Art Cologne Spiegeleier zum Mitnehmen

Von Georg Leisten 

Die 51. Ausgabe der Art Cologne vereint Qualität, Tradition und Experiment. Aber weil der Nachwuchs schwächelt, fehlen echte Sensationen.

Günstig zu haben: Spiegelei-Attrappen von Christopher Chiappa am Stand der Galerie Kate Werble Foto: dpa
Günstig zu haben: Spiegelei-Attrappen von Christopher Chiappa am Stand der Galerie Kate Werble Foto: dpa

Köln - Kunsthändler lieben Messen. Wenn vor den Ständen ein paar Dutzend andere Kaufinteressenten umherstreifen, fällen Sammler ihre Entscheidung für begehrte Bilder meist viel spontaner als in einer intimen Galerieausstellung. Kunstkritiker dagegen mögen Messen gar nicht. Weil hier die Informationen über das Gezeigte oft recht knapp ausfallen, das Galeriepersonal ständig in Gespräche verwickelt ist und dem einzelnen Werk in den mit Besuchern, Skulpturen und Bildern vollgestopften Kojen die Luft zum Atmen fehlt.

So auch jetzt wieder bei der Art Cologne. Schon zur Vorbesichtigung fürs Fachpublikum war in Köln-Deutz die Hölle los. Die Verkaufsschau am Rhein ist die wichtigste deutsche Kunstmesse und die älteste ihrer Art. Kaum ein anderes Event der Branche bietet einen so konzentrierten Querschnitt durch die Trends von heute, gestern und morgen. Aufgeteilt auf die drei Bereiche etablierte Gegenwartskunst, Newcomer und Klassische Moderne/Nachkriegszeit, präsentieren sich auf der aktuellen Art Cologne 204 Galerien mit über 2000 Künstlern. Fast alle internationalen Großgalerien sind in der Domstadt vertreten: David Zwirner (New York/London), Hauser und Wirth (Zürich und anderswo) sowie erstmals auch der US-Amerikaner Larry Gagosian, dessen galeristisches Imperium sich mittlerweile über den halben Globus erstreckt.

Davon, dass Basel oder Miami die Art Cologne beim Glamourfaktor längst ausgestochen haben, lassen sich die Rheinländer nicht beirren und bleiben ihrem Grundprinzip treu: Tradition und Experiment mischen. Kunstkäufer finden souverän Genageltes vom Nachkriegsaltmeister Günther Uecker oder den chronisch teuren Neu-Leipziger Neo Rauch, aber auch sperrige Institutionenkritik wie von Michael Riedel, der die Teilnahmebedingungen der Messe auf den Boden der Eingangshalle druckt. Man kann sich für 3,6 Millionen Euro Ernst Ludwig Kirchners expressionistischen „Bauer, einen Schubkarren ziehend“ einpacken lassen (bei Henze & Ketterer) oder am Stand der New Yorker Galerie Werble eins der hyperrealistischen Fiberglas-Spiegeleier von Christopher Chiappa mitnehmen. Dessen Kleinplastiken sind bereits ab 425 Euro zu haben.

Klagen und Optimismus

Alles zusammengenommen ist das Angebot vibrierend vielseitig, in Details immer wieder überraschend, wenn auch im Ganzen unüberschaubar. Besonders auf dem Feld der jüngeren Kunst, wo sich sonst die interessantesten Ansätze tummeln, fällt es diesmal schwer, echte Innovationen zu entdecken. Die Malerei im „Neumarkt“, wie der Nachwuchsbereich jetzt heißt, kommt zwischen unentschlossener Neoabstraktion und figürlichen Verfremdungen kaum in Schwung. Nur einige Objektbildhauer setzen Akzente. Die Israelin Naama Arad irritiert bei Sommer Contemporary (Tel Aviv) mit einem rätselhaften Ensemble aus Topfkaktus und Wasserpfeife für 6000 Euro. Hören dürfte man auch noch von der Metallbildhauerin Anna Fasshauer: Die Mier Gallery Los Angeles stellt die malkastenbunten Knautschgebilde der Deutschen vor.

Was die Stimmung unter den Ausstellern anbetrifft, mischen sich Klagen über das neue Kulturgutschutzgesetz sowie die vertrackten Umsatzsteuerregeln für Kunst mit merkantilem Optimismus. Solange die Zinsen niedrig sind, bleiben gute Bilder ein verlässliches Investitionsrefugium. Entsprechend ist auch wieder viel Geld aus Baden-Württemberg in Köln auf der Suche. Der Kunsthandel des kauffreudigen Sammlerlandes allerdings macht sich rar. Die Stuttgarter Galerie Wahlandt, früher stets vor Ort, nimmt nicht mehr teil. Man trifft aber noch auf ihre Kollegen von Valentien, die seit fünfundvierzig Jahren in Köln an den Start gehen. Seniorchef Freerk Valentien erinnert sich noch lebhaft an seine ersten Messeteilnahmen: „Wir mussten sogar den Teppich und die Lampen selbst mitbringen“, erzählt der Kunsthandelsveteran. „Heute wird alles gestellt, dafür aber zahlen Sie pro hundert Quadratmeter Standfläche 40 000 Euro plus Nebenkosten.“ Eine Investition, die Valentien in diesem Jahr mit dem von Otto Dix beeinflussten Maler Volker Böhringer wieder reinholen möchte. Der Preis für neusachliche Grotesken wie die grüngesichtige „Krankenschwester“ aus dem Jahr 1936 liegt bei respektablen 180 000 Euro.




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