Die Stadtverwaltung Filderstadt plant eine neue Großunterkunft für Geflüchtete. Das neue Wohndorf soll auf einer Freifläche am äußersten Rand des Gewerbegebiets in Bernhausen entstehen, genauer gesagt an der Ecke der Gottlieb-Daimler-Straße auf Höhe der Weidacher Straße gleich hinter dem Porsche-Zentrum. Das Grundstück wird die Stadtverwaltung noch pachten müssen, erste Gespräche sind aber offenbar schon geführt worden.
Der Gemeinderat hätte in seiner jüngsten Sitzung eigentlich über das Vorhaben abstimmen sollen, auf Antrag der Fraktion der Freien Wähler wurde der Punkt jedoch kurzfristig vertagt. Es gebe trotz nicht-öffentlicher Vorberatungen in drei Ausschusssitzungen noch dringenden Klärungsbedarf. Später erläuterten die Freien Wähler in einem Online-Beitrag, dass der von der Verwaltung vorgeschlagene Neubau sie angesichts der angespannten Finanzlage der Stadt nicht überzeuge, da er keine dauerhafte Lösung sei, sondern nur eine zeitlich begrenzte Übergangslösung.
Die Unterlagen zu den aktuellen städtischen Planungen sind jedoch bereits öffentlich. Vorgesehen ist demnach auf der Grünfläche eine temporäre Unterkunft in Modulbauweise. Rund 105 Personen sollen dort nach der Fertigstellung Platz haben. Angedacht sind zwei Baukörper mit jeweils drei Stockwerken. In Summe 35 Module sollen dort aufgetürmt werden, zusätzlich sind rund 120 Quadratmeter Nutzfläche für Büros und Schulungsraum erforderlich. Die Unterbringung von Waschmaschinen und Technik ist derzeit in zwei massiven Nebengebäuden vorgesehen. Bereits Ende 2025 sollen die Erschließungsarbeiten starten, der Aufbau der Module könnte dann im zweiten Quartal 2026 beginnen. Der Bezug der Unterkunft wird fürs dritte Quartal 2026 angestrebt.
Die Stadt hat kaum Handlungsspielraum
Viel Handlungsspielraum hat die Stadt nicht. Mehrere Grundstücke seien unter die Lupe genommen worden, heißt es in den Unterlagen, doch es wird viel Platz benötigt – und das, obwohl die letzte Großunterkunft, die im Weilerhau mit Kapazitäten für bis zu 130 Personen, erst vor knapp über einem Jahr bezogen wurde. Doch das reicht nicht. Filderstadt verfügt über 24 Anschlussunterkünfte für Geflüchtete mit einer Gesamtkapazität von 873 Plätzen. Derzeit sind 683 Plätze belegt. 258 Personen müssen dieses Jahr neu aufgenommen werden. Nur rund 90 Personen verlassen die Unterkünfte pro Jahr. Will heißen: Bis Jahresende wird Filderstadt der Platz ausgehen – und im kommenden Jahr geht man von einer weiteren Zuweisung von mindestens 250 Personen aus.
Sofern der Gemeinderat den städtischen Planungen in der aktuellen Form zustimmt, wird das Ganze teuer. Für die neue Modulunterkunft geht die Stadt aktuell von Kosten in Höhe von 6,12 Millionen Euro aus. Für Wasser, Strom, Wartung, Sicherheitsdienst und vieles mehr werden pro Jahr zudem wohl mehr als 800 000 Euro an zusätzlichen Kosten anfallen. Für die Anlage ist außerdem eine Stelle für eine Hausleitung vorgesehen, die Personalkost gibt die Stadt mit etwa 60 000 Euro pro Jahr an. Das Thema soll nun noch mal eine komplette Beratungsrunde in sämtlichen städtischen Ausschüssen durchlaufen, bevor am 26. Mai im Gemeinderat der Beschluss fallen soll.