Atomkraftwerk Fessenheim „Es bleibt ein atomares Damoklesschwert“

Das Kernkraftwerk Fessenheim liegt am Rhein. Foto: dapd
Das Kernkraftwerk Fessenheim liegt am Rhein. Foto: dapd

Erleichtert vernehmen die Menschen in Freiburg die Nachricht, dass das französische Atomkraftwerk Fessenheim geschlossen werden soll – auch wenn sie zufriedener wären, wenn das Atomkraftwerk sofort stillgelegt würde.

Baden-Württemberg: Heinz Siebold (sie)
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Freiburg - Die politischen Repräsentanten, die Umweltbewegung und die Bürger in Südbaden jubeln parteiübergreifend: Mit „großer Freude und Erleichterung“ vernahm auch die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer die Ankündigung des französischen Staatspräsidenten François Hollande, das Atomkraftwerk (AKW) Fessenheim, rund 25 Kilometer südlich von Freiburg auf französischer Seite des Oberrheins gelegen, im Jahre 2016 vom Netz zu nehmen. „Damit geht für die Menschen in unserer grenzüberschreitenden Region ein großer Wunsch in Erfüllung“, so Schäfer am Freitag in Freiburg. Allerdings wäre ihr lieber gewesen, „wenn das Atomkraftwerk sofort stillgelegt würde“.

Das wäre auch die Erwartung von Axel Mayer gewesen. Der Geschäftsführer des BUND Südlicher Oberrhein gehört zu den schärfsten und unermüdlichsten Kritikern des ältesten französischen Atommeilers. „Wir freuen uns dennoch“, sagt der Umweltaktivist, der schon in den 1970er Jahren erfolgreich gegen das geplante Kernkraftwerk Wyhl am Kaiserstuhl gekämpft hatte. Wie die Regierungspräsidentin sieht auch Axel Mayer im jahrelangen Druck aus der Umweltbewegung dies- und jenseits des Rheins und zunehmend auch aus fast allen etablierten Parteien, Kommunen und Regionalverbänden den Grund für die Ankündigung, den vielfach durch Störfälle in die Schlagzeilen geratenen Atomreaktor abzuschalten.

In Frankreich laufen derzeit 58 Kernkraftwerke

Der Kampf gegen die Atomkraft am Ober- und Hochrhein ist für die Umweltbewegung dennoch nicht zu Ende. „Wir werden die nicht unproblematische Abschaltung von Fessenheim sehr genau und kritisch begleiten“, kündigt der BUND-Geschäftsführer an. Zudem hoffe er auf einen „Dominoeffekt“ in Frankreich, dass also Fessenheim nicht das einzige Atomkraftwerk bleibe, das vom Netz gehe. In Frankreich laufen derzeit 58 Kernkraftwerke. „Wir werden unser Augenmerk jetzt verstärkt auf die Schweiz richten“, kündigt Mayer an. Dort, in Beznau im Kanton Aargau, unweit der deutschen Kreisstadt Waldshut-Tiengen, steht auf schweizerischer Seite das älteste Atomkraftwerk der Welt.

Der trinationale Atomschutzverband TRAS nimmt die Ankündigung des französischen Staatspräsidenten Hollande „mit großer Befriedigung zur Kenntnis“, warnt jedoch zugleich: „Bis zur definitiven Stilllegung bleibt dieses Atomkraftwerk ein atomares Damoklesschwert für Mensch und Umwelt, nicht zuletzt auch, weil die von der französischen Aufsichtsbehörde verlangten Investitionen zur Verbesserung der Sicherheit nun unterbleiben dürften.“ Auch Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) zeigt sich erfreut, dass es nun ein verbindliches Datum für die Abschaltung von Fessenheim gibt. Salomon bedankt sich ausdrücklich bei der Umweltbewegung und stellvertretend für sie beim BUND für das jahrelange Engagement. „Wir können jetzt nur hoffen, dass in den kommenden vier Jahren bis zur Abschaltung nichts Schlimmes passiert“, betont der Freiburger Oberbürgermeister. Nach den Störfällen insbesondere aus der jüngeren Vergangenheit sei es zunehmend schwerer gefallen, den Versprechungen der Betreiber und der französischen Atomaufsichtsbehörde zu vertrauen, dass der Reaktor am Rhein sicher sei.

Erst Anfang September hatte es den jüngsten Zwischenfall gegeben (siehe Text oben). Im April war in einem Maschinenraum des Reaktors II ein Feuer ausgebrochen. „Offenbar teilt auch die französische Regierung die Skepsis um die Sicherheit des ältesten Kraftwerks im französischen Nuklearpark“, erklärte Südbadens Regierungspräsidentin Schäfer.

Untersteller: „Allerdings fällt der Schritt deutlich zu kurz aus“

Lediglich der Landtagsabgeordnete Ulrich Lusche (CDU), Vorsitzender des Arbeitskreises Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, mischt in die parteiübergreifende Freude einen Wermutstropfen und kritisiert den baden-württembergischen Landesumweltminister Franz Untersteller: „Den Zeitpunkt der Abschaltung zu kritisieren, wie Minister Untersteller dies tut, halten wir für verfehlt“, schließlich handele es sich um „eine nationale Entscheidung Frankreichs“. Untersteller hatte eine schnellere Abschaltung des AKW gefordert. Die Ankündigung Hollandes sei ein wichtiger Schritt: „Allerdings fällt der Schritt deutlich zu kurz aus.“

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