Arte-Themenabend zu Rassismus und Polizeigewalt Ein Kniefall, der die ganze Welt bewegt

San Diego, 1. September 2016: Der Football-Spieler Colin Kaepernick steht nicht aufrecht, sondern geht auf sein Knie – und setzt damit ein Zeichen gegen rassistische Polizeigewalt. Foto: AP/Chris Carlson
San Diego, 1. September 2016: Der Football-Spieler Colin Kaepernick steht nicht aufrecht, sondern geht auf sein Knie – und setzt damit ein Zeichen gegen rassistische Polizeigewalt. Foto: AP/Chris Carlson

Arte zeigt sich mit einem Themenabend am Puls der Zeit: Das Doku-Paket erinnert an den Skandal-Kniefall des US-Footballspielers Colin Kaepernick. Außerdem läuft „I Am Not Your Negro“ – ein Film über den weißen Rassismus der US-Gesellschaft.

Kultur: Ulla Hanselmann (uh)

Stuttgart - Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd hat eine weltweite Rassismus-Debatte in Gang gesetzt; gleichzeitig steht seit dem 25. Mai 2020 Gewalt seitens der Polizei nicht nur in den USA im Fokus der Diskussion. Der Sender Arte ist also mit der Dokumentation „Feindbild Polizei – Gewalt und Gegengewalt ohne Ende?“, die er an diesem Dienstag zeigt, am Puls der Zeit – auch wenn die Programmplanung womöglich schon vor den Ereignissen in Minneapolis stattgefunden hat. In Reaktion auf die jüngsten Entwicklungen hat der Sender jedoch das nachfolgende Programm am Dienstagabend geändert und zu einem facettenreichen Themenabend zu Rassismus und Polizeigewalt abgewandelt.

Kommunikation statt Repression

Die Auftakt-Doku richtet den Blick auf die Arbeit der Polizei in Frankreich, Deutschland, England und Wales. In 80 Minuten zeigt der Regisseur Sebastian Bellwinkel, welchen Belastungen Polizisten in diesen Ländern ausgesetzt sind und wie sich dadurch die Spirale von „Gewalt und Gegengewalt“ immer weiter dreht. Bellwinkel bietet neben Ursachenforschung – etwa der Einfluss von Social Media, personelle Unterbesetzung, eine repressive Polizeitaktik – auch Lösungsansätze.

Wie Kommunikation deeskalieren kann, demonstriert ein Polizeieinsatz in Hannover am Rande eines AfD-Parteitages; in Birmingham stärken bei Verdacht auf Polizeigewalt unabhängige Ermittler das Vertrauen der Gesellschaft in den Sicherheitsapparat.

Kaepernicks schuf ein Anti-Rassismus-Symbol

Im Anschluss an die NDR-Produktion erinnert die Reportage „Ein amerikanischer Held“ an Colin Kaepernick – jenen US- Football-Spieler, der 2016 weltberühmt wurde: Bei der Nationalhymne vor Spielbeginn ging er auf sein Knie, um ein Zeichen gegen rassistische Polizeigewalt zu setzen. Eine simple Geste, auf die auch heutige Anti-Rassismus-Demonstranten zurückgreifen. Kaepernicks „Take a Knee“ stürzte die USA in eine politische Krise, der Profisportler musste seine Courage teuer bezahlen: Er ist bis heute arbeitslos.

Den Abschluss bildet der eindrucksvolle Dokumentarfilm „I Am Not Your Negro“. Das unvollendete Manuskript „Remember This House“ des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin (1924–1987) ist die Grundlage für Raoul Pecks filmische Collage aus Medienberichten, die am Beispiel der Morde an Martin Luther King Jr., Medgar Evers und Malcolm X. dem weißen Rassismus in den USA nachspürt. 2015 entstanden, ist die Gesellschaftsanalyse angesichts des Falls George Floyd aktueller denn je.

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