Atomschutt auf Kreisdeponien Weitere Fehler im Gutachten für Deponien entdeckt

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Die Gutachter des Öko-Instituts haben nicht nur die Deponien vertauscht, sondern auch einzelne Messstationen. Das offenbart der revidierte Jahresbericht zur Strahlenbelastung im Auftrag der Kreis-Abfallbeseitigung.

In der Deponie Froschgraben bei Schwieberdingen wird Schutt aus einer Wiederaufbereitungsanlage bei Karlsruhe gelagert. Foto: factum/Granville
In der Deponie Froschgraben bei Schwieberdingen wird Schutt aus einer Wiederaufbereitungsanlage bei Karlsruhe gelagert. Foto: factum/Granville

Schwieberdingen - Die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg (AVL) kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus: Das fehlerhafte Gutachten des Öko-Instituts, welches die AVL in Sachen Strahlenbelastung ihrer beiden Deponien Am Froschgraben und Burghof berät, enthielt mehr Fehler als bislang berichtet. So wurden nicht nur die Werte der Tritiumbelastung des Sickerwassers der jeweils falschen Deponie zugeordnet, sondern auch Messwerte zweier Probeentnahmestellen der Deponie Burghof. Das geht aus dem revidierten Jahresbericht des Öko-Instituts hervor, der seit ein paar Tagen auf der Homepage der AVL online verfügbar ist.

Die Autoren des Gutachtens, Christian Küppers und Angelika Spieth-Achtnich vom Öko-Institut, nennen die Fehler „bedauerlich“ und entschuldigen sich bei ihrem Auftraggeber, der AVL, dafür. Wie es zu den Fehlern gekommen war, sei „nicht mehr ermittelbar“. Man gelobte jedoch, bei den kommenden Jahresberichten die „Maßnahmen zur Qualitätssicherung noch einmal zu erhöhen“. Die Autoren betonen zudem, dass sich aus der Korrektur der vertauschten Messwerte „keinerlei Änderungsbedarf im Hinblick auf zukünftige Ablagerungen“ dort ergebe. Gemeint sind die in Aussicht stehenden Anlieferungen von freigemessenem Bauschutt aus dem Abriss des Kernkraftwerks Neckarwestheim. Als freigemessen wird Material bezeichnet, das gemäß einer Berechnungsmethode von EnBW und Umweltministerium eine Strahlung von zehn Mikrosievert pro Jahr unterschreitet.

Die AVL will weiter mit Küppers zusammenarbeiten

Für die AVL sei der zweite Fauxpas „sehr ärgerlich“, wie der Sprecher Markus Klohr einräumt. Die Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut habe eine „Eintrübung erfahren“. Die AVL-Führung habe Küppers einbestellt. Zudem habe man als Sanktion einen Preisnachlass auf die Gutachten gefordert. „Das halten wir für angebracht“, sagt Klohr. An der Zusammenarbeit mit Christian Küppers halte man jedoch weiterhin fest, da er als unabhängiger Gutachter beim Thema Strahlenbelastung immer noch einen guten Ruf habe.

Anders sieht das Dierk-Christian Vogt, der Sprecher der Bürgerinitiative Froschgraben freigemessen. Diese setzt sich seit Jahren vehement dagegen ein, dass Bauschutt aus Neckarwestheim auf den Kreisdeponien eingelagert wird. „Mit diesem Eingeständnis gleich mehrerer grober handwerklicher Mängel ist die Glaubwürdigkeit des Öko-Instituts öffentlich beschädigt“, sagt Vogt.

Kritiker Vogt darf die Gutachten vorab einsehen

Küppers habe zudem die Chance verpasst zuzugeben, dass der Einbau von freigemessenem Bauschutt aus einer Wiederaufbereitungsanlage aus Karlsruhe entgegen seiner bisherigen Aussage doch eine Auswirkung auf die Strahlenbelastung des Sickerwassers gehabt habe. Im Gutachten mit den falschen Werten wies die Deponie Burghof eine höhere, aber immer noch rechtlich unbedenkliche Strahlenbelastung auf als der Froschgraben. In Wirklichkeit ist es genau andersherum – was Sinn ergibt in Anbetracht der Tatsache, dass der Großteil des Schutts aus Karlsruhe in Schwieberdingen verbaut worden war.

Vogt erneuert sein Angebot, die Gutachten des Öko-Instituts vor der Veröffentlichung auf Fehler oder Ungereimtheiten zu überprüfen. Die AVL habe ihm dies nun zugesichert, sagt der Sprecher Klohr.