Auf die Plätze: Bärenwiese Ludwigsburg Vom königlichen Grün zum Garten für alle

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Die Bärenwiese ist die zentrale Achse der Stadt, der beliebteste Freizeitort und auch historisch ein Platz mit höchster Aufmerksamkeit. Mitten darin ein viel gelobter Spielplatz.

Ein Erholungsort für alle Generationen: Die Bärenwiese ist die grüne Lunge der Barockstadt Ludwigsburg. Foto: factum/Granville
Ein Erholungsort für alle Generationen: Die Bärenwiese ist die grüne Lunge der Barockstadt Ludwigsburg. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Herrschaftlich? Königlich? Barock? Das ist den Kindern auf dem Spielplatz inmitten der Bärenwiese in Ludwigsburg ziemlich egal. Sie sausen auf der aus einem Baum herauswachsenden Rutsche herunter, balancieren auf den Naturholzkonstruktionen oder laufen über die Hängebrücke, deren Mauer an eine Burg erinnert. Das Stuttgarter Büro Kukuk hat den Spielplatz einst zusammen mit Anwohnern ersonnen – er bekommt in Bewertungsportalen wie spielplatz.net stets die höchsten Auszeichnungen.

Es mag ein schönes Symbol für die Stadt Ludwigsburg sein, dass an einem solch traditionsreichen Ort Kinder spielen. Stehen sie doch für die für die Zukunft der Stadtgesellschaft. Denn die Bärenwiese gehört zur DNA der Kommune wie das Schloss oder das Blühende Barock. „Ein prägendes Element der Idealstadt“, umschreibt der Stadtplaner Martin Kurt die Lage dieser herrlichen Freizeitwiese mit Blick auf die Sommerresidenz des Königs.

Chillen und Picknick unter historischen Bäumen

Doch wenn die Ludwigsburger von Bärenwiese sprechen, dann ist nicht nur die beliebte Grünzone gemeint, die trotz des Autoverkehrs auf der B 27 an sonnigen Tagen von Picknickfreunden ebenso genutzt wird wie von Jugendlichen zum Chillen. Denn die Bärenwiese ist sozusagen die gute Stube der Stadt, das Areal umfasst auch das Forum am Schlosspark und dessen Vorplatz. Beim Pferdemarkt ist es zentraler Festplatz, sogar ein Zirkus, eine Gartenausstellung, die Show Sandwelten und andere Großveranstaltungen waren hier zu Gast. Seit der Umgestaltung 2014 ist dies allerdings nur noch eingeschränkt möglich.

Die Geschichte der Bärenwiese ist durchaus wechselhaft. Entgegen landläufiger Meinung trägt sie ihren Namen nicht, weil der König auf Höhe der Friedrichstraße einst Bären gehalten hat. Der Name Bärenwiese hat sich zwischen 1860 und 1880 eingebürgert, wie der Stadthistoriker Günther Bergan schon 2010 in einem Aufsatz festgestellt hat. Woher der Name stammt, lässt sich indes nicht mehr feststellen.

In den 1920er-Jahren wurde offenbar darüber nachgedacht, die Grünanlagen zu überbauen – was aber 1927 im Stadtbauplan ausgeschlossen wurde, wie in alten Zeitungen zu lesen ist. Die Bärenwiese sei ein Naturdenkmal und diene der „Gesundheit der hiesigen Stadtbevölkerung“. Bis in die 50er Jahre hinein blieb sie als Obstbaumwiese bestehen, mit der Gartenschau Blühendes Barock wurde sie 1954 zum Volkspark erklärt und vom Land in die Obhut der Stadt Ludwigsburg übergeben.

Ein Volkspark für die Erholung entsteht 1954

Unter dem Begriff „Volkspark“ wurde eine Grünzone zur Entspannung und Erholung verstanden; das galt für die westliche Hälfte jenseits der Königsaallee. Der südliche Teil wurde hingegen als Messeplatz und Vergnügungspark eingerichtet. In den 70er Jahren berichtete die Zeitung davon, dass die Bärenwiese ein Eldorado für Obdachlose geworden sei. In den Ruinen und aufgelassenen Kasernen der Stadt übernachteten sie, tagsüber traf man sie auf der Bärenwiese und hinterließen dort Flaschen und allerlei Unrat. Aber auch dieses Problem bekam man in den Griff.

Und so ist die Bärenwiese nun wieder die grüne Lunge der Stadt, eine Touristenattraktion und ein „Alleinstellungsmerkmal“, wie der Stadtplaner Martin Kurt meint. Viele ihrer Bäume stammen noch aus feudaler Zeit. So ließ der Herzog Friedrich 1799 sagenhafte 596 Kastanien und 770 Linden pflanzen, später ließ König Friedrich Wilhelm I. verstärkt Zwetschgen- und andere Obstbäume setzen.

Den Kindern auf dem Spielplatz ist das ziemlich egal. Sie pfeifen auf die Historie und freuen sich an Wipptieren, Schaukeln und Wasser, während es sich die Eltern auf der Liegewiese bequem machen. So war das mit der „Gesundheit“ im Jahr 1927 durchaus gemeint. Und der bürgernahe König Wilhelm hätte vermutlich seine Freude daran gehabt, dass seine Untertanen die herrschaftlichen Wiesen so rege nutzen. Und wenn die Kinder auf der Abenteuerburg stehen und auf die Residenz schauen, können sie sich auch wie kleine Könige fühlen.




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