Arno Lederer verabschiedet sich Die drei Säulen der Architekturlehre

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Arno Lederer, der an der Universität Stuttgart zehn Jahre lang das Institut für öffentliches Bauen und Entwerfen geleitet hat, hat nun seine Abschiedsvorlesung gehalten. Über seine Nachfolge ist noch nicht entschieden worden.

Arno Lederer hat sich als Professor von der Stuttgarter Hochschule verabschiedet. Foto: Universität Stuttgart
Arno Lederer hat sich als Professor von der Stuttgarter Hochschule verabschiedet. Foto: Universität Stuttgart

Stuttgart - Ein brechend voller Hörsaal und am Ende minutenlange Standing Ovations: es war offensichtlich, dass mit der Abschiedsvorlesung von Arno Lederer, der an der Universität Stuttgart zehn Jahre lang das Institut für öffentliches Bauen und Entwerfen geleitet hat und nun emeritiert wird, eine Ära zu Ende geht. Von einer dritten oder vierten Generation der Stuttgarter Schule zu sprechen, wäre sicher unzutreffend, dazu haben sich die Richtungen im Bauen zu stark pluralisiert, auch an der hiesigen Hochschule. Aber eine Persönlichkeit, die das Profil der Fakultät maßgeblich geprägt hat, das war Arno Lederer zweifellos – einer, der „mit Schlagfertigkeit und Ziegelsteinen gegen die Geist­losig­keit des Modernismus und für die Rückkehr zur Baukunst kämpft“, wie Lederers Kollege Gerd de Bruyn in seiner Begrüßung sagte.

Der besondere Lederer-Stil gab auch diesem auf beiden Seiten, sowohl beim scheidenden Professor als auch seinen Zuhörern, von Abschiedswehmut und Zuneigung getragenen Abend seine Würze: zu Beginn ein Jazz-Trio, am Ende ein schwarzes Skizzenbüchlein als Geschenk von seinen Studenten und eine von Reminiszenzen an den eigenen Werdegang als „Architegt“ durchzogene Vorlesung. Das hatte Klein-Arno als Berufswunsch schriftlich fixiert, nachdem eine Flöten- und auch eine Geigen­karriere aus Mangel an Begabung gescheitert waren. Ohne diese, die Begabung, werde man aber nicht nur kein guter Musiker, sondern auch kein guter Architekt.

In den Studienplänen finde das spezielle Talent für die Profession aber bis heute keinen Platz. In der egalitären Tradition der 68-er glaubt man weiterhin an ein wissenschaftsbasiertes Arbeiten, das jeder erlernen kann, zumal Architektur nur noch als Dienstleistung betrachtet werde. Lederer hält nicht mit strikten Entwurfs­regeln dagegen, sondern tritt für den Architekten als Generalisten ein, der räumliches Denken mit einer umfassenden Bildung verbindet. In einer seiner typischen Handzeichnungen bildet die „Förderung der Begabung“ eine der drei Säulen, die das Dach der Architektenausbildung tragen. Die anderen beiden sind „Motivation durch Anerkennung“ und „Notwendigkeit der Erdung“. Auf dieser Grundlage genüge es vollkommen, in der Lehre „ein Feuer zu ent­fachen“, damit der Nachwuchs für die Architektur brennt. Wer Arno Lederer nachfolgt, steht noch nicht fest. Wer es auch sein wird, er oder sie tritt in große Fußstapfen.