Auf der Buchmesse in Frankfurt Vom Bestseller zum Computerspiel

Von Nora Stöhr 

Autoren und Verlage freuen sich, wenn sich Bücher gut verkaufen. Doch im Buchstoff steckt finanziell mehr. In der Branche werden zunehmend professionell die Möglichkeiten zur Weiterverwertung der Stoffe für Filme und PC-Spiele genutzt. Der Auto Ken Follett macht es vor.

Der Autor Ken Follett hat auf der Frankfurter Buchmesse persönlich  die PC-Spiel-Adaption  seines Romans „Die Säulen der Erde“ vorgestellt. Foto: AFP
Der Autor Ken Follett hat auf der Frankfurter Buchmesse persönlich die PC-Spiel-Adaption seines Romans „Die Säulen der Erde“ vorgestellt. Foto: AFP

Frankfurt - Wenn Bücher sich gut verkaufen, dann freuen sich sowohl der Autor als auch der Verleger. Doch oftmals steckt in einem Buchstoff finanziell noch weitaus mehr. Zunehmend professionell werden in der Buchbranche inzwischen die Möglichkeiten zur Weiterverwertung der Buchinhalte für Filme oder Hörbücher genutzt. Das ist auch auf der gerade stattfindenden Buchmesse in Frankfurt zu beobachten: Hier gibt es ein eigenes Agentenzentrum, wo um Drehbuchrechte und Hörbuch-Adaptionen gefeilscht werden kann. Auf dem weltgrößten Handelsplatz der Branche wird in diesem Jahr auch bei Veranstaltungen und Diskussionsrunden ausgelotet, wie die Branchen Buch und Spiel voneinander profitieren können (siehe Infobox).

Bastei Lübbe, schon seit Längerem auf digitalen Pfaden unterwegs, ist solch eine Zusammenarbeit mit einen Unternehmen aus der PC-Spiele-Industrie bereits eingegangen. Seit dem Frühjahr 2014 kooperiert der Kölner Verlag mit Daedalic aus Hamburg, ist sogar mit 48 Prozent an dem Spieleentwickler beteiligt. Bastei Lübbe selbst bezeichnete die Beteiligung an Daedalic als Teil seiner Wachstumsstrategie zu einem international tätigen, multimedialen Verlagshaus, das seine Marken in allen Bereichen selbst vermarkten kann. Das Resultat der bisherigen Zusammenarbeit, wurde am Donnerstag auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert: Eine PC-Spiel-Adaption des Romans „Die Säulen der Erde“ des britischen Autors Ken Follett, der bei der Vorstellung des Videospiels persönlich zugegen war.

Computerspiele sind extrem teuer

Zwei Jahre lang, so erzählt der Daedalic-Geschäftsführer Carsten Fichtelmann, habe man an dem Videospiel gearbeitet. Etwa 25 Personen seien an der Produktion beteiligt gewesen, darunter auch Ken Follett selbst. Was die Entwicklung gekostet hat, ist nicht bekannt. Dass Computerspiele in ihrer Herstellung aber extrem teuer sind, zeigt der Umstand, dass Bastei Lübbe im Sommer einen Anteil am firmeneigenen Spielestudio Daedalic wieder verkauft hat.

Bastei Lübbe plant den Vertrieb des PC-Spiels nach eigenen Aussagen in bis zu zehn Sprachen. Die Umsatzerwartung liegt im ein- bis zweistelligen Millionen -Euro-Bereich. 2017 soll die Adaption auf den Markt kommen – zeitgleich mit Folletts Fortsetzungsroman. Der englische Autor und sein deutscher Verlag erhoffen sich offenbar, dass sich die parallele Veröffentlichung nicht nur positiv auf die Verkaufszahlen der beiden neuen Medien auswirken wird. Das PC-Spiel könnte auch die 26 Jahre alten Vorlage nochmals pushen. Follett hoffe, wie er bei der Präsentation des PC-Spiels ins Frankfurt berichtete, dass viele junge Menschen das Spiel spielen. „Und dann denken sie: Vielleicht ist das Buch ja auch gut“, so der 66-Jährige.

25 Millionen Mal verkauft

„Die Säulen der Erde“, 1990 erschienen, wurden weltweit 25 Millionen Mal verkauft und gehören damit zu den 100 erfolgreichsten Büchern der Welt. Der Bestseller wurde bereits mehrfach adaptiert. Der Roman, der im mittelalterlichen England spielt und die Geschichte des Baus einer Kathedrale erzählt, hat bereits sowohl als Basis für Filme, als auch für ein Brett- und ein Kartenspiel gedient.

Dass sich Bastei Lübbe nun die Weltrechte für das Computer-Spiel so einfach sichern konnte, liegt wohl auch an dem Umstand, dass Follett und der Verlag seit mehr als 35 Jahren zusammenarbeiten. Grundsätzlich nämlich überträgt ein Autor nur noch selten alle Rechte unbesehen an den Verlag. Was mit den Rechten passiert, handelt inzwischen oft der Agent des Schriftstellers mit den Interessenten aus.

Das Geschäft mit Übersetzerlizenzen

Film-, Fernseh- oder Hörbuchproduktionen – und seit geraumer Zeit auch PC-Spiel-Adaptionen – sind meist die öffentlichkeitswirksamsten Weiterverwertungen von Buchstoffen. Sie sind aber beileibe nicht die einzige Möglichkeit für die crossmediale Verwertung von Buchinhalten. Auf der Buchmesse werden auch andere Rechte verhandelt, damit etwa nach dem Hardcover später auch die Taschenbuchausgabe erscheinen kann. Und für manchen Fachverlag gewinnt das Geschäft mit Übersetzerlizenzen an Bedeutung. Vor zehn Jahren haben die deutschen Verleger einer Statistik vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zufolge die meisten Lizenzen für Übersetzungen ins Spanische verkauft, an zweiter Stelle stand Englisch. Inzwischen führt Chinesisch diese Statistik an.