Aubameyang, Coutinho, Dembélé & Co. Wie Fußballprofis Vereinswechsel provozieren

Fraglich, wie lange Pierre-Emerick Aubameyang dem Ball noch im BVB-Trikot hinterher jagt. Foto: dpa
Fraglich, wie lange Pierre-Emerick Aubameyang dem Ball noch im BVB-Trikot hinterher jagt. Foto: dpa

Pierre-Emerick Aubameyang provoziert bei Borussia Dortmund offenbar seinen Rauswurf – und ist nicht der erste Profi, der seinen Arbeitgeber in die Verzweiflung treibt. Es gibt viele Mittel und Wege, einen Vereinswechsel zu erzwingen.

Sport: Marko Schumacher (schu)
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Stuttgart - Die Launen des Pierre-Emerick Aubameyang haben die Verantwortlichen von Borussia Dortmund jahrelang mit bemerkenswerter Langmut ertragen. Seine Shoppingtouren nach Mailand, seine Verspätungen im Training, ja sogar seinen Affront, Vater und Brüder im Trainingslager-Teamhotel in Marbella einzuquartieren – all das haben sie zähneknirschend hingenommen, weil sie auf die Tore des Exzentrikers aus Gabun nicht verzichten wollten. „Irgendwann aber“, das sagte am Sonntagabend BVB-Manager Michael Zorc, sei ein Punkt erreicht, wo man diese Eskapaden nicht mehr tolerieren könne. „Da sind wir heute angekommen. So kann es nicht weitergehen.“

Am Tag vor dem 0:0 gegen den VfL Wolfsburg hatte Aubameyang mit seinem Fernbleiben von der Mannschaftssitzung den nächsten und womöglich letzten Eklat provoziert. Zum dritten Mal in seiner BVB-Zeit wurde er aus dem Kader geworfen. Eine erneute Rückkehr ist äußerst fraglich, auch wenn er am Montag in seinem türkisfarbenen Aston Martin ausnahmsweise pünktlich auf dem Clubgelände vorfuhr.

Mit einem Wechsel nach Madrid oder China hat es nicht geklappt

Seinem Ziel ist der 28-Jährige ganz nahe gekommen: bei einem anderen Verein noch mehr Geld zu verdienen als die knapp zehn Millionen Euro, die ihm die Borussia bislang pro Jahr überwiesen hat. Mit Real Madrid, Paris Saint-Germain oder China hat es nicht geklappt – jetzt scheint der Weg frei für einen Vertrag beim FC Arsenal.

Aubameyang bekäme einen Ehrenplatz in der Liste der Berufsfußballer, die mit allen Mitteln die Auflösung bestehender Arbeitsverträge zu erzwingen versuchen. Immer größer werden die Macht der Spieler und die Ohnmacht der Vereine – auch weil der Ideenreichtum der Kicker und ihrer Berater keine Grenzen kennt. Es gibt viele verschiedene Zermürbungstaktiken gibt, um ans Ziel zu kommen.

Philippe Coutinho und Anthony Modeste – die Nadelstich-Taktik

Wie Aubameyang arbeitete auch Philippe Coutinho vom FC Liverpool lange daran, die Freigabe zu provozieren. Im Sommer blieb sein Wunsch, zum FC Barcelona zu wechseln, noch unerfüllt – da half es auch nichts, dass er sich für das Champions-League-Qualifikationsspiel gegen 1899 Hoffenheim mit Rückenschmerzen abmeldete. Die Leiste war es dann Anfang Januar, die vor dem Pokalderby gegen den FC Everton plötzlich zwickte. Einen weiteren Nadelstich setzte Barça-Ausrüster Nike, der, angeblich aus Versehen, im Internet Coutinho-Trikots ankündigte. Für 160 Millionen Euro durfte er schließlich gehen, in Liverpool hatten sie das ewige Theater satt – genau wie im Sommer der 1. FC Köln: Zur Posse geriet der 35-Millionen-Transfer des Angreifers Anthony Modeste nach China, der den Clubverantwortlichen den letzten Nerv raubte.

Ousmane Dembélé und Demba Ba – die Streik-Taktik

Beliebt ist es auch, den Dienst einfach einzustellen, wenn der Arbeitgeber dem Wechselwunsch partout nicht nachkommen will. Der Aufschrei der Empörung mag laut sein – die Erfolgsaussichten aber sind groß. Im Sommer blieb Ousmane Dembélé dem Training von Borussia Dortmund so lange fern, bis die BVB-Chefs keinen anderen Ausweg mehr sahen, als den Franzosen zum FC Barcelona ziehen zu lassen. Dembélé orientierte sich an vielen Beispielen der Vergangenheit, an Demba Ba etwa, der das Hoffenheimer Trainingslager boykottierte, um nach England zu kommen. Früher oder später folgt in solchen Fallen der Transfer, worauf nun auch der Brasilianer Walace vom Hamburger SV hoffen darf. Um seinen Wechselwunsch zu unterstreichen, erschien er in der Winterpause mit dreitägiger Verspätung im Trainingscamp in Spanien.

Julian Draxler und Hakan Calhanoglu – die Interview-Taktik

Als erfolgsversprechend gilt auch der Gang an die Öffentlichkeit – per Ich-hab-die Schnauze-voll-Interview, das mit dem eigenen Verein natürlich nicht abgestimmt ist. Via „Bild“ leitete Julian Draxler („Es war immer klar zwischen allen Beteiligten, dass ich zu einem internationalen Topclub gehen möchte“) 2016 sein Zerwürfnis in Wolfsburg samt Wechsel nach Paris ein. In der „Sport-Bild“ hatte sich zwei Jahre vorher Hakan Calhanoglu („Ich habe mein Vertrauen verloren“) über den HSV beklagt und verkündet, mit Bayer Leverkusen einig zu sein. Um seinen Plänen Nachdruck zu verleihen, ließ er sich wenig später von einer Psychologin vier Wochen krankschreiben – wegen Angstzuständen vor einer Rückkehr ins HSV-Training: „Da ist so viel Wut und Hass.“

Rafael van der Vaart – die Trikot-Taktik

Auch Rafael van der Vaart wollte den HSV 2007 unbedingt verlassen – und zeigte sich besonders trickreich: Er ließ sich mit dem Trikot des FC Valencia fotografieren und erklärte: „Ich werde dafür kämpfen, dass das mein Trikot wird.“ Der HSV blieb hart, der Niederländer musste sich gedulden – und wechselte im Jahr darauf zu Real Madrid.




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