Auf der Gänsheide in Stuttgart-Ost Einstige Diakonie in Halbhöhe wird abgerissen

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Die Arbeiten an dem weithin sichtbaren Gebäudekomplex direkt unterhalb der Gerokstraße haben begonnen. Ab Sommer 2020 sollen dort sechs Stadtvillen mit Eigentumswohnungen gebaut werden. Die Fertigstellung ist für 2023 geplant.

Blick über die noch massiven Reste der ehemaligen Zentrale des Diakonischen Werks an der oberen Stafflenbergstraße hinab in den Stuttgarter Talkessel Foto: Jürgen Brand
Blick über die noch massiven Reste der ehemaligen Zentrale des Diakonischen Werks an der oberen Stafflenbergstraße hinab in den Stuttgarter Talkessel Foto: Jürgen Brand

S-Ost - Vor wenigen Tagen ist mit dem Abriss der ehemaligen Gebäude des Diakonischen Werks zwischen Stafflenberg- und Gerokstraße begonnen worden. Neuer Bauherr ist die „EPPLEZWEI Stuttgart GmbH“. Die massiven Betongebäude aus den 1970er Jahren sollen bis Juli 2020 abgebrochen werden. Direkt danach soll dort mit dem Bau von sechs frei stehenden Stadtvillen mit hochwertigen Wohnungen begonnen werden. Nach dem jetzigen Planungsstand können die Wohnungen im Laufe des Jahres 2023 bezogen werden. Verkaufsstart für die Eigentumswohnungen wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2020 sein.

Das Diakonische Werk verließ die Stadt Ende 2012

Über das ambitionierte Projekt in bautechnisch schwieriger Hanglage war schon vor sechs Jahren viel diskutiert worden. Später wurde es allerdings auffällig still um das Vorhaben. Der lang gezogene Gebäudekomplex an der oberen Stafflenbergstraße fällt beim Blick aus dem Talkessel, etwa vom Schloss- oder Charlottenplatz aus, in Richtung Gänsheide und Staatsministerium sofort ins Auge. Er war viele Jahre lang der Sitz des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche Deutschland mit den Organisationen Evangelischer Entwicklungsdienst, Brot für die Welt und der Diakonie-Katastrophenhilfe. Dann beschloss die Kirche, die Dienste zu bündeln und den Sitz nach Berlin zu verlegen, was in Stuttgart Proteste auslöste. Ende 2012 verließen die Dienste die baden-württembergische Landeshauptstadt, die Immobilien wurden verkauft.

Käufer war damals die Stuttgarter Archy Nova Projektentwicklungs GmbH in Kooperation mit der Nanz & Rieth Immobilien GmbH. Aus einem später ausgeschriebenen Architektenwettbewerb ging ein Entwurf mit sechs hochwertigen Stadtvillen auf dem Areal als Sieger hervor. Damals war noch die Rede von einer Mischung aus Eigentums- und Mietwohnung, auch über die Vorgaben des Stuttgarter Innenentwicklungsmodells (SIM) für familiengerechten und preiswerten Wohnraum war wiederholt diskutiert worden. Schon damals war allerdings auch klar, dass bis zum Abriss und Neubau noch einige Jahre vergehen würden, weil zunächst das Staatsministerium interimsweise in die einstige Diakonie-Zentrale einzog, während die Villa Reitzenstein saniert und daneben das neue Bürogebäude errichtet wurde.

Diese Interimsnutzung ist längst Geschichte, unterdessen gab es beim Bauherrn einige Veränderungen. Die Archy Nova-Gesellschaft wurde im zweiten Quartal 2016 von dem Heidelberger Unternehmen Epple mit allen bereits mit der Stadt getroffenen Vereinbarungen übernommen und in „EPPLEZWEI Stuttgart GmbH“ umbenannt. Unter diesen neuen Vorzeichen wurde das Projekt weiter entwickelt. „Im Zusammenhang mit SIM werden alle vertraglichen Verpflichtungen eingehalten“, erklärt der Epple-Unternehmenssprecher Herbert W. Rabl auf Anfrage und fügt hinzu: „Grundsätzlich steht Epple dem Anliegen von SIM positiv gegenüber.“ Die Abbruchgenehmigung liegt seit Kurzem vor, mit den Arbeiten wurde bereits begonnen. Das Baugesuch wurde eingereicht.

Weniger Parkplätze in der gesamten Bauzeit

Die Anwohner wurden in einem ausführlichen Informationsschreiben über die Baumaßnahme, den Zeitplan und vor allem auch über die zu erwartenden Auswirkungen auf die Nachbarschaft während der Bauphase informiert. Die Arbeiten mit dem größten Lärm seien demnach bewusst auf den Spätherbst, Winter und Vorfrühling gelegt worden, eine Zeit also, in der die Fenster meistens geschlossen sind. Außerdem würden hochwertige Sägeblätter, die etwas leiser als andere sind, eingesetzt. Um die Staubentwicklung zu reduzieren, sind die Abbruch- und Bauunternehmen angehalten, die Baustelle wenn erforderlich zu beregnen und die Zufahrtsstraßen regelmäßig zu säubern. Damit die Baulastwagen in den zum Teil engen Straßen fahren und rangieren können, gilt während der gesamten Bauzeit bis 2023 im Abschnitt der Stafflenbergstraße zwischen Diemershalden- und Gerokstraße sowie in der oberen Sackgasse der Diemershaldenstraße ein Parkverbot.

Der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost wird sich in seiner nächsten öffentlichen Sitzung am Mittwoch, 27. November, mit dem Bauprojekt befassen. Dann wird über einen Antrag der CDU beraten, in dem um eine Berichterstattung über das Projekt und die aktuellen Entwicklungen und Planungen im Bezirksbeirat gebeten wird. Die Sitzung im Bürgersaal, Schönbühlstraße 65, beginnt um 18.30 Uhr.

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