Nur für Berlin weist das Ladesäulenregister der Behörde mehr öffentliche Lademöglichkeiten aus (3989), Stuttgart folgt auf Platz zwei vor München (2554) und Hamburg (2414). Noch deutlicher fällt der Vorsprung aus, wenn man die Ladepunkte ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt: In Stuttgart stehen 4,38 Ladepunkte pro 1000 Einwohner zur Verfügung, in München (1,73) und Hamburg (1,33) liegt diese Kennzahl erheblich niedriger.
Stuttgarts Ladenetz wächst schnell
Im Landesvergleich sticht vor allem Stuttgarts Zuwachsrate hervor. Während Heilbronn, der vorherige Spitzenreiter, seit Ende 2022 nur 78 neue Ladepunkte installiert hat, sind es in Stuttgart fast 14 Mal so viele. Und trotz der gegenwärtigen Absatzflaute bei rein batterie-elektrisch betriebenen Autos will Stuttgart auf Wachstumspfad bleiben, um die Antriebswende im Sinne des Klimaschutzes zu unterstützen. Bis Ende 2029, so die Pläne der Stadt, sollen 500 weitere Ladesäulen im öffentlichen Raum installiert werden.
Woher kommt der Zuwachs? Eine große Rolle spielt der Lokalmatador Mercedes-Benz, der allein für 610 neue Lademöglichkeiten verantwortlich zeichnet. Der Autohersteller hat vor allem die Kapazitäten rund um seine großen Standorte, das Werk Untertürkheim und den Office-Campus am Wallgraben in Stuttgart-Vaihingen, ausgebaut. Insgesamt stellt er seinen Mitarbeitern, aber auch Besuchern und externen Nutzern mittlerweile 1122 öffentlich zugängliche Ladepunkte zur Verfügung.
Dass sich die Mercedes-Ladepunkte an wenigen Standorten ballen, während andere Anbieter im ganzen Stadtgebiet verteilt Säulen betreiben, zeigt die folgende Karte:
Die meisten dieser Ladeplätze befinden sich in Parkhäusern des Konzerns. Für Gelegenheitsnutzer ist es ratsam, sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. Zwar kann nach Auskunft des Unternehmens an den meisten Standorten kostenlos geparkt werden. Es gibt aber Ausnahmen, beispielsweise werden in den Garagen beim Mercedes-Museum Parkgebühren fällig. Wie ein Test am Office Campus in Vaihingen zeigt, ist auch nicht jedes Parkhaus jederzeit zugänglich. Die Mitarbeiter, die man per Klingel an der Schranke erreicht, weisen einem jedoch den Weg zu den frei zugänglichen Ladeplätzen.
Ausschreibung der Stadt trägt Früchte
Der weitere Zuwachs geht auf eine Ausschreibung der Stadt zurück, bei der die Stadtwerke Stuttgart und der Münchner Anbieter Eze zum Zug gekommen sind. Die Stadtwerke haben seit Ende 2022 rund 200 neue Ladepunkte im öffentlichen Raum aufgebaut, insgesamt sind es jetzt 472 Stück im Stadtgebiet. Bei Eze waren es 84 (insgesamt 220).
In Wirklichkeit dürften die Zahlen sogar besser sein, als es das Register der Bundesnetzagentur ausweist. Denn die Stadtwerke Stuttgart haben auch Ladesäulen an halböffentlichen Plätzen – etwa in Parkhäusern, bei Vereinen oder Gasthäusern – aufgestellt, diese aber nicht an die Bundesnetzagentur gemeldet. Insgesamt habe das Unternehmen von April 2023 bis Juli 2024 in Stuttgart 1140 neue Ladepunkte realisiert, so die Stadtwerke.
Fast ausschließlich handelt es sich bei den Neuzugängen um so genannte Normalladesäulen mit einer Nennleistung von bis zu 22 kW, wobei dieser Wert in der Praxis oft nicht erreicht wird. Damit sind sie einerseits auch für Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge tauglich; andererseits liegt ihr Nutzen im Alltag darin, dass das Auto akkuschonend geladen werden kann, sofern man es ohnehin für eine oder mehrere Stunden abstellen will. Experten sehen in Großstädten aber auch weiteren Bedarf für Schnellladesäulen, speziell an Tankstellen oder bei Einkaufszentren. Die Stadtwerke betreiben derzeit lediglich zehn Schnellladepunkte auf dem Gelände des Autohofs der Straßenverkehrsgenossenschaft Süd in Wangen. Fünf weitere in Zuffenhausen, Weilimdorf, Stuttgart-Nord, Vaihingen-Österfeld und Plieningen-Steckfeld sollen bald hinzukommen.
Beim schnellen Laden gibt die EnBW den Ton an
Für das schnelle Laden gibt es in Stuttgart bisher 121 Ladepunkte, seit Ende 2022 sind lediglich 36 hinzugekommen. Die Grafik zeigt die Entwicklung im Lauf der Jahre: Der Sprung im Jahr 2023 fiel in Stuttgart zwar auffallend groß aus, doch Schnellladesäulen sind zahlenmäßig immer noch selten – auch wenn sie mit ihrer hohen Leistung leicht zahlreiche Langsamladesäulen aufwiegen können:
Der Energieversorger EnBW ist hier der Platzhirsch mit Ladeparks bei der Universität in der Keplerstraße, im Hof des Finanzamts am Rotebühlplatz und beim EnBW-Hochhaus im Fasanenhof sowie einigen Installationen an Tankstellen. Dabei wird es die EnBW im Wesentlichen belassen. Wie ein Unternehmenssprecher mitteilt, konzentriert sich das Unternehmen auf den Ausbau seines Schnellladenetzes an den Fernverkehrsstraßen, hier ist die EnBW Marktführer. In Stuttgart würden derzeit lediglich noch „einige wenige Standorte“ geprüft, wobei es sich um Parkplätze bei Handelsketten drehen dürfte. Entscheidungen aber seien noch nicht gefallen.
Ladesäulenranking
Daten
Das Ladesäulenranking unserer Redaktion basiert auf dem Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, die aktuellsten Zahlen reichen bis zum 21. März 2024. Bei der Behörde müssen alle öffentlich zugänglichen Ladesäulen gemeldet werden. Unsere Auswertung basiert allerdings nur auf den Ladesäulen, bei denen die Betreiber zugestimmt haben, den Standort zu veröffentlichen. Zum Stand 1. Januar 2024 waren in Stuttgart beispielsweise bereits mehr als 2700 Ladepunkte registriert, in unsere Auswertung sind aber nur die veröffentlichten Ladesäulen eingegangen, weil die unveröffentlichten Säulen nicht für kleinere Gemeinden vorliegen.
Methodik
Da die Angaben zu den Ladesäulen teils fehlerhaft sind, haben wir die Standorte der Säulen anhand ihrer Geokoordinaten einer Gemeinde zugerechnet. In einzelnen Zweifelsfällen ließen sich fehlerhafte Angaben nicht überprüfen, sodass einzelne Ladesäulen aus der Auswertung entfernt wurden; ebenso kann es nahe an Gemeindegrenzen zu leichten Unschärfen kommen. Die hier genannten Zahlen sind also als Untergrenze zu verstehen, von Ort zu Ort können auch mehr Ladesäulen vorhanden sein.