Auf die Plätze: der Segelflugplatz in Löchgau Unten zieht das Seil, oben säuselt der Wind

Von Claudia Bell 

Für Menschen, die Flugangst haben, ist das Segelfliegen sicher nicht das richtige Hobby. Allen anderen liefert es eine tolle Erfahrung – und der Blick nach unten auf den Platz ist wunderbar.

Orientierung für den Landeanflug – die Markierungen auf dem Segelflugplatz in Löchgau weisen den Seglern den Weg nach unten Foto: factum/Granville
Orientierung für den Landeanflug – die Markierungen auf dem Segelflugplatz in Löchgau weisen den Seglern den Weg nach unten Foto: factum/Granville

Löchgau - Die Sonne strahlt vom Himmel, einzelne Spaziergänger laufen in der Ferne mit Kinderwagen. Ein Hund bellt, der Wind weht schwach von Westen, die Stängel auf den Maisfelder wogen sanft hin und her. „Kein richtig idealer Wind, aber irgendwie wird es schon gehen“, sagt Rainer Barth mit kritischem Blick zum Himmel, während er am Rande des Segelflugplatzes in Löchgau steht. Barth ist der Vorsitzende der Luftsportgemeinschaft Bietigheim-Lauffen-Löchgau und kennt sich bestens aus mit dem Fliegen, schließlich ist der 55-Jährige selbst ausgebildeter Fluglehrer und fliegt seit seinem 14. Lebensjahr.

An diesem Sonntagvormittag ist viel los auf dem Flugplatz. Fast nur Männer laufen umher und helfen sich gegenseitig, die etwa 200 bis 300 Kilogramm schweren Flugzeuge aus dem Hangar zu schieben. „Auch wenn man meist alleine im Flugzeug sitzt, ist Segelfliegen ein absoluter Teamsport“, sagt Barth. Denn zum Fliegen braucht es gleich mehrere Menschen, die ihre Aufgaben zu erfüllen haben: Da sind zum einen die Vereinsmitglieder, die beim Herausrollen dafür sorgen, dass die langen Flügel mit einer Spannweite von 15 Metern nirgendwo anschlagen. Dann gibt es den Flugleiter, der während des Flugbetriebs am Wochenende ganztags anwesend ist und die Starts und Landungen koordiniert. Jemand muss den so genannten Seil-Rückholwagen fahren – in Löchgau ist das ein uralter, roter Feuerwehr-Jeep, der mit rasender Geschwindigkeit über das Feld fegt. Und dann gibt es noch das gewissermaßen wichtigste Fahrzeug auf dem Feld: das Seilwindenfahrzeug, an dem die beiden Seilwinden hängen. „Die Seilwinde wird vorne am Flugzeug befestigt und zieht das Flugzeug hoch auf 400 Meter mit einer Beschleunigung von null auf 100 Kilometer pro Stunde“, erklärt Barth.

Rainer Barth kennt alle Flugzeuge

Doch bis es zum ersten Start kommt, müssen noch einige Dinge erledigt werden. Wenn die zwölf vereinseigenen Maschinen aus dem Hangar geschafft sind, werden sie mit speziellen Lappen abgewischt. „Jeder Staub, jede tote Fliege auf dem Flugzeug bietet Windwiderstand, deshalb muss alles ganz sauber sein“, so Barth. Weiß glänzen die Vögel in der Sonne, Barth kennt sämtliche Jahrgänge aller Flugzeuge. „Wenn man einmal geflogen ist, lässt es einen nicht mehr los“, schwärmt Barths Frau Roswitha (50). Man fühle sich einfach erhaben und frei so weit oben, und der Unterschied zum normalen Fliegen im Verkehrsflugzeug sei die absolute Stille – abgesehen vom Säuseln des Winds, dem ständigen Begleiter.

Segelfliegen hat was

Am Ende des Gesprächs schließlich stellt Rainer Barth die alles entscheidende Frage: ob man es nicht auch einmal versuchen wolle. Die Bedenken sind groß, immerhin scheint so ein Segelflugzeug für Laienaugen nicht gerade das sicherste Fluggerät zu sein. Klein ist es und ein bisschen eng, auch der Abstand zwischen Kopf und durchsichtigem Plexiglasdach verursacht eher leichte Anflüge von Platzangst. Doch der Mut und die Neugier siegen, und plötzlich zieht die Seilwinde an, das Flugzeug prescht über die Wiese. Es kommt einem vor, als bewege man sich senkrecht gen Himmel. „Achtung, jetzt wird gleich die Seilwinde ausgehakt“, sagt Rainer Barth, der vorne sitzt. Als das Flugzeug dann lautlos schwebend durch die Luft gleitet und der Blick nach Tripsdrill, über die Weinberge oder bis nach Stuttgart und fast bis zur Schwäbischen Alb schweift, muss man den Barths recht geben: Segelfliegen hat was.

Segelfliegen in Löchgau

Der Platz
ist größtenteils Vereinseigentum. Er hat eine Schlepplänge von 1000 Metern und eine Breite von etwa 60 Metern. Außerhalb des Flugbetriebs darf jedermann über den mit Wegen durchzogenen Platz laufen, bei Flugbetrieb werden die seitlichen Schranken geschlossen.

Der Verein,
die LSG-Bietigheim-Lauffen-Löchgau, hat etwa 160 Mitglieder, davon 70 Aktive. Der Vereinsbeitrag beginnt bei 199 Euro pro Jahr. Jeder kann Mitglied werden. Wer sich fürs Segelfliegen interessiert, kann vorbeikommen und auch mitfliegen. Mehr Informationen unter www.lsg-bietigheim.de (cb)




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