Stürzt sich auch nach seinem 70. Geburtstag im Mai noch in Abenteuer: Harald Kümmel testet seine eigenen Grenzen aus und tut es für den guten Zweck. Foto: privat
Harald Kümmel aus Renningen wird im Mai 70. Das hindert ihn aber nicht daran, sein nächstes Abenteuer zu planen: Er will alle Kanaren-Insel zu Fuß auf dem höchsten Punkt überqueren.
Ob zu Wasser oder zu Lande und immer an der frischen Luft – Harald Kümmel ist ein Abenteurer. Jetzt plant der Renninger sein nächstes großes Projekt. Dieses Mal ist er wieder zu Fuß unterwegs und will mit seiner Aktion erneut Spendengelder für den guten Zweck einsammeln.
Harald Kümmel aus Renningen wird mit 70 das nächste Abenteuer erleben
Im Mai wird er 70. Richtig gelesen. Eine Sieben mit einer Null dahinter. Andere gönnen sich in diesem Alter einen Wellness-Urlaub, Harald Kümmel testet lieber seine Grenzen aus. „Ich habe mich gefragt, was ich mit dieser Zahl anfange“, spielt er auf seinen bald anstehenden runden Geburtstag an.
Sollte er dieses Mal gar auf einen 7000er klettern? „Da waren mir das Risiko, der Aufwand und die finanziellen Hürden zu groß“, verwarf er diesen Einfall schnell wieder. Die zweite Idee: 35 Seen und 35 Gipfel in den Alpen bezwingen. „Das schien logistisch schwierig“, zeigte auch hier der Daumen nach unten. „Dann bin ich drauf gekommen, dass es ja sieben Kanarische Inseln gibt.“
Hoch hinaus: Harald Kümmel will auf jeder Kanaren-Insel über den höchsten Punkt wandern. Foto: privat
Zack! Nach genau so etwas hatte Harald Kümmel gefahndet. Schnell wusste er auch, was er mit seiner geografischen Erkenntnis anfangen sollte: Er würde auf allen Kanaren-Eilanden von Meerseite zu Meerseite über den jeweils höchsten Punkt wandern. Insgesamt – wie passend – um die 700 Kilometer mit rund 12 000 Höhenmetern.
Harald Kümmel: 700 Kilometer über die Kanarischen Inseln
Hin- und Rückflug hat der Personal Trainer für ältere Menschen, der bei der SV Böblingen auch im Kindersport arbeitet, schon längst gebucht. Am 11. August geht es über den Wolken nach Lanzarote. Dort ist es relativ flach, die Distanz, die er zu absolvieren hat, beträgt nur 45 Kilometer.
Harald Kümmels Plan: Von Lanzarote nach Fuerteventura und weiter nach La Palma
Aus touristischem Hauptferiengebietin die Abgeschiedenheit der Berge
Weiter geht es mit dem Schiff nach Fuerteventura, wo es auf maximal 800 Meter über dem Meeresspiegel nach oben geht, und dann per Fähre nach Gran Canaria. „Durch das Hauptferiengebiet Maspalomas werde ich schnell durch sein und komme dahinter schon bald in die Einsamkeit der Berge“, erklärt Harald Kümmel. „Das werden bestimmt krasse Gegensätze sein.“
Die Tickets für den Weiterflug nach La Palma hat er bereits in der Tasche. Zeitlich muss also alles relativ genau wie geplant hinhauen. „Am Südende geht es los und von dort aus über Lavamassen eines Vulkanausbruchs und einen Grat, der die Ost- und Westseite der Insel teilt, rauf auf 2000 Meter“, funkeln bei dem heute noch 69-Jährigen bereits die Augen, wenn er daran denkt. Mit dem Bus fährt er anschließend zurück in die Hauptstadt Santa Cruz und von da wiederum auf dem Wasserweg nach La Gomera.
Wie er auf die kleinste Kanareninsel El Hierro kommt, möchte Harald Kümmel vor Ort erkunden. „Vielleicht finde ich jemanden mit Connections zu einem Fischerboot“, spekuliert er.
