Vorbei ist’s vorerst mit Eis und Schnee: Nicht für jeden ist das eine gute Nachricht. Foto: dpa
Nicht nur Infekte oder Glatteis-Unfälle treiben derzeit Patientinnen und Patienten in die Ärzte-Wartezimmer. Auch die Auswirkungen der Wetterumschwünge bereiten vielen Schwierigkeiten.
Ein Wetterwechsel-Wahnsinn: Verbrachte Deutschland die ersten knapp zwei Wochen des Jahres 2026 gefühlt unter einem dicken Eis- und Schneepanzer, steigen die Temperaturen jetzt um fast 15 Grad. Schon vorige Woche gab es einen Tag, an dem Schnee schmolz, einen Tag später war er wieder da. Es geht nun bei viel Regen eher schmuddelig als frühlingshaft zu, ab und an schafft es aber die Sonne durch die Wolken. Fest steht indes, dass dieser Umschwung den einen oder die andere gesundheitlich ganz schön plagen wird.
Eben jene Wartezimmer sind in der Tat bereits ziemlich voll – wegen des Winters. „In den vergangenen Tagen hatten wir viele Patientinnen und Patienten mit Verletzungen nach Unfällen auf Glatteis“, sagt Barbara Mergenthaler. Die 60-jährige Allgemeinmedizinerin betreibt seit dem Jahr 2000 ihre Praxis in Renningen. „Außerdem boomen gerade die Infekte so richtig“, erzählt sie, darüber hinaus gehe auch eine kleine Covid-Welle umher und die Influenza hole auf.
Auch Rainer Merk, Hausarzt in Leonberg, bewertet die aktuelle Grippe-Variante als „relativ aggressiv“. Besonders viele Kinder müssten behandelt werden, teils auch in der Klinik. „Dieses hohe Maß bei der Grippe ist für den frühen Januar sehr ungewöhnlich“, fügt Mergenthaler hinzu.
Sie kennt auch die jahreszeitabhängigen Beschwerden der Menschen bestens – etwa dann, wenn die äußeren Bedingungen wieder einmal verrückt spielen. „Manche kommen dann mit ganz universellen Beschwerden – denen geht es einfach schlecht“, sagt Mergenthaler. Bei vielen gehe ein Wetterumschwung aber auch mehrere Tage spürbar auf den Kreislauf. Merk beobachtet das ebenfalls. In diesem Zusammenhang sei auch der Wind nicht zu unterschätzen, da er den Organismus zusätzlich belaste. Er empfiehlt allein deswegen schon entsprechende Kleidung beim Gang vor die Tür.
Wetter hat auch Auswirkungen auf die Psyche der Menschen
Hinzu kommt laut Mergenthaler das Zusammenspiel von Wetter und Psyche. „Wärmeeinbrüche tun der Psyche auch nicht immer gut“, sagt die Ärztin. Natürlich gäben wärmere Temperaturen zunächst einmal etwas mehr Schwung. Vieles sei aber vor allem eine Frage des Lichts. Das bestätigt auch Merk: „Gerade wenn es nasskalt und dunkel ist, ist die Stimmungslage vieler Menschen gedrückter“, sagt der Mediziner.
„Kälte, aber trotzdem mit Sonne, ist da schon besser“, ergänzt Mergenthaler. Wenn Licht auf das Auge treffe, würden einige Strukturen im Gehirn aktiviert. „Deshalb funktionieren im Winter auch Tageslichtlampen so gut.“
Abgesehen von Patienten, denen eine Wetterfühligkeit Probleme bereitet, rechnet Mergenthaler damit, dass sich die Lage in ihrem Wartezimmer ab Mitte März wieder etwas entspannt. „Dann flaut der Grippe-Effekt erfahrungsgemäß ab“, sagt sie. Merk weist darauf hin, dass das Infektrisiko in geschlossenen Räumen immer höher ist als im Freien. „Wenn es wärmer wird, sind die Leute mehr draußen, was die Krankenzahlen senkt“, sagt er. Laut Mergenthaler gibt es aber in der Woche nach Rosenmontag in Sachen Infekte normalerweise noch mal einen echten Höhepunkt.
Krankenhaus Leonberg: Auch die Klinik ächzt unter einer Grippe-Infektionswelle. Foto: Simon Granville
Den Höhepunkt einer Krankheitswelle erlebt derzeit übrigens auch das Krankenhaus in Leonberg. „Während die Patientenzahlen infolge der aktuellen Witterung bislang nur moderat angestiegen sind, machen sich am Krankenhaus Leonberg insbesondere die Auswirkungen der saisonalen Infektwelle bemerkbar“, antwortet Lukas Schult, Pressesprecher des Klinikverbundes Südwest, auf eine Anfrage unserer Zeitung. Diese Welle löse nicht nur für ein erhöhtes Patientenaufkommen aus, sondern erschwere auch durch zahlreiche krankheitsbedingte Ausfälle im Team zunehmend die Personalplanung.
Leonberger Krankenhaus: Andere Abläufe auch in Notaufnahme wegen Krankheitswelle
„In der Folge kann es vereinzelt zu Verzögerungen bei stationären Aufnahmen kommen“, erklärt Schult. Das habe entsprechende Auswirkungen auf die Abläufe in der Notaufnahme und auf den Stationen. Der Pressesprecher betont: „Unser Team in Leonberg, wie in allen fünf weiteren Kliniken im Verbund, gewährleistet mit hohem persönlichem Einsatz und unter herausfordernden Bedingungen eine verlässliche medizinische Versorgung.“ Die Mitarbeitenden leisteten dabei einen entscheidenden Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Region, „was nicht hoch genug zu schätzen ist“.