ASV Schorndorf Deutscher Ringer-Meister Sedat Sevsay: „Wir wollen eine Ära prägen“

Da ist das Ding: Trainer und Vorstand Sedat Sevsay jubelt mit der Trophäe für die Deutsche Ringer-Meisterschaft. Foto: IMAGO/Kadir Caliskan/IMAGO/Kadir Caliskan

50 Jahre nach dem ersten deutschen Meistertitel holen die Ringer des ASV Schorndorf ihren zweiten Stern. Trainer und Vorstand Sedat Sevsay spricht über das Erfolgsgeheimnis, die Feierlichkeiten und die Ziele.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Mit einem beeindruckenden 17:7 im Final-Rückkampf beim SC Kleinostheim sicherten sich die Ringer des ASV Schorndorf nach 1975 ihre zweite deutsche Meisterschaft. Trainer und Vorstand Sedat Sevsay ordnet den Triumph ein.

 

Herr Sevsay, haben Sie die Feierlichkeiten gut überstanden?

Die Mannschaft und ich schon, nur leider ist bei dem ganzen Trubel beim Meisterpokal der Henkel abgebrochen (lacht).

Das klingt wild. Wie lief denn nach dem Rückkampf in Aschaffenburg alles ab?

Wir hatten nichts geplant. Wir feierten erst mit unseren rund 350 Fans in der Halle, dann noch in der Kabine – und die Freundin eines Ringers organisierte uns dann auf der Rückfahrt noch einen Club in Mannheim, bei dem wir auf die Gästeliste kamen. Gegen 6 Uhr in der Früh waren wir wieder zu Hause.

Und dann?

Am Sonntag ging es gegen Mittag in die Almhütte im Schorndorfer Stadtbiergarten, im Laufe der Woche folgt die Ehrung in der Stadt, der Eintrag ins Goldene Buch.

Wie schon im Viertel- und Halbfinale hat Ihr Team auch im Finale beim SC Kleinostheim einen 13:16-Rückstand aus dem Hinkampf gedreht. Wie lautet die Erklärung dafür?

Wir sind nach der Erfahrung aus dem verlorenen Finale vor zwei Jahren eng zusammengewachsen und haben auch personell und taktisch ein paar Lehren daraus gezogen. Zudem war unsere Sieben-Punkte-Niederlage im Viertelfinal-Hinkampf gegen den ASV Mainz ein Dämpfer zur rechten Zeit. Vor allem aber wollten wir diesen zweiten Stern unbedingt, und zwar mehr als alle anderen Teams.

Aus eigener Kraft nach oben

Was bedeutet dieser zweite Titel für das Ringen in Schorndorf?

Wahnsinnig viel – für die Stadt für die ganze Region. Wir hatten eine bewegte Vergangenheit mit vielen Auf und Abs und sind ja erst 2019 wieder in die Bundesliga aufgestiegen. Wir haben es geschafft, uns aus eigener Kraft hochzuarbeiten, mit guter Nachwuchsarbeit und Eigengewächsen. Es passt ins Bild, dass auch unserer zweite Mannschaft in dieser Saison den Aufstieg in die Landesliga geschafft hat. Es macht mich unheimlich stolz, was wir entwickelt haben.

Wie lauten die weiteren Ziele?

Wir wollen nicht nur kurz an der Spitze vorbeischauen, sondern langfristig eine Ära prägen.

Und den Titel verteidigen?

Das ist definitiv unser Ziel. Wir haben auch bereits drei namhafte, junge Neuzugänge verpflichten können, hinter denen auch andere Clubs her waren.

Sie selbst machen den Job neben ihrem Hauptberuf als Produktmanager ehrenamtlich und sind jetzt sicher urlaubsreif?

Absolut. Ich versuche mit meiner Familie von Freitag an einen Kurztrip nach Athen zu machen. Ich nehme den Meisterpokal mit auf die Akropolis und schicke ein Foto.

Sedat Sevsay

Karriere
Der 51 Jahre alte Sedat Sevsay ist in Göppingen geboren und hat in den 1990er Jahren bis Anfang der 2000er Jahre selbst für den ASV Schorndorf gerungen. Seit 2018 ist er ehrenamtlich als Trainer und Vorstand beim ASV tätig.

Persönliches
Sevsay arbeitet in seinem Hauptberuf als Produktmanager. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin in Lorch. Sie ist die Mutter von ASV-Ringer Jello Krahmer (29), der auch an den Olympischen Spielen in Paris teilnahm. Sein Hobby ist Reisen. (jüf)

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