Als Schlussetappe hat Harald Kümmel Teneriffa gewählt
Die Schlussetappen warten auf Teneriffa auf den Referenten an der Landessportschule in Ruit – und das größte Hindernis ebenso: der Teide, mit 3800 Metern höchster Gipfel Spaniens. „Für den brauche ich eine Genehmigung, da kann ich nicht einfach rauf latschen.“ Klappt es dabei mit dem richtigen Zeitfenster, um anschließend den für 25. September terminierten Heimflug zu erwischen? Harald Kümmel hofft es jedenfalls. Vielleicht ist er auch so rechtzeitig wieder unten, dass er noch zwei, drei Tage ganz normalen Erholungsurlaub anhängen kann.
Auf den Kanaren schläft Harald Kümmel unter freiem Himmel
Während seiner Tour schläft der Renninger jedoch unter freiem Himmel. Sein Zelt trägt er stets mit sich, Gegenstände des täglichen Bedarfs hat er auch dabei. „Ich muss aber schauen, dass ich nicht 30 Kilo auf dem Rücken mit mir rumschleppe“, betont er. „Im August wird es schließlich ziemlich heiß sein.“
Ihm kommt zugute, dass er ständig durch Dörfer mit Supermärkten kommt, in denen er sich stets aufs Neue versorgen kann. „Ich nehme nur spezielle Nahrung wie Energy-Gels mit, das sponsert mir die SV Böblingen“, berichtet er. Seine Wasserbehälter wiederum will er regelmäßig auffüllen, um nicht einen 5-Kilo-Kanister als Ballast im Gepäck zu haben.
Das eigene Limit ausloten – das treibt Harald Kümmel an
Auf die Frage nach seiner Motivation zitiert Harald Kümmel sinngemäß Ex-US-Präsident Theodor Roosevelt: „Der Mensch hat zwei Möglichkeiten – entweder einrosten oder sich abnutzen. Ich habe beschlossen, mich im positiven Sinne abzunutzen.“ Oder in eigenen Worten ausgedrückt: „Ich bin keiner, der in der Rente zu Hause verkümmert. Solange ich kann, werde ich etwas machen.“
Die Anstrengung und das Ausloten der eigenen Limits, ohne dabei zwanghaft zu agieren, sind Dinge, die dem sportlichen 69-Jährigen Freude bereiten. „Ich will ein Vorbild für Personen sein, die meinen, sie wären zu alt.“ Schließlich sei er kein Übermensch mit besseren Genen, „sondern bei mir ist vieles durch meinen Willen bestimmt, und ich weiß auch, wann Schluss ist“.
Harald Kümmel trainiert mehrmals in der Woche
Seine Grundfitness kommt Harald Kümmel dabei zugute. Drei- bis viermal die Woche trainiert er sowieso auf dem Laufband oder Treppensteiger. Auf sein bald anstehendes Abenteuer bereitet er sich derweil ganz simpel vor: indem er läuft, läuft und nochmal läuft. Beispielsweise von Pforzheim nach Hause nach Renningen. Oder bergauf auf spontanen Pfaden über die Schwäbische Alb.
Denn ob zu Wasser oder zu Lande und immer an der frischen Luft – Harald Kümmel ist eben ein Abenteurer.
Spenden erwünscht
Unterstützer: Bis jetzt hat Harald Kümmel all seine Unternehmungen selbst finanziert. „In der Zeit, in der ich die Kanareninseln überquere, habe ich aber null Verdienst“, sagt er. „Es wäre also schön, wenn ich da ein paar Sponsoren akquirieren könnte, um meine Kosten abzudecken.“ Unterstützer können sich per E-Mail an kletternundzen@hotmail.de wenden
Spenden: Wie immer möchte Harald Kümmel mit seiner Aktion Spenden für den guten Zweck sammeln. Diese gehen dieses Mal an den Ambulanten Kinderhospizdienst im Kreis Böblingen („da habe ich eine Zeit lang gearbeitet und weiß, dass das Geld gut angelegt ist“) und eine Meeresschutzorganisation auf La Gomera.
Vortrag: Am 24. März (19.30 Uhr) hält Harald Kümmel im Rahmen der Gesundheits- und Sportwochen einen Vortrag im Böblinger Paladion. Unter dem Titel „Mensch, sind wir den alle noch zu retten?“ stellt er auch sein neuestes Projekt vor.