Eine Kolumne, die am 30. Juli des Jahres 2022 erscheint, kann natürlich nur von einem handeln: Arnold Schwarzenegger. Am heutigen Samstag wird der austroamerikanische Schauspieler, spätberufene Umweltaktivist, Ex-Bodybuilding-Profi und Ex-Governator von Kalifornien 75 Jahre alt. Und wie es der Zufall will, bin ich meines Wissens der weltweit erste und einzige promovierte Arnoldologe. 2011 wurde aus Gründen, die wohl auf ewig ein Rätsel bleiben werden, meine Doktorarbeit „Arnold Schwarzenegger oder Die Kunst, ein Leben zu stemmen“ an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe angenommen.
Als staatlich zertifizierter Arnie-Erklärer möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, im Folgenden mit ein paar weniger bekannten Werken aus dem Œuvre des Jubilars vertraut machen. American Dream, Mr. Olympia, Kennedy-Clan, Terminator, Governator – darüber lesen Sie überall. Hier, in der Stuttgarter Zeitung, erhalten Sie die exklusiveren Tipps!
Der Bodybuilder, der sich selbst spielt
Aus der Frühphase der Leinwandkarriere sticht nicht nur „Pumping Iron“ (1977), sondern auch „Stay hungry“ (1976) heraus. Beide Filme handeln vom Bodybuilding. Arnie verkörpert sich selbst – das ist wegweisend für seine Kinohits: Alle Filme mit Arnie sind Filme über Arnie. Und wenn man schon dabei ist, kann man auf Youtube nachschauen, wie der Selbstbildhauer 1976 im Whitney Museum of American Art als lebendige Statue auftritt. Schwarzenegger war auch mit Andy Warhol befreundet und posierte für ihn.
Die Horror-Tragödie „Maggie“ (2015) zählt zu den besten jüngeren Schwarzenegger-Filmen. In der Independent-Produktion spielt er den Vater eines Mädchens, das zum Zombie mutiert. Arnie muss eine schwere ethische Entscheidung treffen. So viel sei verraten: Das Gewehr in seiner Hand kommt nicht zum Einsatz, und seine Körperkraft, die er im Kino der 80er Jahre auf brutale Weise einsetzte, hilft ihm nicht weiter. Was die Dekonstruktion des eigenen Mythos betrifft, ist auch seine 2017 gehaltene Rede an der Universität von Houston instruktiv: „Ich habe es nicht aus eigener Kraft so weit gebracht. [. . .] Keiner von uns kann das. Das Konzept des Selfmademans oder der Selfmadewoman ist ein Mythos.“
Der Mann, der immer wieder überrascht
Wussten Sie, dass Schwarzenegger überdies langjähriger Unterstützer benachteiligter Schulkinder und der Paralympics ist? Dass er im AC/DC-Video zu „Big Gun“ auftritt? Dass der Philosemit schon früh vom liberalen jüdischstämmigen ÖVP-Politiker Alfred Gerstl gefördert wurde? Dass er mit Greta Thunberg für Klimaschutz wirbt? Dass er an der Universität von Südkalifornien ein Institut für „Post-Partisanship“ gegründet hat? Es gibt viel zu entdecken im Arnie-Pluriversum. Man muss nur die ausgetretenen Pfade verlassen.