Artisten im Friedrichsbau Varieté Die jungen Wilden aus Berlin

Von Felix Ogriseck 

Frisch von der staatlichen Artistenschule Berlin kommen die jungen Artisten nach Stuttgart, um sich dem Publikum im Friedrichsbau vorzustellen. Ihre Show ist ein Kracher – da hält man als Zuschauer schnell die Luft an.

Die junge Artistin Jenny Isabel Golbs am Luftring. Foto: Martin Vogt
Die junge Artistin Jenny Isabel Golbs am Luftring. Foto: Martin Vogt

Stuttgart - Ein Raunen geht durch den Saal, als die 21-jährige Veronica Fontanella aus dem von der Decke hängenden Vertikaltuch in Richtung Bühnenboden stürzt – natürlich nur vermeintlich! Erstaunlich und immer wieder atemberaubend war die Darbietung der neun Absolventen der staatlichen Artistenschule Berlin, die jetzt im Friedrichsbau Varieté in Stuttgart gastierten. Der Ausflug der Berliner nach Stuttgart hat inzwischen schon eine längere Tradition; die 15. Ausgabe war ein Jubiläum.

Zum Auftakt werden die Akrobaten von den verträumten Tönen eines Cellos geweckt und beginnen rhythmisch um den Spieler zu tänzeln. Und auch in den folgenden Nummern zeigt sich: diese Show ist eine Teamleistung. Die Geschwindigkeit, mit der Andreas Jordan seine Ring-Jonglage vollführt, ist beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, als seine Ensemble-Kollegin Fontanella diese Ringe im Handstand mit dem Fuß auffängt und zu Jordan zurück schnippt.

Selbst der Umbau ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Podeste, auf denen Johann Prinz später einen einhändigen Handstand zeigen wird, müssen auf die Bühne gerollt und mit Hebeln an jedem der vier Räder gesichert werden. Dies geschieht mit einem hörbaren Klicken im Takt der Musik, was im Publikum ein paar Lacher erzeugt.

Für einen kurzen Schockmoment sorgt, wie schon eingangs erwähnt, Veronica Fontanella, als sie sich, gut getarnt, mit dem Bein in das Vertikaltuch einhängt und dann kopfüber mit ausgestreckten Armen fallen lässt. In diesem Moment übertönt das Raunen sogar die Musik – der Applaus einen kurzen Moment später erst recht. Weniger Schock und mehr Verzückung verursacht das Duo Jannis Nau und Adrian Schulte-Zweckel, die ihre Diabolos in kleinen Sketchen zu einer Angel umfunktionierten, nur um sich diese kurz darauf quer über die Bühne zuzuwerfen und damit umher zu wirbeln.

Am Ende der Show treten alle noch einmal auf die Bühne und jeder der Nachwuchsartisten erntet ebenso erschöpft wie erleichtert ohrenbetäubenden Applaus. Ihr Diplom haben sie völlig zu Recht.

Keine weitere Vorstellung.