Auf Kleinanzeigen.de Katze im Internet gekauft, dann beginnt der Alptraum – „In Panik versetzt“

, aktualisiert am 16.02.2026 - 09:46 Uhr
Kater Cosmo wurde illegal über Kleinanzeigen.de verkauft. Foto: Tierschutzverein Mensch und Tier Region schwäbische Alb

Eine Herrenbergerin kauft über Kleinanzeigen.de eine Katze. Der Haken: Der Besitzer durfte das Tier nicht veräußern. Eine Geschichte über Tierliebe, Angst und die Macht des Internets.

Böblingen: Rebecca Baumann (rmu)

Eigentlich wollte Ecaterina Calestru ihrer Freundin nur eine Freude machen. Doch was sie damit lostrat, damit hätte die 21-jährige Herrenbergerin nie gerechnet.

 

Doch beginnen wir am Anfang. Ecaterina Calestrus Freundin wünscht sich schon lange eine Katze. Also sammelt die 21-jährige Herrenbergerin gemeinsam mit ihren Freunden Geld, um einen Stubentiger zu kaufen, und macht sich im Netz auf die Suche.

Kater Cosmo wurde vom Verein um Svenja Große-Kleffmann vermittelt. Foto: Tierschutzverein Mensch und Tier Region schwäbische Alb

Auf Kleinanzeigen.de findet Ecaterina Calestru eine passende Katze

Auf Kleinanzeigen.de entdeckt sie eine junge Samtpfote, die ein neues Zuhause sucht. Kurzentschlossen tippt Calestru eine Nachricht an den Besitzer in ihr Handy und erhält bald Antwort. Sie könne vorbeikommen.

Wenig später parkt die 21-Jährige vor einem Haus in Reutlingen. Darin wohnt die im Netz angebotene Katze sowie eine weitere Samtpfote: große Kulleraugen, getigertes Fell, weiße Pfötchen – Kater Cosmo. „Er hat uns sofort sehr berührt, deshalb habe ich mich entschieden, ihn mitzunehmen“, sagt sie rückblickend.

Katze auf Kleinanzeigen.de gekauft – dann beginnt der Alptraum

Der Verkäufer verlangt 250 Euro für Cosmo – für 350 Euro hätte sie beide Katzen kaufen können. „Ich wollte jedoch zunächst nur Cosmo mitnehmen.“ Ohne zu zögern bezahlt sie, und der Kater reist mit ihr nach Herrenberg. Ihre Freundin freut sich über das Geschenk. „Die Überraschung ist sehr gut angekommen.“ Damit war die Sache für die junge Frau abgeschlossen. Eigentlich.

Denn was wie ein tierischer Traum klingt, entpuppte sich für die Herrenbergerin schnell als Albtraum. Cosmos Besitzer hätte den Kater überhaupt nicht verkaufen dürfen. Mit Hilfe eines Facebook-Posts sucht nämlich derweil der Tierschutzverein Mensch und Tier Region schwäbische Alb, der in Lichtenstein bei Reutlingen ansässig ist, händeringend nach Cosmo. „Illegaler Verkauf: Wo ist Kater Cosmo?“, heißt es dort.

Kater Cosmo kam aus dem Tierheim in ein Zuhause, das nicht sicher war

Am 4. Januar, so schreiben die Tierschützer, hätten sie Cosmo in ein „vermeintlich schönes Zuhause“ vermittelt. Sein neuer Besitzer – ein junger Mann, der dem Verein schon mehrere Jahre lang freundschaftlich verbunden gewesen und dessen Wohnung vor der Vermittlung des Katers kontrolliert worden sei – habe ihn über Kleinanzeigen.de verkauft. „Das ist illegal, ein massiver Vertragsbruch und eine Straftat. Wir sind fassungslos, wütend und in tiefer Sorge um einen unserer Schützlinge. Was wir gerade erleben müssen, ist der Albtraum eines jeden Tierschützers“, heißt es in dem Post weiter.

