Kröten, gerettet in Eimern: Oliver Maier und Luitgard Necker sind für die Vogel- und Naturfreunde Merklingen am Krötenschutzzaun aktiv. Foto: Simon Granville
Die Reise von Amphibien zu ihren Laichgewässern ist voller Gefahren. Der Verein Vogel- und Naturfreunde Merklingen kämpft für Frösche und Kröten. Wir waren dabei.
Annette Frühauf
18.03.2026 - 15:03 Uhr
Früh im Jahr, meist schon von Februar an, wandern heimische Amphibien zu den Laichgewässern. Die Männchen sind mager, aber voller Paarungsdrang, und die Weibchen starten mit einem prall gefüllten Bauch voller Eier. Auch der Springfrosch im Wald zwischen Merklingen und Hausen ist auf dem Weg zu einem Tümpel in der nahen Lehmgrube. Wo einst Erdaushub hingeschafft wurde, haben die Mitglieder des Vereins der Vogel- und Naturfreunde Merklingen über Jahre und mit hohem Arbeitseinsatz auf dem städtischen Gelände Wasserstellen angelegt. Nun tragen sie dazu bei, dass die Tiere sicher an ihr Ziel kommen.
Der Wind pustet durch die Bäume, und nur schemenhaft sind die dichten Wolken am Nachthimmel erkennbar. Es nieselt leicht – es ist Springfroschwetter, ideal, um das Winterquartier zu verlassen und abzulaichen. Ein hellbraun gefärbtes Springfrosch-Weibchen mit markant spitzer Schnauze harrt im Lichtstrahl der Stirnlampen von Helfern erst einmal regungslos auf den langen Sprungbeinen aus.
Fortpflanzung von Amphibien: Mit rauen Lauten locken Weibchen die Männchen an
„Frösche und Kröten werden vom Licht geblendet. Anstatt zu fliehen, bleiben sie einfach sitzen“, erklärt Oliver Maier, der Vorsitzende des Vereins. Gemeinsam mit Angelika Dürr, die sich im Verein neben Fröschen und Kröten auch um die vom Aussterben bedrohten Gelbbauchunken am Stürzelberg kümmert, kontrolliert er regelmäßig am Abend die Gebiete um die Laichgewässer rund um Weil der Stadt – auch Abschnitte ohne die aufgebauten Amphibienschutzzäune. Die eben erlebte Schockstarre des Tieres ist evolutionär bedingt und eine Anpassung an die Dunkelheit der extrem empfindlichen Amphibienaugen. Im Zeitalter des Straßenverkehrs werden sie allerdings oft zur tödlichen Falle.
Diese Erdkröte hat es sicher zum Laichplatz geschafft. Foto: Simon Granville
Erst nach einer gewissen Adaptionszeit hüpft der Frosch weiter. Das Weibchen hat Glück und erreicht das Wasser, an dem bereits einige Männchen warten. Mit rauen Lauten, die ähnlich wie „og-og-og-og“ klingen, locken sie die Weibchen an. Ab und zu ist ihr Tatendrang so groß, dass sie versehentlich auf einem männlichen Froschrücken landen. Dann geben die Besprungenen empörte Abwehrlaute von sich, um den Rivalen zu vertreiben.
Heftet sich ein Männchen mit seinen sogenannten Brunstschwielen der Vorderbeine an ein Weibchen, erfolgt die äußerliche Befruchtung der Eier: Während das Weibchen die Eier im Wasser ablegt, gibt das Männchen seine Spermien direkt über den Laich ab. Von den Spring- und auch von Grasfröschen treiben bereits einige Laichballen im Teich. Aus diesen schlüpfen die Kaulquappen – je nach Witterung in wenigen Tagen oder auch erst nach Wochen. Frösche gehören wie Kröten zu den Amphibien, das bedeutet, dass sie sowohl im Wasser als auch an Land leben können.
Neben Fröschen und Erdkröten erfreuen zwei Feuersalamander
Neben Fröschen kommen inzwischen auch Erdkröten hierher. Zwar wandern sie meist zu den Laichgewässern, aus denen sie stammen. Aber oft verschwinden diese, beispielsweise durch Austrocknung. Dann suchen sie neue Gewässer, wie hier in der Lehmgrube. Wenn Erdkröten kein geeignetes Terrain finden, können sie sogar ihren Laich im Körper wieder zurückbilden und auf das nächste Jahr warten. „Erdkröten haben eine bräunliche, warzige Haut und eine abgerundete Schnauze“, beschreibt der Krötenretter Maier die Unterschiede zum Frosch.
Oliver Maier agiert bei nasskalten Wetter. Frösche und Kröten ziehen an solchen Tagen gerne los zu Laichplätzen. Foto: Simon Granville
Freude haben an jenem Abend die Naturfreunde, denn an einem anderen Wasserloch, das etwas entfernt ist und in einem ehemaligen Steinbruch vom Verein geschaffen wurde, krabbeln gleich zwei Feuersalamander am Ufer entlang. Die nachtaktiven Tiere mögen ebenfalls kein Licht. So bleibt Zeit, die gelb gezeichneten Salamander zu bewundern, die im Gegensatz zu den meisten Amphibien ihre Jungen lebend gebären. „Bei der Larviparie gebären die Weibchen zwar keine vollständig entwickelten Salamander, aber weit entwickelte Larven“, erläutert der Tierschützer und zeigt auf Tierchen, die Kaulquappen ähneln, die bereits im Wasser herumschwimmen.
Amphibien zählten zu den am stärksten bedrohten Lebewesen
„In unserer intensiv genutzten und zugebauten Landschaft brauchen Amphibien unseren Schutz und unsere Unterstützung“, sagt Oliver Maier. Amphibien zählten zu den am stärksten bedrohten Lebewesen, weltweit und lokal – gut ein Drittel aller Arten steht vor dem Aussterben. Daher gehen die Mitglieder des Vereins während der Laichperiode auch morgens die Schutzzäune an der Straße zwischen Merklingen und Weil der Stadt ab, um Frösche, Kröten und Molche sicher auf die andere Straßenseite zu bringen. Diese Aufgabe übernimmt auch Luitgard Necker seit rund zehn Jahren regelmäßig. Sie freut sich über jedes gerettete Tier und blickt zufrieden auf den Teichmolch, der an diesem Tag in ihrem Eimer gelandet ist, und den sie sicher über die Straße bringt.
Aktion für Amphibien
Putzete Am Samstag, 21. März, findet von 8.30 bis 14 Uhr eine Wald- und Flurputzete rund um Weil der Stadt statt. Dabei werden auch vermüllte Straßenränder entlang der Amphibienschutz-Zäune gereinigt. Mehr Information online unter www.weil-der-stadt.de.
Mitwirkung Mitglieder der Vogel- und Naturfreunde Merklingen beteiligen sich an der Wald- und Flurputzete. Unter https://naturschutz-merklingen.de verrät der Verein mehr über sich.