Atommülltransport Auf dem Neckar sollen ab 2017 Castoren schwimmen

Von Wolfgang Messner 

Die Energie Baden-Württemberg will mit Binnenschiffen 342 Brennstäbe aus Obrigheim nach Neckarwestheim verfrachten. Die 15 Castoren hätten im dortigen Zwischenlager Platz. Umweltschützer sind über die Pläne entsetzt.

Ein Castor wird kommen: die EnBW will 15 Atommüllbehälter von Obrigheim  über den Neckar ins Zwischenlager nach Neckarwestheim verfrachten. Foto: dpa
Ein Castor wird kommen: die EnBW will 15 Atommüllbehälter von Obrigheim über den Neckar ins Zwischenlager nach Neckarwestheim verfrachten. Foto: dpa

Neckarwestheim - Diese Idee hat noch niemand umgesetzt. Zumindest nicht in Deutschland. Statt den Atommüll über die Schiene zu verschicken und tagelange Blockaden durch Umweltaktivisten zu riskieren, soll der strahlende Abfall über eine Binnenwasserstraße verschifft werden. Das genau plant nun die Energie Baden-Württemberg (EnBW) im Fall von 15 Castoren, wenn frühestens Ende 2016, spätestens im Jahr 2017 die 342 Brennelemente aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim abtransportiert werden müssen.

Diese will die EnBW dann in 15 Castorbehälter packen und die 50 Kilometer lange Strecke über den Neckar von Obrigheim nach Neckarwestheim verfrachten. Auf den Bau eines weiteren Zwischenlagers in Obrigheim will der Stromkonzern indes verzichten, obwohl dafür bereits eine behördliche Genehmigung vorliegt. Dieses Ergebnis habe eine von der EnBW in Auftrag gegebene Studie erbracht, sagte Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH, in Neckarwestheim.

Der Transport von Atommüll ist bislang nur über das Meer bekannt – etwa über die Ostsee oder über die Nordsee in die britische Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield. Der Gedanke, auch Binnenschifffahrtswege für Gefahrguttransporte mit hoch radioaktiven Material zu nutzen, ist im Fall der Atomkraftwerke im badischen Obrigheim und im schwäbische Neckarwestheim naheliegend, denn beide sind an den Neckar gebaut und werden oder wurden mit dessen Wasser gekühlt.

Das bestehende Zwischenlager bietet genügend Platz

„Das ist bislang nur eine Idee“, sagte Michels. Vermutlich aber mehr. Denn Die EnBW hat beim Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter einen Antrag für den Transport der Obrigheimer Brennelemente nach Neckarwestheim und für die Lagerung des radioaktiven Abfalls gestellt.

Für die Lagerung hätte eigentlich ein neues Zwischenlager in Obrigheim gebaut werden müssen. Das seit 2006 bestehende Zwischenlager in Neckarwestheim mit einer Kapazität von 151 Behältern bietet noch ausreichend Platz. 41 Castoren lagern hier; bis zum Ablauf der genehmigten Betriebsdauer im Jahr 2046 sollen lediglich 125 Plätze belegt sein.

Da wäre also noch genügend Raum für 15 Castorbehälter des Typs 440/84, in die die 342 Brennelemente gepackt würden. Fünf bis acht Flussfahrten müssten durchgeführt werden, um alle 15 Castoren an den Bestimmungsort zu bringen. Um einen Transport über den Neckar zu bewerkstelligen, müsste in Neckarwestheim noch eine Laderampe gebaut oder die bestehende Krananlage ausgebaut werden, erläuterte Michels.

BUND sieht „unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt“

Möglich ist nach der Studie auch ein Transport über die Straße. Doch diese Variante erscheint der EnBW von der Logistik weit aufwendiger und komplizierter als die Fahrt über den Neckar. So müssten Brücken und Gefahrenstellen sowie Hindernisse entweder umfahren oder beseitigt werden.

Bei Steigungen sei eine zweite Zugmaschine notwendig. Den Weg über die Schiene schloss Michels aus, da beide Kommunen nicht über eine Bahnanbindung verfügen und deshalb nur eine teure und aufwendige Kombinationslösung aus einem Transport über die Straße und die Schiene möglich sei.

Gegen einen „Atommüll-Shuttle auf dem Neckar“ sprach sich in einer ersten Reaktion der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg aus. „Ein Castortransport ist ohnehin schon mit hohen Risiken behaftet“, gab BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender zu bedenken. In diesem Fall komme hinzu, dass „keinerlei Erfahrungswerte mit Castoren auf Binnengewässern“ vorhanden seien. Schon kleinste Zwischenfälle könnten „unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt haben“ , so Dahlbender weiter.

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