Asylunterkunft in Feuerbach Flüchtlinge gehen auf Polizisten und Wachleute los

Ein Streit eskalierte in der Asylunterkunft in Feuerbach: Bewohner gingen nach einem Streit untereinander auf Sicherheitspersonal und Polizeibeamte los. Die Polizei hat im Anschluss fünf Männer festgenommen.

An der  Borsigstraße haben Flüchtlinge     Sicherheitsleute angegriffen. Foto: Lg/Kovalenko, StZ
An der Borsigstraße haben Flüchtlinge Sicherheitsleute angegriffen. Foto: Lg/Kovalenko, StZ

Stuttgart - Die Polizei hat am Dienstag einen ungewöhnlichen Einsatz in einer Asylunterkunft gemeldet. Bewohner gingen dort auf das Sicherheitspersonal und auf Polizeibeamte los, die hinzugerufen wurden. „Das ist bisher so noch nicht passiert“ sagt ein Polizeisprecher.

Angefangen hat alles mit einer Auseinandersetzung, wie sie passieren kann, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind: Eine Gruppe junger Leute habe am Montagabend gefeiert und sei laut gewesen. Das habe andere Bewohner gestört. Sicherheitsleute versuchten gegen 22.45 Uhr, für Ruhe zu sorgen. Die Gruppe, darunter drei Brüder, seien auf die Wachleute losgegangen. Das Sicherheitspersonal verständigte die Polizei.

„Als acht Beamte eintrafen, kam ihnen eine aufgebrachte 15-köpfige Gruppe entgegen“, berichtet ein Polizeisprecher. Mit Pfefferspray hätten die Beamten die Männer abgewehrt. Ein 25-Jähriger sei „richtig wild“ gewesen, er habe Widerstand gegen die Polizei geleistet, um sich geschlagen und getreten. In der Auseinandersetzung sei ein Polizeihund verletzt worden. Die Polizei nahm fünf Iraker im Alter von 22 bis 29 Jahren fest. Einen davon, den 25-Jährigen, nahm die Polizei in Gewahrsam.

Im Reitstadion ist die Situation eher ruhig

„Bisher hatten wir keine großen Probleme“, sagt Wolf-Dieter Dorn, der Sprecher des Feuerbacher Flüchtlingsfreundeskreises. Es wundere ihn fast, dass es in der Notunterkunft so ruhig zugehe. „Die Leute haben keinen Aufenthaltsraum, immer vier sind in Abteilen zusammen. Dazwischen stehen nur Bauzäune mit Plastikfolie als Sichtschutz. Man hört jedes Räuspern. Unter diesen Bedingungen ist es schwierig, nicht aneinanderzugeraten“, sagt Dorn.

Streit habe es durchaus gegeben, aber keine großen Schlägereien. Er hoffe, dass man Verständnis für die Menschen habe und sie wegen der Schlägerei nicht verurteile. „In der belastenden Situation, in der die Menschen sind, ist es doch menschlich, dass sie sich manchmal streiten“, fügt er hinzu.

Mit Verständnis und Respekt versuchen auch die Teams, die für die Unterbringung und Sicherheit beim Reitstadion zuständig sind, den Flüchtlingen dort zu begegnen – und berichten von positiven Erfahrungen auch jetzt mit schwieriger Klientel. Seit Mittwochabend sind in der Zeltstadt eine Gruppe von Algeriern, ein Libanese und ein Tunesier untergebracht, mit denen es zuvor in den Erstaufnahmestellen Ellwangen und Wertheim immer wieder Probleme gegeben haben soll. Vor allem in Ellwangen musste wiederholt wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen die Polizei anrücken. Auch aus Wertheim wurde dem Regierungspräsidium Stuttgart eine „hohe Aggressionsbereitschaft“ gemeldet.

Ein Flüchtling wurde gewalttätig

Beim Vorortbesuch im Reitstadion ist keine aggressive Stimmung spürbar. Heimleitung, Sicherheitspersonal und Flüchtlinge äußern sich gleichermaßen zufrieden. Die Lage sei ruhig. „Wir sind von etwas anderem ausgegangen, doch der Umgang mit ihnen ist leicht, ich habe sie auch nicht als kriminell wahrgenommen“, sagt der Heimleiter von Campanet, Mojtaba Niazi. „Niemand muss sich fürchten, weil sie hier unterkommen“, sagt auch sein Teamleiter, Mike Kärcher. Ohnehin verließen wenige von sich aus das Gelände und dann nur kurz, das sei die bisherige Erfahrung.

Tatsächlich halten sich an diesem Mittag fast alle der 31 Flüchtlinge in Halle 2 auf. In einer Ecke wird gespielt (aus Karton und Flaschendeckeln haben die Männer ein Damespiel gebastelt), andere liegen auf dem Bett. Draußen kicken einige in der Kälte. In zwei Stunden beginnt der Deutschunterricht. „Wir haben alles im Griff“, sagt der Einsatzleiter der Sicherheitsfirma SGS GmbH, Mohamed Hijazi. Einen Vorfall habe es gegeben, nachdem ein Mann betrunken zurückkehrte und gewalttätig wurde. Man habe die Polizei gerufen, der Mann sei in Gewahrsam.

Flüchtlinge sollen so bald nicht verlegt werden

Mit 30 Mann ist SGS vor Ort – rund um die Uhr. Wer hineinwill, wird an der Pforte durchsucht und abgetastet. Doch nicht nur auf solche Maßnahmen setzt Mohamed Hijazi: Er habe sein Team geschult, erklärt der gebürtige Libanese: „Ihr müsst zuerst euren Kopf einschalten.“ Im Reitstadion gingen alle anständig miteinander um.

Die Flüchtlinge sind voll des Lobes, was die jetzige Unterbringung angeht: „Wir fühlen uns hier in Sicherheit, der Sicherheitschef gibt das Beste, Campanet genauso“, sagt Mahdi Drissi, der Wortführer. Vorher sei die Behandlung schlecht gewesen. Sie wollten unbedingt bleiben und nicht erneut verlegt werden, was laut RP Stuttgart „in nächster Zeit“ auch nicht vorgesehen ist. Der Algerier weist zurück, dass es sich bei ihnen um Kriminelle handele: „Wir sind nicht kriminell.“ Zur Schlägerei in Wertheim mit Pakistanis sei es gekommen, weil sie einem älteren syrischen Mann haben helfen wollen, behauptet er.

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