Das Landratsamt hat für Flüchtlingsfragen eine zentrale Rufnummer eingerichtet. Schon in der ersten Woche gehen täglich 15 bis 20 Anrufe ein. Meist sind es Hilfsangebote, dennoch spitzt sich die Lage in Sachen Unterkünfte zu.
Waiblingen - Wo kann ich spenden? Wie kann ich mich ehrenamtlich engagieren? Wer kann Kleider, Einrichtungsgegenstände oder anderes gebrauchen? Seit gut einer Woche laufen im Waiblinger Landratsamt Fragen wie diese auf der eigens dafür eingerichteten Telefonnummer 0 162 1 38 70 82 auf. Die Resonanz sei groß, berichtet eine Behördensprecherin auf Anfrage, 15 bis 20 Anrufe gingen im Schnitt pro Tag ein. Selbst leer stehende Gebäude oder Plätze zur potenziellen Unterbringung von Flüchtlingen seien über die Hotline schon gemeldet worden.
Eine Sozialarbeiterin des Landratsamts, die zurzeit als Ansprechpartnerin an der Hotline fungiert, leite letztere Hinweise oder Angebote an den zuständigen Koordinierungsstab weiter, der wiederum in enger Abstimmung mit den Kommunen eine Realisierung prüfen lasse. Zwar seien von Privatpersonen ins Gespräch gebrachte einzelne Häuser oder Wohnungen in der Regel nicht für die Einrichtung von Gemeinschaftsunterkünften geeignet, vielfach aber für eine sogenannte Anschlussunterbringung. Weil nach wie vor händeringend Wohnraum für Neuankömmlinge gesucht werde, sei das Landratsamt bei Fällen mit einer hohen Anerkennungswahrscheinlichkeit im Gespräch mit den Kommunen, die Regelzeit von 24 Monaten bis zu einer solchen Anschlussunterbringung zu verkürzen. Solche kleinere Wohneinheiten sollen Entlastung bringen.
100 potenzielle Unterkünfte auf der Prüfliste
Kaum eine leer stehende Immobilie im Kreis, die möglichst mindestens 50 Flüchtlinge beherbergen könnte, wird zurzeit nicht auf Tauglichkeit für die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft untersucht. Drogeriemärkte, Gewerbebetriebe, ehemalige Bäckereien, Tennishallen, Gaststätten – rund 100 Objekte stehen auf der Prüfliste des Landratsamts.
Aktuell sind 2344 Asylbewerber über das gesamte Kreisgebiet verteilt untergebracht, doch allein im letzten Quartal des Jahres rechnet man mit einem weiteren Zustrom von fast 3000 Menschen, die von einem Erstaufnahmelager des Landes in den Rems-Murr-Kreis geschickt werden. Weil schon jetzt keine Kapazitäten mehr vorhanden sind, wurden rund 400 Flüchtlinge in Turnhallen in Waiblingen, Backnang und Schorndorf untergebracht.
Dort, wie in „normalen“ Unterkünften auch, stoße man allerdings auf „massive Probleme“, was die Ausstattung mit Betten, Matratzen und anderen Einrichtungsgegenständen angeht. „Die Lieferanten sind zum Teil komplett ausgelastet“, so die Sprecherin des Landratsamtes. Auch Wohncontainer hätten lange Lieferzeiten. Zudem müsse man feststellen, dass Handwerker, die man für Installationen etwa im Sanitär- und Heizungsbereich benötige, gut ausgelastet und nicht immer verfügbar seien. Geradezu „leer gefegt“ sei der Markt für Sozialarbeiter. „Bisher konnten wir die Lücken zwar grob schließen“, sagt die Behördensprecherin, „wir kommen mit den Einstellungen aber nicht so schnell nach, wie neue Flüchtlinge zugewiesen werden.“
Ehrenamtskoordinator von November an
Weil der allgemeine Koordinierungs- und Informationsbedarf ständig wächst, will das Landratsamt jetzt die Erreichbarkeit der gerade erst installierten Hotline, die bisher nur werktags von 8 bis 16 Uhr geschaltet ist, ausdehnen. Zudem soll ein sogenannter Ehrenamtskoordinator für Flüchtlingsfragen eingesetzt werden. Das Bewerbungsverfahren für die zusätzliche Stelle, die zum einen die Teamleitung der Sozialarbeiter in den Flüchtlingsunterkünften übernehmen und zum anderen die Schnittstelle zu Arbeitskreisen, kommunalen Integrationsbeauftragten und Freien Trägern bilden soll, ist bereits abgeschlossen. In dieser Woche soll sie besetzt werden. Nach derzeitigem Stand soll der Ehrenamtskoordinator bis spätestens 1. November seinen Dienst antreten.
Flüchtlingszahlen im Rems-Murr-Kreis
Aktuell
Zurzeit wohnen 2344 Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises. Die größten Einrichtungen sind in Waiblingen (357 Plätze) und Winnenden (286), die kleinsten in Auenwald (10) und Sulzbach an der Murr (16). Aktuell im Bau oder in konkreter Planung sind laut dem Kreishaus Unterkünfte in Backnang, Welzheim und Murrhardt mit einer Gesamtkapazität für 165 Personen.
Prognose
Das Landratsamt rechnet bis zum Jahresende mit einem weiteren Bedarf für 2972 Personen. Im Schnitt werden pro Monat 743 Menschen aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes in den Kreis geschickt