Assassin’s Creed Valhalla im Test Meuchelmorde im Wikingerland

Im neuesten Ableger der erfolgreichen Assassin’s-Creed-Reihe geht es meistens rustikal zu. Foto: Ubisoft 12 Bilder
Im neuesten Ableger der erfolgreichen Assassin’s-Creed-Reihe geht es meistens rustikal zu. Foto: Ubisoft

Die erfolgreiche Spielereihe Assassin’s Creed geht in die nächste Runde. Dieses Mal führt sie die Spieler in die Welt der Wikinger. Funktioniert das Prinzip des heimlichen Meuchelmords auch mit einer Doppelaxt in der Hand?

Digital Unit : Lukas Jenkner (loj)

Stuttgart - Am neuen „Assassin’s Creed“ scheiden sich die Geister der Experten. Ein „Gigantisches Assassinen-Fest voller Abwechslung“ heißt es zum Beispiel auf der Homepage von PC Games“, während das Konkurrenz-Magazin Gamestar meint: „Eine großartige Open World - und viele Enttäuschungen“. Und das Videospielmagazin Gamepro geht sogar noch weiter: „Wie konnte alles nur so furchtbar schiefgehen?“ fragen die Kollegen entgeistert. Was stimmt denn nun?

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Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Nachdem Ubisoft mit dem Vorgänger „Odyssey“ neue Wege gegangen war hin zu einem Open-World-Spiel mit zahlreichen zusätzlichen Elementen, hat sich die Spieleschmiede zwar bei „Valhalla“ einige Kritikpunkte zu Herzen genommen, ist im Kern jedoch beim neuen Konzept geblieben. Das macht den neuesten Ableger zwar nüchtern betrachtet zu einem hervorragenden und epischen Offene-Welt-Spiel. Die Uridee von „Assassin’s Creed“, das heimliche Meucheln mit allerlei perfiden Tricks, muss der Spieler bei den zahllosen Rollenspiel-, Aufbau- und Actionelementen allerdings gelegentlich suchen.

Sehen Sie hier den Launch Trailer zu „Assassin’s Creed Valhalla“:

Und im Ubisoft-Kosmos von Ghost Recon und Far Cry (mit zahlreichen Ablegern) rutscht „AC Valhalla“ so wie „Odyssey“ gar ein bisschen in die Beliebigkeit. Denn was beispielsweise die Überwachungsdrohne in „Ghost Recon: Wildlands“ vom Raben in „AC Valhalla“ unterscheidet, ist letztlich nur das Setting. Von den zu erkletternden Aussichtspunkten, um die offene Welt nach und nach freizuschalten, sprechen wir hier erst gar nicht.

Worum geht es?

„Valhalla“ verlegt „Assassin’s Creed“ ins England des Mittelalters. Der Spieler übernimmt die Rolle des Wikingers Eivor (wahlweise männlich oder weiblich), den das Schicksal an die Küste von Nordengland spült, wo er mit den Überresten seines Clans den Neuanfang wagt. Die Aussiedler wider Willen übernehmen eine verlassene Siedlung und geraten alsbald zwischen die Fronten rivalisierender Clans. Im Schatten treiben derweil AC-typisch die Mitglieder eines sinistren Ordens ihre Ränke zur Eroberung der Weltherrschaft.

Wie schon „Odyssey“ entlässt „Valhalla“ den Spieler in eine riesige offene Welt mit zahllosen Aufgaben. Es gilt die eigene Siedlung aufzubauen, Eivors Fähigkeiten und Fertigkeiten rollenspielmäßig aufzuwerten, Waffen aufzurüsten und mit Runen auszustatten. Das Wikingerboot muss erweitert werden, Wikinger als Söldner beschäftigt und auf Raubzug geschickt werden. Die historische Verschwörung des Ordens muss aufgedeckt werden. Bündnisse mit benachbarten Clans werden geschlossen, derweil Kloster gebrandschatzt und neben auch einmal der verlorene Kamm einer skandinavischen Lady aufgestöbert.

