Arzneimittelmangel in Böblingen Diese Medikamente sind aktuell knapp
Immer wieder fehlen in Apotheken diverse Arzneimittel. So auch im Kreis Böblingen. Welche Auswirkungen das hat und wie Apotheken und Kliniken damit umgehen.
Immer wieder fehlen in Apotheken diverse Arzneimittel. So auch im Kreis Böblingen. Welche Auswirkungen das hat und wie Apotheken und Kliniken damit umgehen.
Leere Regale in Apotheken, lange Lieferzeiten, verzweifelte Patientinnen und Patienten: Der Arzneimittelmangel ist längst kein Ausnahmefall mehr, sondern ein strukturelles Problem. Auch im Kreis Böblingen fehlen immer wieder essenzielle Arzneimittel.
Aktuell stehen laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rund 550 Präparate auf der Liste der Lieferengpässe. Manche Präparate werden dort gar nicht aufgeführt. „Die Lage bleibt angespannt“, sagt Lukas Schult, Pressesprecher des Klinikverbunds Südwest, zu dem auch die Kliniken in Böblingen, Sindelfingen und Herrenberg gehören. „Momentan sind vor allem Elektrolytlösungen betroffen. Daneben kommt es immer wieder zu Lieferengpässen bei Schmerzmitteln, neurologischen Präparaten, Blutdruckmitteln sowie einzelnen Krebs- und Antibiotikatherapien“, erklärt er.
Auch Michael Hult von der Paracelsus-Apotheke Böblingen bestätigt, dass es stetig neue Lieferengpässe gibt. „Die Totalausfälle bei Antibiotika-, Schmerz- und Fiebersäften sind zwar behoben, die Gesamtproblematik bleibt aber.“ Seit einigen Monaten gebe es beispielsweise das Schlafmittel Oxazepam nicht mehr. Zwar seien andere Schlafmittel verfügbar, allerdings müsste die Therapie zuvor erst vom Arzt umgestellt werden.
Auch die Belieferung von Arztpraxen leide zunehmend unter dem Medikamentenmangel, so Hult. Derzeit fehlten bestimmte lokale Anästhetika, ebenso seien manchmal diverse Notfallmedikamente und -infusionen knapp.
Für die Apotheken bedeuten die Lieferengpässe nicht nur einen großen Aufwand in der Lagerpflege, sondern auch wirtschaftliche Risiken. „Die Patienten müssen mit Arzt und Apotheker eine Lösung finden. Das ist für alle Beteiligten aufwendig. Patienten, die wegen Lieferengpässen immer wieder ein anderes Blutdruckmedikament erhalten, sind mitunter verwirrt und wissen nicht mehr, welches Medikament wann eingenommen werden soll. Oder es kommt zur Doppeleinnahme, weil man verschiedene Packungen zu Hause hat. Das sind nicht vernachlässigbare Probleme“, berichtet Hult.
Viele Apotheken versuchen mit einer erhöhten Lagerhaltung von lieferbaren Generika zu reagieren. Doch oft bleiben sie auf den Kosten sitzen. „Sobald ein günstigeres Generika wieder lieferbar ist, dürfen wir die teureren Ersatzprodukte nicht mehr verkaufen“, erklärt Hult. Auch eine Rückgabe an den Großhandel sei in den meisten Fällen nicht möglich.
Die Gründe des Medikamentenmangels sind vielfältig. „Die Ursachen reichen von Produktionsengpässen und technischen Problemen bis hin zu einer geringen Zahl an Herstellern weltweit“, sagt Lukas Schult vom Klinikverbund Südwest. Laut Michael Hult könne sich die Lage in Deutschland nur entspannen, wenn dafür gesorgt werde, dass Generika ausreichend vergütet werde, sodass am Ende nicht nur ein Anbieter übrig bleibe.
„Durch eine sorgfältige Planung und den engen Austausch mit Herstellern und Lieferanten können wir Engpässe frühzeitig abfedern“, erklärt Schult. „Mit Blick auf die kommenden Monate prüfen wir unsere Vorräte in der Klinikapotheke besonders genau. Häufig genutzte Medikamente wie Fiebersäfte oder Antibiotikasäfte für Kinder werden in einem vertretbaren Maß bevorratet. Doch nicht zu viel: denn, wer zu viel hortet, kann unbeabsichtigt neue Engpässe auslösen“, so der Pressesprecher.