Was viele nicht wissen: Aus dem Tierschutz übernommene Vierbeiner dürfen nicht weiterverkauft werden. Die frischgebackenen Tierbesitzer unterschreiben bei der Adoption in der Regel einen Schutzvertrag, erklärt Svenja Große-Kleffmann, Erste Vorsitzende des betroffenen Tierschutzvereins Mensch und Tier Region schwäbische Alb. „Darin steht, dass die Tiere auch weiterhin in unserem Besitz bleiben.“

Konkret bedeute das: der Weiterverkauf sei verboten, sogar ein Umzug der Besitzer müsse dem Verein unverzüglich gemeldet werden. „Wir retten die Tiere nicht und kämpfen jede Sekunde ums Überleben, damit sie später einfach über eBay vertickt werden“, steht in dem Facebook-Post. Gerade um Cosmos Leben habe sie lange gerungen, nachdem sie den Kater als neugeborenen Winzling „in Pfullingen aus dem Müll gefischt“ habe, erinnert sich Große-Kleffmann.

Der Facebook-Post zu Kater Cosmo geht viral

In ihrer Verzweiflung setzt die Tierschützerin alle Hoffnung in ihre Facebook-Follower. Sie sucht nach einer gewissen „Ekaterina“, die ein Auto mit einem Böblinger Kennzeichen fahren und Cosmo gekauft haben soll. Der Post macht im Netz die Runde, mehr als 900 Mal wird er (Stand 11. Februar) geteilt, mehr als 100 Kommentare finden sich darunter.

Dass sie Cosmo auf diese Weise tatsächlich finden würde – eine Katze im Heuhaufen, quasi – hatte sie kaum zu hoffen gewagt. „Das grenzt an ein Wunder“, sagt Große-Kleffmann. Doch es klappt: Befreundete Tierschützer hätten sie auf Ecaterina Calestru aufmerksam gemacht, über soziale Netzwerke sei der Kontakt zu der Herrenbergerin zustande gekommen.

„Wir sind fassungslos, wütend und in tiefer Sorge um einen unserer Schützlinge.“

Tierschutzverein Mensch und Tier Region schwäbische Alb auf Facebook

Die 21-Jährige reagiert zunächst verstört. „Das hat mich sehr verunsichert und ehrlich gesagt auch in Panik versetzt, weil ich das Gefühl hatte, etwas falsch gemacht zu haben. Ich war sehr überfordert.“ Sie habe das Tierheim angerufen und die Situation erklärt. „Mir war und ist wichtig, dass alles transparent, korrekt und im Sinne der Tiere geregelt wird.“ Das Gespräch sei sehr ruhig und sachlich verlaufen. Sie habe einen Besuch bei Cosmo angeboten, das nahmen die Tierschützer an.

Der Grund für das Verhalten des Mannes bleibt unklar

Auch wenn die Geschichte zumindest für Cosmo offenbar ein gutes Ende genommen hat, hat der Fall bei den Tierschützern Spuren hinterlassen. Das missbrauchte Vertrauen nagt an ihnen. „Ich kenne ihn seit Jahren“, sagt Svenja Große-Kleffmann über den jungen Mann. Er habe immer einen guten Eindruck hinterlassen. „Das trifft uns daher nicht nur ein bisschen, sondern auf einer wahnsinnig emotionalen, persönlichen Ebene, dass er sich für diesen Weg entschieden hat“, heißt es in dem Facebook-Post.

Der Grund für das Verhalten des Mannes bleibt nebulös. „Egal, wie oft ich darüber nachgedacht habe, ich verstehe es einfach nicht. “ Der Tierschutzverein hat Anzeige erstattet. Und das Geld, das der junge Mann mit Cosmo verdient hat, ist dem Tierheim überwiesen worden und soll seinen Weg zu Ecaterina Calestru zurückfinden.

„Es ist toll, dass sie sich gemeldet hat“, sagt Svenja Große-Kleffmann über die junge Herrenbergerin. „Sie trifft keine Schuld.“ Nach ihrem Besuch bei Ecaterina Calestru steht nun auch fest: Cosmo darf in Herrenberg bleiben. Trotz des Happy Ends in diesem Einzelfall rät die Tierschützerin stark davon ab, über Kleinanzeigen.deTiere zu kaufen. Nur selten gehe es dort um deren Wohl.

Tiere auf Kleinanzeigen.de

Regeln
 Generell dürfen auf Kleinanzeigen.de keine Tiere verschenkt, getauscht oder über eine Anzeige gesucht werden. Hunde und Katzen, die jünger als ein Jahr sind, dürfen nur von Personen mit einer behördlichen Erlaubnis angeboten werden.

Verbote
 Ausgeschlossen sind auch Tiere, die sich im Ausland befinden, sowie giftige, aggressive, kupierte und schwierig zu haltende Tiere, Tiere aus Qualzucht, Wildfänge, Reptilien, Primaten und andere Exoten. 

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