Astronomie Scharfer Blick in Richtung Sonne

Von sae/dpa 

Deutsche Forscher haben auf der Insel Teneriffa Europas größtes Sonnenteleskop eingeweiht. Denn es sind längst noch nicht alle Rätsel der Sonne gelöst.

Das Sonnenteleskop Gregor muss besonders gekühlt werden, um präzise zu sein. Foto: AIP
Das Sonnenteleskop Gregor muss besonders gekühlt werden, um präzise zu sein. Foto: AIP

Stuttgart - Nichts ist gewöhnlicher als der tägliche Zug der Sonne über den Himmel – und doch gibt sie noch viele Rätsel auf. Zum Beispiel ist noch unklar, warum auf der Sonnenoberfläche vergleichsweise kühle, schwarze Flecken entstehen und wie diese sich entwickeln. Besonders rätselhaft ist, wieso sie in einem elfjährigen Zyklus auftreten. „Wir wissen es nicht“, sagt Reiner Volkmer vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. Der Astrophysiker will Licht in die Sache bringen. Gemeinsam mit Kollegen von drei Partnerorganisationen hat er am Montag ein neues Sonnenteleskop namens Gregor auf der Insel Teneriffa eingeweiht – das größte Europas und das drittgrößte der Welt. Nach mehr als zehn Jahren Planung machte das mehr als zehn Millionen Euro teure Teleskop Gregor am Montag seine ersten Aufnahmen der Sonne.

Die technische Herausforderung für die Astronomen: Gegenstände im grellen Sonnenlicht heizen sich auf. Das ist beim 1,5-Meter-Spiegel des Teleskops, der das Sonnenlicht empfängt, nicht anders. Er besteht hauptsächlich aus der Glaskeramik Zerodur, das auch in Ceran-Kochfeldern verwandt wird. Das Material dehnt sich bei Wärme kaum aus, stammt von der Firma Schott aus Mainz und wurde vom Unternehmen Carl Zeiss in Oberkochen auf eine Oberflächenrauigkeit von unter einem millionstel Millimeter poliert. Darauf sorgt eine hauchdünne Aluminiumschicht für die Lichtreflexion. Von der teils ausgehöhlten Rückseite wird der Spiegel durch einen Luftstrom gekühlt und auf Umgebungstemperatur gehalten. „Wenn die Spiegel nur einen zehntel Millimeter falsch ausgerichtet sind, macht sich das sofort bei der optischen Qualität bemerkbar“, erklärt Dirk Soltau, ebenfalls Astrophysiker am Kiepenheuer-Institut.

Passend zur Einweihung bot sich am Montag am Himmel über Japan, China und den Philippinen eine partielle Sonnenfinsternis. Der Mond wirft dabei seinen Schatten auf die Erde. Weil er derzeit weit von der Erde entfernt ist, wirkt er kleiner als die Sonne und verdeckt sie nicht ganz. Von der Erde aus erscheint die Sonne in solchen Fällen als leuchtender Ring.

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