenden Filmen, Büchern, Serien und Comics kennen, aus „Night of the living Dead“ und „21 Days later“, aus „The walking Dead“ und natürlich aus der grusligsten Variante von allen, der Geschichte, wie der fiese Zauberer Gargamel eines Tages die beißwütigen schwarzen Schlümpfe auf das Dorf unserer blauen Lieblingswinzlinge losließ.
Ziemlich baff fragt man sich also bei Minute vierzehn, was jetzt noch passieren soll. Denn bis dahin hat man so etwas wie den Zusammenschnitt aller fetzigen Szenen eines Zombie-Endzeit-Reißers bekommen, eine Adrenalininjektion für Ungeduldige. Snyder („300“, „Watchmen“, „Justice League“) aber will nichts abschließen, sondern etwas eröffnen, ein neues Franchise.
Eine Gruppe Desperados wird kurz vorm Atombombenabwurf in die Todeszone eindringen, um den Safe eines Casinos auszuräumen. Nichts daran ist originell, aber hier wird auch nicht beliebig zitiert. Snyder schleift Facette um Facette, verspricht für seine Zombie-Zukunft ein Potpourri beliebter Elemente, von Caper Movie, Untotenschlachtung, Kriegsfilm, Jungsgaudi, Kapitalismuskritik und Darwinismusorgie. Man darf an „Ocean’s 11“ und „Die Klapperschlange“, an „Mad Max: Fury Road“ „World War Z“ und „The Expendables“ denken – oder auch gar nicht denken.
Snyder schafft dem Unbehagen an zivilisatorischem Regelwerk Luft, führt zurück in einen Überlebenskampf, der Platz für Klamauk und Männersentimentalität lässt. Matthias Schweighöfer spielt einen deutschen Safeknacker, der Typen wie seine neuen Freunde bislang auch nur aus dem Kino kennt. Diese Figur bildet den größtmöglichen Kontrast zum Anführer der Truppe, einer Art Bunkerknackerbombe mit aufgeschraubtem Kopf, gespielt vom Ex-Wrestler Dave Bautista.
Eine Welt, die unter der Pandemie ächzt, will Bilder einer Zukunft sehen, in der man sich nach Corona zurücksehnen würde: So lautet Snyders amüsiertes Kalkül. Netflix vertraut ihm. Ein Spin-off-Film aus dem Vegas-Zombie-Universum, Regie Matthias Schweighöfer, ist bereits abgedreht, eine animierte Serie wird gerade produziert.