Stärken

AC Valhalla sieht bildschön aus. Der Spieler kämpft sich durch skandinavische Schneelandschaften, klettert in England auf den zerbröselten Hinterlassenschaften des Imperium Romanum herum, kämpft mit martialischen Animationen gegen Gegner, die er wahlweise hinterrücks überwältigt oder mit Anlauf in einen Abgrund stürzt. Äxte fliegen mit Köpfen um die Wette: Ubisoft stellt die Wikingerwelt teils drastisch, teils liebenswert überzeichnet und fast comicartig dar.

Einzelne Elemente machen richtig Laune. Dazu zählen die aus der AC-Reihe berühmten Schleichangriffe, mit denen der Spieler bei entsprechender Geduld ganze Klosteranlagen nach und nach entvölkern kann, aber auch originelle Gimmicks wie das gegenseitige Beschimpfen im Wettstreit, bei denen auf in Versform vorgetragene Verbalinjurien richtig geantwortet muss, um zusätzliche Dialog-Optionen freizuschalten. Die Missionen reichen von der epischen Hauptgeschichte über die Jagd nach besonderen Bestien bis zur Suche nach versteckten Schätzen.

Schwächen

Wer bis hierher aufmerksam gelesen hat, wird festgestellt haben: In „AC Valhalla“ muss der Spieler ziemlich viel tun. An allen Ecken und Enden gilt es, Aufgaben zu erfüllen, um eines der vielen Spielelemente voranzutreiben, aufzuwerten oder freizuschalten. Das artet ziemlich bald in Arbeit aus und wird sicher viele Spieler früher oder später ermüden lassen. Das hat auch damit zu tun, dass „Valhalla“ sich rein technisch in den erwähnten Ubisoft-Einheitsbrei einfügt. Die Suche nach versteckten Schätzen beispielsweise fühlt sich im Grunde genauso an wie zuletzt in „Far Cry: New Dawn“ – nur mit anderer Grafik.

Die Spielmechanik ist insgesamt stimmig, die actionreichen Kämpfe werden allerdings schnell unübersichtlich, weshalb der Spieler angesichts der teils hakeligen Steuerung ziemlich bald den Controller wild malträtiert, wenn mehr als drei Gegner auftauchen. Wie geschmeidige Kämpfe mit intuitiver Steuerung wesentlich besser gelingen, hat zuletzt „Ghost of Tsushima“ vorgemacht. Andererseits lässt sich ein Großteil der Landschaft derart leichtfüßig erklettern, dass es sich anfühlt wie ein Spaziergang – das drückt auf die Motivation.

Ärgerlich sind auch die teils sehr langen Ladezeiten, die „AC Valhalla“ dem Spieler zumutet. Und das der Wikinger des Mittelalters nicht von „England“, sondern von „Engleland“ spricht, klingt schon beim ersten Mal nach einem Sprung in der digitalen Tonspur und zehrt nach dem dritten Mal ordentlich an den Nerven. Ein Detail, aber doch sehr präsent.

Fazit

„Assassin’s Creed Valhalla“ ist überwältigend – im positiven wie im negativen Sinne: Eine riesige Welt, die den Spieler Dutzende Stunden beschäftigt. Während sich die einen darob die Ärmel ihres Elchwamses hochkrempeln, um sich in die Arbeit zu stürzen, werden sich die anderen mit immer längerem Gesicht durch die Landschaft mühen, in Erinnerungen an die Ezio-Trilogie von „Assassin’s Creed“ schwelgen und heimlich auf das deutliche schlankere „Ghost of Tsushima“ schielen. Das ist beim Storytelling mit sehr fesselnden und abwechslungsreichen Nebenquests und sowie der intuitiven Steuerung „Valhalla“ tatsächlich überlegen.

„Assassin’s Creed: Valhalla“ ist auf PC und allen wichtigen Konsolen erschienen und kostet je nach Version ab 59 Euro aufwärts.

Wertung

Grafik: 4,5 von 5 Sternen

Spielmechanik: 3 von 5 Sternen

Atmosphäre: 4,5 von 5 Sternen

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