Asterix und Obelix reisen nach Portugal, treffen auf Touristen und Turbokapitalisten und entdecken die Melancholie: Unsere Kritik des neuen Comicbands „Asterix in Lusitanien“.
Präfekt Fetterbonus ist ein Mann, der die Vetterleswirtschaft und Orgien, einfache Sprache, in Stein gemeißeltes Gezwitscher und Superlative liebt. Seinen Job als Präfekt in Lusitanien nutzt er vor allem dafür, sich zu bereichern, noch mächtiger zu werden – und um unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Da er auch noch ziemlich dick ist, dünne gelbe Haare hat und gerne einen Zenturio die Drecksarbeit für sich machen lässt, der zwar Pistorius heißt, aber wie J.D. Vance aussieht, fällt es schwer, in diesem selbstgerechten Statthalter Roms keine Donald-Trump-Karikatur zu sehen.
Wie viel Donald Trump steckt in Präfekt Fetterbonus?
„Erledigen wir das diesmal ganz subtil, Asterix?“, wird Obelix irgendwann in dem 41. „Asterix“-Band fragen, der an diesem Donnerstag erscheint. Und tatsächlich: Vordergründig erzählt „Asterix in Lusitanien“ zwar davon, dass sich die beiden gallischen Helden nach Portugal (Lusitanien) aufmachen, um einen zu unrecht in den Kerker gesteckten Fischsaucen-Exporteur zu befreien. Doch vor allem bietet der Comic all jenen Fans, die sich weniger für die eigentliche Geschichte und mehr für all die Anspielungen, Zwischentöne und aktuellen Bezüge interessieren, die in den Texten und Bildern lauern, viel Material und Diskussionsstoff.
Fabcaro (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen), die das Werk René Goscinnys und Albert Uderzos fortführen, gelingt es sogar Themen wie Digitalisierung, nachhaltige Nahrungsproduktion, Energie- und Ressourcenverschwendung in die Story einzubauen. Asterix und Obelix begegnen zum Beispiel dem gallischen Touristenpaar Flottebine und Mandarfjanix, die mit einem Wohnkarren durch die Welt reisen („Landstraße statt Lebenskrise“), sich aber darüber beschweren, dass im Ausland kein Gallisch gesprochen wird. Oder sie bekommen es mit einem skrupellosen Turbokapitalisten zu tun, der sich überall ziemlich breit macht: „Wir Lusitaner mögen ihn zwar nicht , aber er schafft Arbeitsplätze“, verrät ein Hafenarbeiter Asterix und Obelix, als diese durch Lissabon irren, das einst Olisipo hieß, und einer der bedeutendsten Häfen im römischen Reich war.
Dass die gallischen Helden erst nach Amerika, Indien und sogar Atlantis reisen mussten, bevor sie endlich einen Ausflug nach Lusitanien machen durften, eine römische Povinz, die weite Teile des heutigen Portugals umfasste, sich aber bis nach Westspanien erstreckte, ist schon ein bisschen verwunderlich. Und es war allerhöchste Zeit, dass endlich dieser weiße Fleck auf der Asterix-Weltkarte bunt ausmalt wurde. Zwar gab es bereits Begegnungen mit Lusitanern in den Bänden „Die Trabantenstadt“, „Asterix und der Kupferkessel“ oder „Asterix in Italien“, doch erst jetzt steht das, was die Comicautoren als das portugiesische Lebensgefühl ausgemacht haben, im Mittelpunkt eines eigenen Hefts, in dem Obelix seinen Lieblingssatz variieren darf: „Traurig und fröhlich?? Die spinnen, die Lusitaner!“
Obelix: Fado statt Prügeln
Denn die Bewohner von Lusitanien werden nicht nur als Menschen vorgeführt, die Fische zum Trocknen auf Wäscheleinen hängen, Wein aus unreifen Trauben machen, sich ausschließlich von Kabeljau und Pastel de Nata ernähren, einen komischen Akzent haben und ihre Haare nach hinten kämen, sondern auch einen Hang zur bittersüßen Melancholie haben. Und eine der schönsten Szenen des Comics ist, als sich Obelix nicht nur als Lusitaner verkleidet, sondern auch weinselig deren poetische Traurigkeit in sich aufsaugt und – anstatt wie sonst römische Soldaten zu verprügeln – eine Fado-Nummer improvisiert, um sie abzulenken. „Mein Herz ist voller Trauer/Im Bauch ist mir ganz flau/Denn nichts ist mehr von Dauer/Außer Kabeljau“.
Fabcaro (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen): Asterix in Lusitanien. Aus dem Französischen von Klaus Jöken. Egmont Comic Collection. 48 Seiten. 13,50 Euro.