Auf der A 81 bei Böblingen-Hulb So lief der Brückenabriss

Blick auf den Abriss von oben Foto: Eibner-Pressefoto

Von Freitagabend bis Sonntagfrüh war die A 81 zwischen Böblingen und Sindelfingen in beiden Richtungen voll gesperrt. Grund war der Abriss eines Brückenteils bei der Anschlussstelle Hulb. Nun ist die Strecke wieder offen.

Böblingen - Gähnende Leere auf der Autobahn A 81 an der Anschlussstelle Böblingen-Hulb. Dort, wo sonst ein Auto das nächste jagt, spielen sich seit spätem Freitagabend ganz andere Szenen ab. Etwa ein Dutzend Menschen mit gelben Warnwesten und Bauhelmen steht am Samstagnachmittag mitten auf der Autobahn zusammen und beobachtet das Geschehen ringsum. Nur wenige Meter entfernt machen sich drei Abbruchbagger auf einem Haufen Schutt an den Resten der halb eingerissenen Brücke zwischen Böblingen und Dagersheim zu schaffen.

 

Gnadenlos durchlöchert ein Spezialbagger mit einem Hydraulikmeißel einen 4,50 Meter hohen und eine Tonne schweren Brückenpfeiler – bis dieser aufgibt und zur Seite wegkippt. Seine beiden Baggerkollegen verarbeiten unterdessen die Reste, die einst Teil der nur noch halb existierenden Brücke über ihnen waren. Johannes Kuhn, Projektleiter bei der DEGES, einer für den Autobahnbau zuständigen bundeseigenen Gesellschaft, blickt zufrieden auf die Fortschritte: „Wir haben gestern um 22 Uhr dieses Teilstück gesperrt. Ab 23 Uhr fuhren die Bagger vor und begannen mit dem Abbruch. Wir sind dem Zeitplan voraus.“ Kuhns Annahme, dass die Autobahn pünktlich am Sonntagmorgen wieder freigegeben werden kann, soll sich bewahrheiten.

Ein solcher Eingriff in den Verkehr erfordert komplexe Organisation

Rund acht Wochen lang hatten sich die DEGES zusammen mit Polizei, den Verkehrsbehörden des Landkreises und der beiden Städte sowie der Baufirma auf die Abbrucharbeiten vorbereitet. „Eine solche Baumaßnahme erfordert eine große Abstimmungsleistung. Alleine die Kommunikation nimmt viel Zeit in Anspruch und muss sorgfältig geführt werden“, erklärt Pia Verheyen, Pressesprecherin der DEGES.

Wer dem Abriss zuschaut, merkt schnell, dass hier ein Rädchen ins andere greift und nichts dem Zufall überlassen bleibt. Bereits während des Abbruchs werden die Materialien fein säuberlich getrennt, kaum vorstellbar bei stählernen Grobmotorikern wie den Riesenbaggern. Trotz der augenscheinlich rohen Gewalt und des ohrenbetäubenden Lärms gehen die Abbrucharbeiter aber viel behutsamer vor, als sich dies die Schaulustigen auf dem benachbarten Parkplatz des Real-Markts vorstellen mögen.

Klare Aufgabenteilung auf der Autobahnbaustelle

Zur Arbeitsaufteilung erklärt Projektleiter Kuhn: „Etwa zehn Leute arbeiten hier gleichzeitig, auch nachts. Jeder Baggerfahrer hat seine Aufgabe. Zwei der Bagger kümmern sich um die Materialtrennung. Der Beton wird separat gesammelt und von Lkw abgefahren. Die Stahlteile kommen in die Container.“ In diesem Moment hält einer der Bagger genau ein solches Bündel Stahlträger in seinem Greifarm und ordnet sie fast schon filigran in den zugehörigen Container ein.

Was für den Laien nach einer Herkulesaufgabe aussieht, ist für Max Fus, den Bauleiter der beauftragten Abbruchfirma, eher „Standard“. Er und seine Kollegen sind regelmäßig mit solchen Arbeiten befasst. Die Routine ist schon deshalb von Vorteil, weil theoretisch immer Gefahren lauern können. „Wir haben alle zehn bis fünfzehn Jahre Erfahrung. Die Jungs wissen, wie sie ihren Bagger zu führen haben“, so Fus. Die Mitarbeiter müssten in jeder Situation einschätzen können, welches Element sie wegnehmen können, sodass nichts unkontrolliert zu Boden oder gar auf ihren Bagger fällt. Während die Bagger die letzten Reste der seit 1973 bestehenden Brücke in Kleinstteile zerlegen, bilden sich andernorts Staus.

Besonders verkehrsbelastet war der Samstag. „An beiden Ausleitungen kam es zu Rückstau, sowohl in Richtung Stuttgart als auch in Richtung Singen. Gegen Abend hätten sich die Staus allerdings aufgelöst. Die maximale Staulänge betrug knapp fünf Kilometer. Stauschwerpunkt war hier Sindelfingen-Ost“, so ein Beamter im Polizeipräsidium Ludwigsburg. Auch Pia Verheyen zieht ein positives Fazit zur Abrissaktion: „Wir sind sehr gut durchgekommen, es gab keine besonderen Vorkommnisse und keinerlei Verzögerungen.“

Verkehrsbehinderungen waren nicht zu vermeiden

Am Sonntagmorgen war der komplette Spuk vorbei: „Seit 10 Uhr rollt der Verkehr wieder“, stellt die Polizei fest.

Geduld brauchten die Autofahrer nicht nur am Samstag, auch in den kommenden Monaten werden immer wieder mal Teilstücke für die Autobahnerweiterung gesperrt werden müssen. Pia Verheyen betont aber: „Gerüchte, dass die Autobahn für längere Zeit gesperrt werde, stimmen nicht. Es wird keine wochen- oder monatelange Sperrungen der A 81 geben, sondern nur punktuell wie an diesem Wochenende.“ Das Ende der Bauarbeiten soll 2026 erreicht sein. Dann steht nicht nur eine nagelneue Brücke, die Autobahn verfügt dann auch über sechs statt aktuell vier Spuren – und über einen Deckel, der Sindelfingen mit Böblingen verbindet.

Der Fortgang der Arbeiten

Brückenträger
 Der gerade abgerissene Brückenteil erhält Anfang 2022 neue Träger.

Brückenabriss Teil 2
 Der nördliche Teil bleibt als Verbindung zwischen Böblingen und Dagersheim vorerst bestehen. Im Herbst 2022 wird er abgerissen.

Unterführung
 Im zweiten Quartal 2022 Baubeginn der Unterführung Leibnizstraße

Überdeckelung
 Der Bau für die Überdeckelung zwischen BB und Sifi startet 2022 in Quartal drei.     

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