Auf der Automesse PV-Strom statt vielen PS – E-Mobilität beherrscht in Marbach die Autoszene

Die Besucherzahl ist überschaubar. Die die gekommen sind, haben aber oft ein ganz spezielles Interessenfeld. Foto: Werner Kuhnle

Die Freizeit- und Automesse in Marbach (Kreis Ludwigsburg) hat am Wochenende Zwei- und Vierräder ins Rampenlicht gerückt. Die Stars: Stromer und Hybrid-Fahrzeuge.

Wohl keiner kann genau sagen, was die nahe Zukunft bringt. Tatsache aber ist, dass die Weltlage nicht nur vielfach für Verdruss, sondern auch für Unsicherheit bei den Menschen sorgt. Das betrifft nicht zuletzt wegen der deutlich gestiegenen Spritpreise auch die Mobilitätsfrage. Deutlich wurde das am Wochenende auf der Freizeit- und Automobilmesse in Marbach, wie eine Umfrage bei Teilnehmenden zeigt.

 

„Ich habe heute extrem viele Gespräche mit PV-Anlagenbesitzern gehalten, die ihren Strom künftig auch fürs Auto nutzen wollen. So extrem war das noch nie“, sagt etwa Claudia Kranich vom gleichnamigen Mitsubishi- und KGM-Autohaus in Remseck. Sie bekam in den Beratungsgesprächen an ihrem Stand mit, wie stark die Besucherinnen und Besucher das Thema Spritverbrauch beschäftigt. In den Jahren zuvor seien immer andere Dinge als die Elektromobilität wichtig gewesen, erinnert sie sich. „Die Autos sollten groß und laut sein und viele PS haben. Je auffälliger, desto besser. Modelle mit Wow-Effekt waren gefragt. Das ist heuer komplett anders.“

Claudia Kranich wunderte sich zwar darüber, dass an dem Samstag mit sonnigem Frühlingswetter kein ausgesprochener Trubel herrschte, dafür aber seien die Fragen der Gäste „viel gezielter als sonst“ gewesen. Auch fehle aktuell der typische Nörgelcharakter gegenüber den Reichweiten von E-Autos.

Kunden sind zögerlicher bei Kaufentscheidungen

Die Verkäufer Tobias Skoumal und Steffen Hotz, die für AHG Hoffmann Mercedes Benz-Modelle, auch Transporter, ausstellten, konnten bei sich am Stand derweil keine klare Priorisierung für die Elektromobilität feststellen, dafür aber „weitaus zögerlichere Kaufentscheidungen“ der potenziellen Kunden. „Viele sind unsicher, in was sie investieren sollen“, sagte Skoumal, der bis dato feststellte, dass seine Kunden zumindest auf dem privaten Sektor die größere Nachfrage nach Verbrennern gezeigt hätten.

Der Automobil-Verkäufer Gianluca Mannara vom Oberstenfelder Autohaus Geiger stellte „eine große Verunsicherung“ bei den Leuten fest. „Die Besucher gehen aktuell viel gezielter auf die Elektrofahrzeuge zu.“ Das Interesse, sich über Stromer oder Plug-in-Hybridmotoren zu informieren, sei stark gestiegen. Im Gegensatz dazu aber sei das Kaufinteresse stark zurückgegangen. „Selbst beim Gebrauchtwagenmarkt und sogar bei top Preis-Leistungs-Angeboten.“

Hybridmodelle stärker gefragt als reine Stromer

Und Charles Dumont vom Autohaus Reiche in Großbottwar konnte auf der Messe „ein massives Umdenken speziell bei Dieselfahrern feststellen“. Die Kunden ließen sich besonders gern in puncto E-Mobilität beraten und hätten sich offen und interessiert gezeigt. Auch Dumont stellte in seinen Gesprächen fest, dass die „Neigung, den selbst erzeugten Strom vom Dach fürs eigene Auto zu nutzen, stark gestiegen ist“. Dennoch seien Hybridmodelle immer noch stärker gefragt, als die reinen Stromer. Spürbar sei jedoch, dass die Fördermittel, die gerade fließen, den Kauf eines Elektrowagens einfach attraktiv machten.

Matthias Bruch ist einer Messebesucher. Er bezeichnet sich als unentschlossen und hat sich gedanklich mit dem Leasen eines Elektromobils auseinandergesetzt. Ihn schrecke aber, dass die Versicherung so teuer sei. Auf der anderen Seite schockiere es ihn, was „hierzulande im Winter von der PV-Anlage runterkommt“. Im Sommer sehe es gut aus, da gebe es viel Überschuss. „Aber rund sechs Monate lang sieht es mau aus!“

Ein Anbieter, der ebenfalls auf Strom bei der Mobilität setzt, ist Waldbike. Zwar sind bei dem Stand, der zum ersten Mal in Marbach vertreten war, keine Gespräche über Spritpreise zu hören; dennoch glaubt der aus Calw kommende Messe-Neuling, dessen E-Bikes regional und nachhaltig gefertigt werden, dass die Nachfrage nach motorisierten Rädern, bald nochmals ansteige. In Calw hat die Firma, die für jedes verkaufte Rad einen Baum pflanzt, im November 850 Bäume für den Stadtwald gepflanzt: Kastanien, Roteichen, Ulmen. Die Räder sind ebenfalls nach Bäumen benannt.

Weitere Themen