Attentat von Solingen Ein Angriff auf die offene Gesellschaft

Blumen der Trauer auf dem Neumarkt von Solingen. Foto: dpa/Henning Kaiser

Wir alle haben ein Recht auf bestmöglichen Schutz. Totale Sicherheit kann es aber nicht geben, kommentiert Christian Gottschalk.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Es gibt Momente im Leben, da ist es schwer, die richtigen Worte zu finden. Das sind oft die Momente, in denen der Tod dem Leben seine Grenzen zeigt. In Solingen hat der Tod ganz besonders grausam zugeschlagen. Bei einem Fest der Fröhlichkeit, gegenüber Menschen, die mitten im Leben standen.

 

Es gibt Momente, da ist der Tod ein Anlass um Stille zu halten und zu Gedenken. Solingen ist nicht so ein Moment. Der Tod ist hier nicht als unabwendbarer Schicksalsschlag gekommen, sondern in Form eines irdischen Meuchlers. Vielleicht wäre der Tod zu verhindern gewesen, wer weiß das schon mit Sicherheit. Der Meuchler hat, nach allem, was bis jetzt bekannt ist, seine Wurzeln in Syrien. Menschen aus Syrien und ihr Umgang mit dem Messer bieten immer wieder Anlass für Dramen. Deswegen ist man weit weg von einem Moment der Stille. Jeder will etwas sagen. Das ist verständlich. Ob es auch gut ist, das ist eine andere Frage.

In so genannten sozialen Medien regiert der Hass

Es hat nur wenige Augenblicke gedauert, bis sich in den so genannten sozialen Medien die ersten zu Wort gemeldet haben. Zeitgenossen, die mit zum Teil hasserfüllten Fratzen die Zuwanderer pauschal beschimpft, und den Politikern vorgeworfen haben, nichts als Sprechblasen zu produzieren. Natürlich kam von der Politik alsbald das Erwartbare. Von wehrhafter Demokratie und Zusammenstehen sprechen die einen, davon, jetzt endlich klare Kante gegenüber den Flüchtlingen zu zeigen die anderen.

Es gibt Momente im Leben, da ist es schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Von den Politikern wird jedoch erwartet, dass sie handeln. Nun erst recht. Aber was genau ist zu tun? Die Politik wird es an den Stellen versuchen, wo am ehesten Nachrichten produziert werden, die als Erfolg vermarktbar sind.

Die Diskussion um Messerverbote beschleunigt sich

Die Diskussion darüber, ob bestimmte Messer verboten gehören, wird nicht erst seit Solingen geführt. Sie bekommt nun einen traurigen Schub. Es wird vermutlich schnell gehen, bis solch ein Verbot beschlossen sein wird. Das ist kein Fehler, so lange gewährleistet ist, dass nicht auch die Mama mit Selbstgebackenem samt Schneidewerkzeug auf dem Weg zum Schulfest angehalten wird. Aber ein Messerverbot wird das Problem nicht beseitigen. Weder Jugendliche mit übersteigerter Selbstwahrnehmung noch Terroristen werden sich dadurch nachhaltig beeindrucken lassen.

Die Ursachen in den Blick nehmen

Ein Sprichwort sagt, dass man auf den Bogen zielen muss, wenn man nicht alle Pfeile treffen kann. Es ist kein linkstheoretisches Geschwurbel, dass es sowohl bei islamistischem Terror als auch bei Jugendgewalt sinnvoller ist, die Ursachen in den Blick zu nehmen, als gegen die Symptome anzukämpfen. Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass dies ein mühevoller Weg voller Rückschläge ist. Wer diesen Weg gehen will, der muss erkennen, dass Verständnis alleine nicht ausreicht. Für Nachsicht gegenüber denjenigen, die unser Gastrecht missbrauchen, ist dabei kein Platz.

Konsequenteres Vorgehen gegen Straftäter

Der Angriff in Solingen war konkret ein Angriff auf Menschen in Feierlaune, es war aber auch ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft. Die hat ein Recht auf bestmöglichen Schutz. Wer sich dagegen stellt, gehört zur Rechenschaft gezogen, mit mehr Konsequenz, als das heute oft der Fall sein mag. Die Gesellschaft hat aber auch die Pflicht zu erkennen, dass es einen absoluten Schutz nicht geben kann. Dazu gehörten regelmäßige Kontrollen vor den Einkaufszentren, Leibesvisitationen an Stadtfesten, Überprüfungen vor Schwimmbädern und Bahnhofshallen. Womöglich die Überwachung ganzer Straßenzüge mit Gesichtserkennungssoftware und künstlicher Intelligenz. Die Sicherheit wäre so wohl höher, wenn auch nicht garantiert. Das Gefühl der Freiheit ginge so aber mit Sicherheit verloren.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Solingen Syrien Kommentar