Atommülllager Asse Die Garantie läuft in zehn Jahren aus

Die Behörden haben Kammer 8 aufgebrochen. Darin befinden sich kaputte Fässer, die einst von Baggern einfach abgeladen worden sind. Foto: dapd 3 Bilder
Die Behörden haben Kammer 8 aufgebrochen. Darin befinden sich kaputte Fässer, die einst von Baggern einfach abgeladen worden sind. Foto: dapd

Das Atommülldepot Asse ist nicht das gefährlichste Erbe der Kernkraft – aber es ist der Ort, wo Sicherheit am ehesten bedroht ist.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)
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Stuttgart - Wolfram König ist, trotz allem, zum Scherzen aufgelegt. "Das ist hier fast schon meine Zweitwohnung", witzelt er. Gemütlich ist es hier unten nicht. Unwirtlich sieht es aus in dem weiten niedrigen Raum, der von spärlichem Licht nur notdürftig erhellt wird. Gerade hat König sich in einen der weißen Pritschenwagen gesetzt, in denen die Besucher durch das Bergwerk gefahren werden. Einige Hundert Meter unter dem lieblichen, mit Buchenwald bestandenen Höhenzug, nach dem der Landstrich bei Wolfenbüttel benannt ist, liegt die Schachtanlage, die diesen Namen - man muss es so sagen - kontaminiert hat.

Die Asse - das ist die mit Abstand schwierigste Baustelle von Wolfram König. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz soll die Anlage wieder sicher machen. Seine Behörde hat die Verantwortung für diese vom Forschungsbergwerk zum Endlager umdeklarierte Anlage übernommen, nachdem der vorherige Betreiber das atomare Kapitel in der Geschichte dieses niedersächsischen Salzstocks gründlich verpfuscht hatte.

Asse steht für Leichtsinn, Ignoranz und Misswirtschaft

Seither denkt bei diesem Namen niemand mehr als Erstes an das Naturschutzgebiet, das im Frühjahr und Sommer mit Märzenbechern, Himmelsschlüsseln, Lerchenspornen und seltenen Orchideen die Ausflügler begeistert. Heute, wo der Ausstieg beschlossen und der Herbst der Atomkraft in Deutschland angebrochen ist, steht Asse für Leichtsinn, Ignoranz und Misswirtschaft, die in den Früh- und Hochzeiten der Kernkraft im Umgang mit Nuklearmüll an den Tag gelegt worden ist. Asse ist ein von der Helmholtz-Gemeinschaft betriebenes und außer Kontrolle geratenes Forschungsendlager. Dort liegen 126.000 Fässer mit schwach und mittelradioaktivem Abfall, bei denen niemand weiß, welche radioaktiven Stoffe genau darin stecken, weil bei der Deklaration des Inhalts getrickst und getäuscht worden ist. Asse steht für ein Bergwerk, dessen Kammern teilweise feucht sind, und das schon beim Salzabbau bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts so stark durchlöchert wurde, dass seine Stabilität nur noch für zehn Jahre garantiert werden kann.

Wie das marode Atomlager sicher gemacht werden soll, weiß trotz aller Expertise, die unterdessen gesammelt wurde, keiner genau. Die Rückholung des gefährlichen Mülls gilt als die beste Variante - aber dass genügend Zeit für sie bleibt, ist ungewiss. Das wirft im Rückblick das grellste Schlaglicht auf die in den vergangenen Jahrzehnten so oft wiederholten Beteuerungen von der welthöchsten Sicherheit der deutschen Atomanlagen.




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