Artenschutz in Baden-Württemberg Rettung für die Prachtlibelle

Die Gebänderte Prachtlibelle soll in Baden-Württemberg dauerhaft Lebensraum finden. Foto: picture alliance / /Julian Stratenschulte

Das Land geht mit einem Sonderprogramm zur Stärkung der Artenvielfalt bundesweit voran. Jetzt will Ministerpräsident Kretschmann das Vorhaben dauerhaft finanzieren. Die Zeit drängt, viele Arten sind bedroht.

Stuttgart - Das Große Mausohr, die Natternkopf-Mauerbiene oder auch die Gebänderte Prachtlibelle sollen in Baden-Württemberg passende Lebensräume finden oder behalten. Sie sind nur einige Beispiele für bedrohte Arten, die die Landesregierung mit ihrem Sonderprogramm zur Stärkung der biologischen Vielfalt retten will. Vier Jahre läuft das bundesweit vorbildliche Programm bereits, drei Ministerien sind daran beteiligt. Das wissenschaftliche Begleitgremium bescheinigt dem Land jetzt, es sei damit auf der Erfolgsspur und habe zum Teil wegweisende Aktivitäten ausgelöst.

 

Das Vorhaben soll in der neuen Legislaturperiode fortgesetzt werden. „Das ist ein sehr ambitioniertes, wichtiges Programm“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag. „Wir werden das verstetigen. Das wird im Haushalt durchgesetzt, solange ich Ministerpräsident bin“, versicherte der ehemalige Biologielehrer. „Vitale Naturräume sind die Bedingung für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen“, so der Regierungschef.

Landwirte mit im Boot

Seine Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) betont „Artenschutz und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen“, das Sonderprogramm müsse eine Daueraufgabe werden. Agrarminister Peter Hauk (CDU) kann die „erfreuliche Botschaft“ vermelden: „Die Landwirte ziehen mit. Sie haben selbst Interesse an mehr Biodiversität in der Kulturlandschaft.“ Hauk ist sogar zuversichtlich, dass Baden-Württemberg „das artenvielfältigste Land in Deutschland wird“.

Seit dem Jahr 2018 stellte die Landesregierung insgesamt 60 Millionen Euro für Vorhaben und 12 Millionen Euro für Monitoringmaßnahmen zur Verfügung. Aktuell werden damit 75 Projekte in den drei beteiligten Ministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und für Verkehr finanziert.

Aufwendiges Monitoring

Ein zentraler Punkt ist das Artenmonitoring. Wie viele Gebänderte Prachtlibellen gibt es eigentlich im Land, hat es überhaupt einen Effekt, wenn man etwa Altgras stehen lässt? Diese Fragen lassen sich nur durch regelmäßige Beobachtung beantworten. 800 Ehrenamtliche haben seit Beginn des Programms die Bestände erfasst, lobt Umweltministerin Walker und betont: „Ohne Ehrenamt ist diese Art von Monitoring nicht durchführbar.“ Noch in diesem Jahr erwartet sie ein umfassendes Datenmonitoring von den Brutvogelarten bis zu den Insekten. Doch schon jetzt wisse man, dass jede dritte Art im Land bedroht sei.

Auch ohne die Bauern geht es nicht. Agrarminister Hauk berichtete von Biodiversitätsberatung für Landwirte im Rahmen des Programms, von Aktionen zum Schutz des Auerhuhns und der Erhaltung seltener Baumarten wie etwa des Feldahorns.

Vernetzung unverzichtbar

Die Vernetzung von Biotopen nennen die Wissenschaftler als wichtige Aufgabe beim Artenschutz. Einen Beitrag dazu könne auch das Straßenbegleitgrün leisten. Die Grünflächen entlang von Straßen und Schienen belaufen sich im Land auf 27 000 Hektar, sie bieten Tieren und Pflanzen ein Zuhause und verbinden Lebensräume, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

Auch die Forschung ist ein Teil des Programms. „Wir müssen sehr viel forschen“, sagt der Regierungschef Kretschmann. „Mit Standardblühmischungen kann man die Artenvielfalt nicht retten“.

Lob vom Naturschutz

Der Naturschutzbund Nabu begrüßte die Ankündigung Kretschmanns, das Programm fortzuführen. Der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle macht sich ebenfalls für die Vernetzung stark: „Aus den vielen einzelnen Pilotprojekten muss ein landesweites Biodiversitätsprogramm werden, das den Rückgang der Artenvielfalt wirklich stoppt und eine Trendumkehr einleitet“, sagte er.

Enssle dringt darauf, die Aufstockung des Naturschutzhaushaltes auf 150 Millionen Euro, die im Koalitionsvertrag vorgesehen ist, auch wirklich umzusetzen. Das Artensterben sei eine existenzielle Krise, die keinen Aufschub erlaube. Seine Mahnung an die Politik: „Jede Art, die einmal ausgestorben ist, ist für immer verloren.“

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