Atomkraftwerk Philippsburg Drei Mitarbeitern wird Schlamperei vorgeworfen

Die Zahl der Fälle von Pfusch bei Prüfungen im Atomkraftwerk Philippsburg ist auf 24 gewachsen, drei Mitarbeiter sollen gepfuscht haben, Foto: dpa
Die Zahl der Fälle von Pfusch bei Prüfungen im Atomkraftwerk Philippsburg ist auf 24 gewachsen, drei Mitarbeiter sollen gepfuscht haben, Foto: dpa

Die Zahl der Fälle von Pfusch bei Prüfungen im Atomkraftwerk Philippsburg ist auf 24 gewachsen, drei Mitarbeiter stehen im Fokus. Der Umweltminister fordert indes schärfere Melderegeln

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Karlsruhe - Im Atomkraftwerk Philippsburg haben drei Mitarbeiter bei Sicherheitsprüfungen unsauber gearbeitet. Ungereimtheiten gibt es bei 24 statt wie bisher bekannt bei acht Prüfprotokollen, wie aus einer Mitteilung des Kraftwerksbetreibers EnBW vom Montag hervorgeht. Der Konzern beteuerte, dass die Sicherheit der Anlagen trotz des Fehlverhaltens jederzeit gewährleistet gewesen sei, und kündigte weitere Untersuchungen an. Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) will den Betrieb des Philippsburger Kraftwerks jedoch vorerst nicht weiter erlauben.

Der Konzern hatte Anfang April bei Untersuchungen zunächst festgestellt, dass ein Mitarbeiter eine wiederkehrende Prüfung an einem Störfallmonitor in Block II in Philippsburg zwar dokumentiert, aber nicht durchgeführt hatte. Bei näherem Hinsehen wurde dann auch entdeckt, dass Prüfprotokolle vordatiert wurden, um verpasste Termine zu vertuschen. Insgesamt waren laut EnBW drei Mitarbeiter, alle von einem externen Dienstleister, beteiligt.

Kein Zutritt mehr

Sie haben nach Angaben einer EnBW-Sprecherin keinen Zutritt mehr zum Gelände des AKW Philippsburg. Die Zusammenarbeit mit der Fremdfirma werde fortgesetzt - es habe sich um Fehlverhalten einer Gruppe, nicht des Dienstleisters gehandelt.

Der Energiekonzern kündigte weitere Untersuchungen an, „um zu belegen, dass es keine vergleichbaren Täuschungen bei anderen Prüfungen am Standort Philippsburg gibt“, wie es in der Mitteilung heißt. Auch die Atomkraftwerke in Neckarwestheim und Obrigheim werden auf ähnliche Fälle untersucht.

Umweltminister Untersteller forderte eine bundesweite Meldepflicht für Fälle menschlichen Versagens, die derzeit von Kraftwerksbetreibern als interne Angelegenheit betrachtet werden können. „Wenn jemand wie in Biblis oder in Philippsburg aber Sicherheitsprüfungen vorgibt, die nie stattgefunden haben, ist das in meinen Augen ein schwerwiegender Verstoß gegen die Sicherheitsinteressen der Bevölkerung“, sagte Untersteller.

Störung Stufe 1

Nach Angaben des Umweltministeriums gilt der aktuelle Fall aus Philippsburg den internationalen Regeln zufolge als Störung (Stufe 1). „Das ist schon außergewöhnlich“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die meisten Meldungen der Atomkraftwerke im Land seien ohne sicherheitstechnische Bedeutung (Stufe 0).

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte am Montag, dass der Betrieb aller Atomkraftwerke im Land eingestellt werde.

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