Auf dem Jakobsweg nach Hirschlanden Durch Deutschland auf dem Weg zu sich selbst

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Marianne Birkmann ist aus Mecklenburg-Vorpommern, ihrer alten Heimat, auf dem Jakobsweg nach Hirschlanden gewandert. Unerwartete Erlebnisse gehörten dazu.

Marianne Birkmann aus Hirschlanden hat mehr als 1100 Kilometer auf dem Jakobsweg   in Deutschland zurückgelegt. Foto: factum/Bach
Marianne Birkmann aus Hirschlanden hat mehr als 1100 Kilometer auf dem Jakobsweg in Deutschland zurückgelegt. Foto: factum/Bach

Ditzingen - Dieses eine Gefühl, das ist geblieben: „Ich sitze drin, und draußen wartet die Freiheit.“ Marianne Birkmann drängt es immer wieder raus, um zu laufen. Zu wandern, auf dem Weg zu sein. Sie hat in den vergangenen Jahren Gefallen daran gefunden, unterwegs zu sein. In Etappen hat sie zu Fuß 1160 Kilometer quer durch Deutschland zurückgelegt. Eine Folge davon: Sie hat ihr Auto verkauft.

Marianne Birkmann ist auf dem Jakobsweg in Deutschland gewandert. Den Anfang machte sie in ihrer alten Heimat, in einem kleinen Ort in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht weit von Ratzeburg entfernt. Die 57-Jährige ist in der DDR groß geworden. Dass man damals abends in der Ferne die Lichter von Lübeck sehen konnte, sei etwas Besonderes gewesen. Wehmut sei es nicht gewesen, eher ein Gefühl, so wie man sich vorstelle, auf den Mond fliegen zu können, erzählt sie.

Eines Morgens im April 2013 beendete sie in ihrem Elternhaus ihr Frühstück und machte sich auf den Weg. Fernziel: Hirschlanden, ihr Wohnort. Am selben Tag erreichte sie Ratzeburg. Sie hatte 32 Kilometer zurückgelegt und Blasen an den Füßen. Zweifel kamen auf. Würde sie das wirklich durchstehen, wollte sie das überhaupt? Es wäre einfach gewesen, in den Zug zu steigen und wieder zurückzufahren.

Nach dem Frühstück geht es los

Doch Birkmann blieb hart zu sich selbst, vier Jahre lang. Letztlich führte ihr Weg über Lüneburg, Hannover, Hildesheim, Göttingen, Eisenach, Fulda und zuletzt Schwäbisch Hall, Backnang und Ludwigsburg zurück nach Hause. Sie wanderte stets ein bis zwei Wochen – um irgendwann später am Endpunkt wieder dort einzusetzen für die nächste Etappe.

„Es heißt ja, es wird von Tag zu Tag besser“, erzählt Birkmann. Doch sie wurde erst einmal krank. Zudem musste die Mutter dreier erwachsener Kinder lernen, allein zu sein. Als Wegweiser dienten ihr Karten, aber auch die Jakobsmuschel, das Erkennungszeichen auf dem Jakobsweg. Im Voraus hat sie keine Übernachtung gebucht. Sie wusste ja nicht, wie weit sie an einem Tag kommen würde. Pech hatte sie damit in Hannover. Die Vorbereitungen zu einer Einheitsfeier liefen dort – unter 100 Euro war ein Hotelzimmer nicht zu bekommen. Sie musste außerhalb übernachten. Für den Weg dorthin nahm sie nach der Tagestour dann aber doch den Bus.

Je südlicher, desto bekannter wird das Pilgern

Jede Region habe ihren Reiz, erzählt die Sekretärin, die in der Justizvollzugsschule in Stammheim arbeitet. Aufgefallen ist ihr allerdings der Umgang mit ihr, der Wanderin auf dem Jakobsweg. Im Norden wurde sie weithin befremdlich beäugt – alleine, mit Rucksack, das kannten viele nicht. „Die Wanderin“, wie man sie auch nannte, war Gegenstand mancher Tuschelei. Je südlicher sie kam, desto freundlicher sei man ihr begegnet. Vielleicht, weil das Pilgern – nach Spanien etwa – hierzulande eher bekannt sei, überlegt sie.

Auf ihrem Weg begann Birkmann zu schreiben, zwei Bücher sind daraus entstanden. Wie es war, nach Hirschlanden heimzukehren, wird sie auch ohne Erinnerungsbuch nicht vergessen: Die Familie hat sie mit Sekt empfangen.




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