Arzneimittel Krankenkasse warnt vor gefährlichen Medikamentencocktails

Von red/epd 

Die Zahl der Deutschen, die fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig einnehmen, ist erschreckend hoch, hat die Barmer Ersatzkasse festgestellt. Eine digitale Versorgungsplattform soll jetzt den Überblick verbessern.

Die Deutschen schlucken zu viele Medikamente. Foto: dpa
Die Deutschen schlucken zu viele Medikamente. Foto: dpa

Berlin - Jeder fünfte Bundesbürger hat laut dem Arzneimittelreport der Barmer-Krankenkasse im Jahre 2016 fünf oder mehr Arzneimittel gleichzeitig eingenommen. Dabei steige das Risiko von gefährlichen Wechselwirkungen, je mehr Medikamente ein Patient einnehme, heißt es in dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Report. Teil des Problems sei die Unübersichtlichkeit möglicher Varianten bei der Arzneimitteltherapie, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Christoph Straub. Ohne Hilfe sei es für Ärzte kaum noch möglich, den Überblick zu bewahren.

Dem Bericht zufolge verschrieben Hausärzte 2016 im Durchschnitt 60 Arzneimittelwirkstoffe regelmäßig, also mindestens einmal im Quartal, und weitere 100 zumindest einmal pro Jahr. Insgesamt seien bei der Barmer mit ihren mehr als 8,5 Millionen Versicherten 1.860 Arzneimittelwirkstoffe zum Einsatz gekommen. Dabei ergaben sich 454.012 Kombinationen von zwei Arzneimittelwirkstoffen. Kein Arzt könne die Risiken derartig vieler Arzneimittelkombinationen ohne Hilfsmittel korrekt einschätzen, sagte der Autor des Arzneimittelreports und Saarbrücker Chefarzt, Daniel Grandt.

Digitale Plattform soll Versorgung verbessern

Die Barmer hat deshalb zur Unterstützung der Ärzte zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe eine neue digitale Versorgungsplattform entwickelt. Damit sollen vermeidbare Risiken bei Arzneimitteltherapien besser erkannt werden. Hausärzte erhalten damit Daten der Barmer-Versicherten zur Arzneimitteltherapie, die Verordnungen aller Ärzte umfassen.

Somit werde die Übersicht deutlich erleichtert. Zusätzlich erhalte der Arzt Hinweise auf potenziell vermeidbare Risiken der Therapie, hieß es. Ziel sei es, so Grandt, das Projekt in die Regelversorgung zu übernehmen, damit mehr als 20 Millionen sogenannte Polypharmazie-Patienten, also Menschen, die gleichzeitig mehrere Medikamente einnehmen, davon profitieren können.