Atomkraft in der EU Keine Strategie für die Zukunft

Frankreichs Präsident kündigt eine Renaissance der Atomenergie in Frankreich an. Damit stößt er nicht überall auf Wohlwollen. Foto: AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT
Frankreichs Präsident kündigt eine Renaissance der Atomenergie in Frankreich an. Damit stößt er nicht überall auf Wohlwollen. Foto: AFP/CHRISTOPHE ARCHAMBAULT

Frankreich will neue Kernkraftwerke bauen und vernachlässigt damit die Zukunftstechnologien, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Brüssel - Der Vorpreschen Frankreichs in Sachen Atomkraft kommt nicht überraschend. Nicht nur Präsident Emmanuel Macron, auch die meisten Franzosen setzen unbeirrt auf den billigen Strom, selbst wenn er aus veralteten Meilern kommt. Kritik wird vom Staatschef zurückgewiesen, meist mit dem Hinweis auf die Probleme etwa beim deutschen Atomausstieg. Der große Nachbar schaltet die Meiler ab und muss dafür schmutzige Kohle verfeuern – was das Klima weiter schädigt.

Marode Kernkraftwerke in Frankreich

Doch Frankreich muss sehr viel Geld in seine oft maroden Kernkraftwerke investieren, damit diese noch einige Jahre länger am Netz bleiben können. Doch nun kommt sehr wahrscheinlich unverhoffte Hilfe von der Europäischen Union. Denn die Zeichen stehen nicht schlecht, dass Brüssel Atomenergie als „nachhaltig“ einstuft, weil sie praktisch kein CO2 ausstoßen. Damit sind Investitionen der Wirtschaft und Subventionen der Politik so gut wie sicher. Die Probleme des Atommülls und der Reaktorsicherheit bleiben bei dieser Taxonomie außen vor.

Macron als pragmatischer Nationalist

Macron, der sich auf internationaler Bühne gerne als Vorkämpfer für Klima- und Umweltschutz präsentiert, agiert in diesem Fall allerdings nicht als fürsorgender Europäer, sondern als pragmatischer Nationalist. Denn für Frankreich würde eine Abkehr vom Atomstrom eine radikale Wende in Sachen Versorgungsstrategie bedeuten. Das Land ist stolz auf seine Unabhängigkeit – gerade auf dem Energiesektor. Allerdings entspricht dieses Denken längst nicht mehr der Realität. Denn auch Frankreich muss Strom aus dem Ausland importieren, wenn es zu Versorgungsengpässen kommt – etwa durch die immer häufiger auftretenden Pannen in den veralteten Reaktoren.

Milliarden für die falsche Energieform

Paris wird sich aber von seinem traditionellen Denken lösen müssen, um die Energieversorgung in Zukunft ökologisch und grenzübergreifend zu lösen. In diesem Sinne stellt sich die Frage, ob Paris – und wahrscheinlich bald auch die Europäische Union - ihre Milliarden nicht besser in den konsequenten Ausbau von alternativen Energieformen investieren würden. Denn der Strom aus Atomkraftwerken mag auf den ersten Blick billig erscheinen, aber es ist keine Zukunftstechnologie.




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