Atdorf Pumpspeicherkraftwerk vor ungewisser Zukunft

Von dpa/lsw 

Das Speicherkraftwerk Atdorf gilt als ein Baustein der Energiewende. Doch weil es sich nicht rechnet, will RWE angeblich aussteigen. Droht nun das Aus? EnBW und RWE sprechen von „Spekulationen“ und halten sich bedeckt.

Das Speicherkraftwerk Atdorf gilt als ein Baustein der Energiewende. Doch weil es sich nicht rechnet, will RWE angeblich aussteigen. Droht nun das Aus? EnBW und RWE sprechen von „Spekulationen“ und halten sich bedeckt. Foto: dpa
Das Speicherkraftwerk Atdorf gilt als ein Baustein der Energiewende. Doch weil es sich nicht rechnet, will RWE angeblich aussteigen. Droht nun das Aus? EnBW und RWE sprechen von „Spekulationen“ und halten sich bedeckt. Foto: dpa

Atdorf/Karlsruhe/Essen - Das Pumpspeicherkraftwerk im südbadischen Atdorf steht vor einer ungewissen Zukunft: Nach einem Bericht der „Badischen Zeitung“ will RWE bei dem Milliardenprojekt aussteigen, weil es sich nach derzeitigen Rahmenbedingungen nicht lohnt. Was dies für das von Umweltschützern bekämpfte Projekt im Südschwarzwald bedeuten würde, ist unklar. Vom Essener Energiekonzern und dessen Karlsruher Projekt-Partner EnBW hieß es dazu am Mittwoch gleichlautend: „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

Das Speicherkraftwerk mit einer Leistung von 1400 Megawatt soll bis 2022 in Betrieb genommen werden. Das 1,6-Milliarden-Euro-Projekt gilt als wichtiger Baustein der Energiewende: Pumpspeicherwerke können überschüssige Energie aus Wind- und Sonnenkraft aufnehmen und in wind- und sonnenschwachen Zeiten wieder abgeben. Allerdings verdirbt der große Anteil von Solarstrom die Preise.

In den vergangenen Monaten haben Energieversorger mehrfach angedeutet, dass sich der Bau von Pumpspeicherkraftwerken unter den aktuellen Bedingungen nicht lohnt. Ein Sprecher der Schluchseewerk AG - Hauptaktionäre sind RWE und EnBW - zeigte sich am Mittwoch dennoch zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, dass das Projekt Atdorf realisiert wird.“

Auch ein EnBW-Sprecher betonte: „Das Planfeststellungsverfahren läuft unverändert weiter.“ Die endgültige Investitionsentscheidung sei aber abhängig von den regulatorischen Bedingungen und vom Marktumfeld. Klar sei, dass derartige Projekte vor allem wegen der Einspeisung von Photovoltaikstrom am Tag „unter erheblichem Druck“ stünden.

Das Pumpspeicherkraftwerk sorgt seit Jahren für Zoff in der Region

Im baden-württembergischen Umweltministerium geht man ebenfalls davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren zu Ende gebracht wird. Ein Ausstieg kurz vor der bevorstehenden Bundestagswahl würde wenig Sinn machen, da nach der Wahl über „ein neues Design“ für den Energiemarkt nachgedacht werde. „Unser Vorschlag, einen Kapazitätsmarkt einzuführen, liegt seit langem auf dem Tisch“, sagte ein Sprecher des von den Grünen geführten Stuttgarter Ministeriums. Damit könnten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ein Pumpspeicherkraftwerk deutlich verbessert werden.

„Die Energiewende ist auf Speicherkapazitäten angewiesen. Pumpspeicherkraftwerke sind derzeit die erprobteste Technologie, insofern halten wir Projekte wie in Atdorf für gut und richtig“, unterstrich der Ministeriumssprecher.

RWE und EnBW sollen in das Projekt Atdorf schon zweistellige Millionen-Summen investiert haben. Wie andere große Stromversorger sind sie durch die Energiewende mit dem Atomausstieg und dem Boom von Erneuerbaren Energien sowie sinkenden Börsenpreisen für Strom unter Druck.

In Atdorf ist eine Anlage von zwei insgesamt 110 Hektar großen Seen geplant sowie eine 75 Meter hohe Staumauer aus Beton. Das Pumpspeicherkraftwerk sorgt seit Jahren für Zoff in der Region: Kritiker lehnen das Großprojekt wegen der Eingriffe in die Natur ab.