Krimikolumne

Astrid Fritz: Tod im Höllental Showdown über dem Abgrund

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Die Krimis um die Begine Serafina sind nicht nur spannend, sie geben auch ein faszinierendes Bild Freiburgs zu Beginn des 15. Jahrhunderts wieder – was ebenfalls sehr unterhaltsam ist, meint Thomas Schwarz.

Der Hirschsprung, die schmalste und steilste Stelle des Höllentals bei Freiburg. Foto: dpa
Der Hirschsprung, die schmalste und steilste Stelle des Höllentals bei Freiburg. Foto: dpa

Stuttgart - Die Schlucht östlich von Freiburg ist vor allem im Winter aus den Verkehrsnachrichten vielen bekannt. Das Höllental mit seinem schroffen Aufstieg in den Schwarzwald und die Serpentine an der Ravennaschlucht samt dem Eisenbahnviadukt sind zudem seit Jahrzehnten Ziel und Fotomotiv vieler Ausflügler, die Schwarzwaldromantik suchen. Kurz vor der engsten Stelle des Tals, dort wo einst der Sage nach sich ein Hirsch mit einem kühnen Sprung über den gähnenden Abgrund vor einem Jäger rettete, stand einst die Burg Falkenstein. Diese wurde von den Freiburgern allerdings bereits Ende des 14. Jahrhunderts zur Ruine geschleift, da sich die Falkensteiner als Raubritter zu viel herausgenommen hatten.

Eine Begine verschwindet im Höllental

Das Höllental wird zum Schauplatz des vierten Serafina-Krimis, den die Waiblinger Autorin Astrid Fritz jetzt vorgelegt hat. Wieder ist die Begine Serafina die Hauptperson, eine Frau mit Vergangenheit, die aus dem Konstanz des großen Konzils nach Freiburg geflohen ist, um im Beginenhaus St. Christoffel Unterschlupf zu finden. Im aktuellen Krimi wird übel gegen die Beginen gehetzt, da sie im Gegensatz zu Nonnen keine Gelübde ablegten, sondern wieder ein weltliches Leben führen konnten, wenn sie es wünschten. Eine der Schwestern wird erschlagen in einer Gasse gefunden, eine andere verschwindet im Höllental, nachdem sie sich nach Villingen aufgemacht hatte, um den Konstanzer Bischof um Hilfe zu bitten. Serafina folgt ihr, um sie zu suchen und gerät ebenfalls in eine Falle, die nahe der Ruine Falkensteig gestellt wurde. Hoch über der Schlucht kommt es schließlich zum Showdown, wobei der Abgrund eine wichtige Rolle spielt.

Lebende Tote und der Alltag in der Frühen Neuzeit

Mit dem Debüt „Die Hexe von Freiburg“ hat sich Astrid Fritz einen Namen als Autorin historischer Romane gemacht. Ihren Büchern liegen nahezu immer historische Figuren zugrunde, zuletzt Juliana „Julchen“ Blasius, die Geliebte des Schinderhannes, deren Schicksal sie schonungslos dargestellt hat. Die bevorzugte Zeit der Autorin ist jedoch die Frühe Neuzeit, die Lebensumstände jener Zeit hat sie akribisch recherchiert. Und so machen nicht nur die spannenden Geschichten Spaß, auch die Schilderung des Alltags von Henkern, Räubern, Gauklern, Bürgern oder Adeligen sind überaus unterhaltsam. So erfuhr man im dritten Teil der Serafina-Krimis, wie man 1416 einen Menschen zu einem lebenden Toten machen konnte: man bezichtigte ihn, an der Lepra zu leiden! Diese Menschen wurden öffentlich für tot erklärt, erhielten die Sterbesakramente und wurden in Siechenhäuser verbannt. Wie jenes, das vor den Mauern Freiburgs bestand. So konnte man jemand beseitigen, um an sein Erbe kommen – falls sich keine schlaue Begine einmischte.

Astrid Fritz: Tod im Höllental. Ein Fall für Serafina. Rowohlt 2017. Taschenbuch, 272 Seiten, 9,99 Euro. ISBN 978-3-499-27347-6. Auch als E-Book, 9,99 Euro. ISBN 978-3-644-40247-8