Edward Snowden, der Computerspezialist und Ex-Mitarbeiter des US-Nachrichtendienstes NSA, sucht nach einem neuen Unterschlupf. Denn seine Aufenthaltsgenehmigung in Moskau läuft aus.

Der Computerspezialist Edward Snowden, der den NSA-Skandal ins Rollen brachte, möchte gerne in Brasilien leben. Er habe einen offiziellen Asylantrag gestellt, sagte der 30jährige in einem Interview mit dem brasilianischen Globo-Fernsehen, das in Moskau aufgenommen wurde. Die brasilianische Regierung äußerte sich zunächst nicht dazu. Snowden hatte bereits im Sommer vor einem Jahr, zu Beginn seines Aufenthaltes in Russland, in 21 Ländern um Unterschlupf gebeten, darunter auch Brasilien.

 

Als die Reporterin ihm entgegenhielt, Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff habe damals gesagt, sie wisse von nichts, ein Gesuch sei nicht eingegangen, antwortete Snowden offenkundig erstaunt: „Das ist mir neu. Vielleicht liegt es an irgendeiner Formalität, die ihrer Meinung nach“ – gemeint waren damit offenbar die brasilianischen Behörden – „nicht erfüllt wurden“. Ein Tausch sensibler Dokumente gegen Asyl sei ausgeschlossen. Erstens habe er keine Geheiminformationen mehr anzubieten, sagte Snowden, und zweitens sei Asyl kein Geschäft, sondern müsse aus humanitären Gründen gewährt werden.

Aufenthaltsgenehmigung in Moskau läuft aus

  Snowden hatte im vergangenen Jahr enthüllt, dass die Nationale Sicherheits-Behörde NSA millionenfach Telefonate und E-Mails in aller Welt ausgespäht und ausgewertet hatte – auch die Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brasiliens Präsidentin. Die Verärgerung war damals auch in Brasilien groß; verschiedene hochrangige Politiker aus dem Regierungslager ebenso wie aus der Opposition sprachen sich dafür aus, Snowden dauerhaften Aufenthalt in Brasilien anzubieten. Der 30jährige versuchte nach seinen Enthüllungen, von Hongkong über Moskau nach Ecuador zu reisen, das ihm Asyl angeboten hatte. Aber während der Reise erklärten die US-Behörden seinen Pass für ungültig, so dass er einen Monat lang im Transitbereich des Moskauer Flughafens festhing. Danach erteilten ihm die russischen Behörden eine Aufenthaltsgenehmigung, die jedoch auf ein Jahr befristet ist und im August abläuft.

Auf die Frage, was dann mit ihm werden soll, sagte er: „Das ist eine schwierige Frage. Ich habe keine Antwort darauf. Mein Asyl hier läuft Anfang August aus. Und wenn mir Brasilien Asyl anböte, würde ich das sehr gerne annehmen“. In dem Interview unterstrich der Computer-Spezialist, sein Leben in Russland „ist nicht so übel, wie es scheint“. Russland sei zwar kein perfektes Land; er kritisiere die Kontrolle des Internets und die Zensur der Presse, „aber im täglichen Leben ist es besser als Gefängnis“. Er nehme zwar an, dass er ständig beschattet werde, aber er könne sich frei bewegen und führe „ein überraschend offenes Leben“. Auf der Straße erkenne ihn niemand, „nur wenn ich in einen Computerladen gehe“.

„Ich habe ein hohes Amt gehabt“

Auf die Frage, ob er sich verkleide oder maskiere, sagte Snowden, das beantworte er besser nicht. Wo er in Moskau wohnt, ist geheim; das Interview wurde im Hotelzimmer der Interviewerin gedreht. Snowden widersprach der Darstellung, er sei nur ein kleiner Angestellter gewesen, der nicht einmal genau gewusst habe, was er tat. Das sei US-Propaganda, sagte er: „In Wahrheit habe ich ein hohes Amt gehabt“. Dass er mit damals 29 Jahren eine so wichtige Position gehabt habe, sei nun einmal so: „Ich bin ein Kind des Internets“. Er bereue nichts, fügte Snowden hinzu. Er habe sein Wissen öffentlich machen müsse. Es sei ihm nicht in erster Linie um den Schutz der Privatsphäre, sondern um Freiheit gegangen: „Wenn wir jeden Mann, jede Frau, jedes Kind von ihrer Geburts- bis zur Stunde ihres Todes überwachen, dann können wir doch nicht sagen, dass sie in Freiheit leben“.