Auch Paco Vaz kann Kickers-Talfahrt nicht stoppen Neuer Trainer, alte Probleme

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Seine Premiere hatt sich der Kickers-Interimstrainer Paco Vaz sicher anders vorgestellt. Gegen das Schlusslicht Völklingen gab es eine 1:4-Pleite – und ein Torwartproblem.

Torwart Cedric Veser – der 19-Jährige ist derzeit kein Rückhalt. Foto: Baumann
Torwart Cedric Veser – der 19-Jährige ist derzeit kein Rückhalt. Foto: Baumann

Stuttgart - Plötzlich war er wieder da – ­Tomasz Kaczmarek. Der inzwischen beurlaubte Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers tauchte am Samstag unvermittelt auf, zumindest auf dem Cover des Stadionmagazins. Das war in einer Doppelausgabe schon zum Spiel gegen Hessen Kassel (3:3) gedruckt worden und konnte so nicht mehr auf den neuesten Stand gebracht werden. Wobei es im Grunde keinen neuen Stand gibt, die alten Sorgen sind geblieben. Mehr denn je sogar. 1:4 (0:1) gegen den Tabellenletzten Röchling Völklingen, das sagt ­alles – fast zumindest.

Zum Spiel Das nackte Ergebnis spiegelt den Verlauf nicht ganz korrekt wider, das musste selbst der Gäste-Trainer Günter Erhardt zugeben. „Es ist am Ende etwas zu hoch ausgefallen.“ Was nichts an der Tatsache ändert, dass ein Abstieg in dieser Verfassung näher rückt. Die Kickers, die nach Edwin Schwarz’ Ausfall mit Sandro Abruscia auf der Sechs aufliefen, vergaben schon in der ersten Hälfte sechs hundertprozentige Möglichkeiten (inklusive eines Elfmeters, bei dem Abruscia am Torwart Jeff Kornetzky scheiterte), das rächte sich. „Wir waren vor dem Tor nicht zwingend genug“, musste der Interimstrainer Paco Vaz eingestehen, „und das 1:0 stellte den Spielverlauf auf den Kopf.“ Es fiel quasi mit der ersten Chance nach 22 Minuten – ein Schock, von dem sich die Kickers nicht mehr erholten, auch wenn Lahdji Badiane in der 61. Minute der Ausgleich zum 1:1 gelang.

Kommt eine neuer Torwart?

Zum Torwartproblem Zu den Defensivschwächen trug selbst Kapitän Josip ­Landeka bei, aber auch der Torwart Cedric Veser. Dessen Formkurve zeigt nach unten: Er patzte gegen Kassel, in Elversberg – und gegen Völklingen, weil er seine Mauer bei einem Freistoß falsch postierte, was prompt zum 2:1 führte. Keine Frage: Veser avanciert zum Risikofaktor, ohne ihn nun zum alleinigen Sündenbock stempeln zu wollen. Da ­Ersatzmann Manuel Schneck wegen einer Verletzung ausfiel, kam es noch nicht zu einer möglichen Rochade zwischen den Pfosten. Doch könnte sich das schnell ändern, auch wenn Vaz sagte: „Ich muss mir die Szene zum 2:1 erst noch mal auf Video anschauen.“ Nicht ganz ausgeschlossen scheint sogar, dass der Verein auf dieser wichtigen Position nachbessert (Daniel Lück, zuletzt Sturm Graz, hält sich bei den Kickers fit), weil Stammkeeper Christian Ortag mit seinem Schlüsselbeinbruch bis zur Winterpause auszufallen droht. Zum Trainer Paco Vaz hatte sich bei seiner Premiere als Coach des Regionalliga-Teams viel vorgenommen, das war schon im Vorfeld deutlich geworden. „Wir wollten als Mannschaft auftreten und Zusammenhalt demonstrieren.“ Das gelang zunächst nicht nur wegen des gebildeten Kreises vor dem Anpfiff samt Ersatzspieler, aber nach den Gegentoren war die Unsicherheit bis zum letzten der 2340 Zuschauer im Gazi-Stadion zu spüren. Wie es auf der Trainerposition weitergeht, bleibt abzuwarten. Im Grunde gibt es nur zwei Möglichkeiten: schnell handeln oder sich vielleicht bis zur Winterpause durchkämpfen, um sich dann personell neu zu sortieren (falls es da nicht schon zu spät ist). „Vielleicht fehlt auch ein bisschen der Glaube an sich selbst“, sagte Vaz. Ein Kopfproblem also? Dabei hat der Verein diese Saison schon mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet, ohne das an die große Glocke zu hängen – und ohne durchschlagenden Erfolg.

Nicht nur ein Trainerproblem

Zur Perspektive Nach der Niederlage in diesem Schlüsselspiel herrscht Abstiegskampf pur. „Es ist nicht nur ein Trainerproblem“, sagt der Präsident Rainer Lorz, der offenließ, wer nächsten Sonntag (14 Uhr) im Spiel beim SC Freiburg II auf der Bank sitzen wird, aber auch ahnt: „Wir können den nächsten und nächsten Trainer auf die Bank setzen“ – ohne Garantie auf Besserung. ­Vielleicht sollte man einfach Gästecoach ­Erhardt vertrauen, der nach zwölf Spielen ohne Sieg sagte: „Man sieht es an uns: Es geht immer weiter.“ Fragt sich nur: wie?