Auch Leonbergs OB Degode ist Fan Witzbilder aus dem Dorf: Warum der „Höfinger Memes“-Macher anonym bleiben will

Beispiele von der „Höfinger Memes“-Seite: Mitfahrbänkle, Bahnhofsberg, Höfinger Herkunft. Foto: Screenshots

Diese Instagram-Seite widmet sich ganz dem Heimatdorf ihres Betreibers: Auf „Höfinger Memes“ wird das Leben im Leonberger Teilort humorvoll betrachtet.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Was haben die Star-Schauspieler Sean Bean, Rapper Drake, ein eigentlich völlig unbekannter Senior und der US-Politiker Bernie Sanders gemeinsam? Alle vier dienen seit vielen Jahren als Grundmotive für sogenannte „Internet-Memes“ – das sind kleine Witzbildchen mit lustigem, oft satirischem Text, die sich dann im Netz verbreiten. Ein Beispiel aus dem genannten Quartett: Sean Beans legendäre Pose als Boromir im Film-Epos „Der Herr der Ringe“, als er erklärt, dass man „nicht einfach nach Mordor hineinspaziert“. Sie wurde schon tausendfach humoristisch zweckentfremdet.

 

Und was in der weiten Welt funktioniert, funktioniert in kleinerem Rahmen auch in Leonberg und Umgebung. Genauer gesagt auf der Instagram-Seite „hoefingermemes.official“. Der erste Impuls stimmt: Es handelt sich um Memes, die sich mit den kleinen und größeren Angelegenheiten rund um den Leonberger Teilort Höfingen befassen.

Der „Höfinger Memes“-Macher möchte anonym bleiben – noch

Der Mensch hinter der ganzen Geschichte möchte jedoch anonym bleiben, auch wenn er gegenüber unserer Zeitung ziemlich auskunftsfreudig ist. Nur der Name, der möge bitte nicht genannt werden. Da sich die Person in einer Antwort als „Schüler kurz vor dem Abitur“ bezeichnet, wird im Folgenden das Maskulinum verwendet.

https://www.instagram.com/hoefingermemes.official/reel/DMiRdE9sQtr/

Wie kommt man also auf die Idee, einem kleinen Dorf mal mehr, mal weniger professionell aussehende Memes zu widmen? „Alles fing, glaube ich, im Oktober 2024 an. Ein Freund erzählte mir von den Memes anderer Städte wie von Ditzingen oder Rutesheim“, erklärt der Macher. „Ich fand das ziemlich toll und dachte mir dann: Warum gibt es so was nicht für Höfingen? Es wäre doch sicher ganz nett, solche Memes für das Dorf zu erstellen, in dem ich aufgewachsen bin.“

Er sei viel in Höfingen unterwegs. „Und dabei fällt mir auch vieles auf. Mich nervt zum Beispiel der große Berg am Bahnhof, den man immer hochlaufen muss. Also mache ich ein Meme daraus.“ Dann merke er, dass er nicht der Einzige sei, den so etwas nervt. „Die Memes spiegeln also das wider, was ich denke, wenn ich gewisse Sachen bemerke.“ Auch dem Weihnachtsmarkt, der Dauerbaustelle in der Ortsmitte und dem Mattenkampf im Bädle hat er sich schon gewidmet – um nur einige von vielen Themen zu nennen.

Inspiration für die „Höfinger Memes“ gibt es von Bekannten – und anderen Accounts

Inspiration hole er sich häufig von den anderen Stadt-Memes-Accounts – etwa aus Stuttgart. „Dazu schaue ich, dass ich die Memes mit aktuellen Trends der Jugend von Social Media verbinde – welche auch die hauptsächliche Zielgruppe meiner Memes ist. Der Rest ist Eigenwerk.“

„Höfingen ist leider kein Stuttgart oder Berlin“ – bietet aber dennoch genügend Stoff für Memes. Foto: Simon Granville

Klingt eigentlich simpel – aber ganz allein ist der Unbekannte nicht. „Offiziell leite nur ich den Account, inoffiziell habe ich auch ein paar Helfer, die für mich Fotos machen oder mir Ideen geben.“ Höfingen sei eben leider kein Stuttgart oder Berlin.

Ein Beitrag, der einen Fast-Unfall zwischen einem Radfahrer und einem Lieferwagen in der Höfinger Ortsmitte zeigt, und den der Memes-Macher mit einem Bild von „Iron Man“ Tony Stark veredelt hat, bringt es inzwischen auf rund 100 000 Aufrufe. Es ist der mit Abstand erfolgreichste Beitrag auf der Instagram-Seite. Recht aktuell ist ein zusammengestückeltes Filmchen über das neue Mitfahrbänkle – inklusive kleinem Diss in Richtung Gebersheim. Die Einwohner der beiden benachbarten Dörfer verbindet seit jeher eine wundervolle Hassliebe.

Sogar eine Einladung ins Rathaus gab es für den „Höfinger Memes“-Macher bereits

Ob man irgendwann in Zukunft erfahren wird, wer hinter all dem steckt? „Ich bin viel in Höfingen unterwegs, deswegen kennen mich vielleicht die einen oder anderen – und manche haben mich schon fast enttarnt.“ Würde also bekannt werden, dass er den Account leite, „stünde ich eigentlich für immer als Höfinger Memes da, und nicht als der Höfinger, der ich sein will“. Der Account sei ein Hobby, bei dem er sich gedanklich austoben könne. „Ich habe auch schon Einladungen ins Rathaus bekommen, die ich vorerst ablehnen musste.“ Das sei zwar ziemlich verlockend gewesen. Aber es gehe leider einfach noch nicht.

Zwar liegt der Fokus auf Höfingen, der Blick geht aber auch übers Tal nach Leonberg. „Als Höfinger schaue ich sehr oft nach Leonberg. Vor allem jetzt, nachdem Tobias Degode Bürgermeister geworden ist – er ist auch ein Fan der Memes – verfolge ich regelmäßig Aktionen oder Events dort.“ Er sei ziemlich gespannt, wie sich Leonberg entwickle und was die Jugendlichen erwarte. Stellt sich nur noch die Frage: „Warum gibt es eigentlich noch keine Leonberger Memes?“

Andere lokale Meme-Seiten

Ditzingen
Wer nach Memes mit Ditzinger Bezug sucht, schaut auf Instagram bei „ditzinger_memes“ vorbei.

Rutesheim
rutesheimermemes“ lautet der Suchbegriff für die Instagram-Seite mit mal mehr, mal weniger lustigen Beiträgen zum Rutesheimer Stadtgeschehen.

Begriff
Der Begriff „Meme“ wurde 1976 vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins geprägt, der damit Einheiten von kulturellen Informationen beschrieb, die sich wie Gene durch Nachahmung verbreiten.

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