Atommülllager Asse "A" kündet vom Protest gegen Atommülldepot

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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In der Region lösen solche Sprüche schon seit langem Verbitterung aus. Deshalb lehnen heute baumhohe, von weitem gelb leuchtende "A"s am Rand des Asse-Waldes. Kleinere Ausgaben des Buchstabens zieren die Vorgärten der gleichnamigen Gemeinde. A steht für "Aufpassen" und für eine der örtlichen Bürgerinitiativen. So wie das "X" im Wendland zum Symbol für den Widerstand gegen das Endlager Gorleben und die Castortransporte geworden ist, kündet das "A" hier vom Protest gegen das marode Atommülldepot.

Auch Heike Wiegel hat sich dem "A" verschrieben. Sie ist Vorstandsmitglied beim Verein "Aufpassen" und gehört zu den Bürgern, die über das Misstrauen gegenüber dem Atomlager zur Expertin geworden ist. Sie weiß, dass nur von 1967 bis 1978 Atommüll im Berg deponiert wurde. Sie dröselt geduldig auf, was im Einlagerungsverzeichnis dazu festgehalten ist: 102 Tonnen Uran, 87 Tonnen Thorium, 28 Kilo Plutonium und 500 Kilo Arsen. Sie hat die hinhaltenden Informationen der ehemaligen Betreiber und das kollektive Wegschauen der Aufsichtsbehörden erlebt und dafür gekämpft, dass die Asse dem strengen Atomrecht unterworfen wird und nicht mehr nur dem laxeren Bergrecht . "Die große Sauerei ist, dass ein Bergwerk für die Einlagerung von radioaktiven Abfällen benutzt wurde, das von vornherein nicht dafür geeignet war", sagt sie mit Nachdruck, und dass die Geschichte des Forschungsbergwerks wahrlich "kein Vertrauen in die fachlichen und politischen Institutionen schafft."

Die Gefahren im Lager kann man nicht sehen

Auch das mangelnde Vertrauen in der Bevölkerung ist eines der Probleme, mit denen Wolfram König jetzt zu kämpfen hat. Jetzt steht er mit Helm, blau-weiß gestreiftem Hemd und dem weißen Anzug der Asse-Bergleute auf der Ladefläche eines Lastwagens. Im Hintergrund heult eine Sirene, und eine Warnlampe lässt orangefarbenes Licht unter Tage blinken. Langsam öffnen sich die knallgelben Stahltore. Sie geben den Weg frei, der sich in engen Serpentinen tiefer und immer tiefer in den Salzstock schraubt. Dahin, wo die dreizehn mit Atommüll gefüllten Kammern liegen und die Risiken sich ballen; wo König und seine Mitarbeiter so etwas wie Sicherheit, Ordnung und einen gesetzmäßigen Zustand wiederherstellen sollen. Ihr Auftrag ist die sichere Schließung der Anlage.

Es ist eine seltsam unspektakuläre Fahrt durch die Salzstollen mit ihren weißlich-grauen Wänden. Denn die Gefahren dort kann man nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken; man muss sie sich zeigen und erklären lassen. Wolfram König hat darin - der Umweltausschuss des Bundestags war vor 14 Tagen auch mal da - mittlerweile Routine. Hier zeigt er auf die vor eineinhalb Jahren erst errichtete Stützmauer, aus der schon wieder Steine herausgebröckelt sind. Das zeigt, wie viel Druck auf den Decken lastet. Dort weist er auf einen mit schwarzer Plane abgedeckten Tank in mittlerer Swimmingpoolgröße. Er fasst bis zu drei Tagesmengen des einströmenden Wassers. Woher es kommt, ist unklar; was den Zufluss bisher gering hält, weiß man ebenfalls nicht. Aber dass das eindringende Grundwasser der größte Feind hier unten ist, daran lässt König keinen Zweifel. Würden es viel mehr als die bisher 12.000 Liter am Tag, könnte das weiteres Salzgestein lösen, die Standfestigkeit mindern und das Salzbergwerk absaufen lassen.




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